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Studierte Raubritter
17.04.2005


Yoshihiro Tsurumi






Vor dreißig Jahren war Präsident Bush mein Student an der Harvard Business School. In meinem Kurs nannte er Präsident Franklin D. Roosevelt, Jahrgang 1904, einen "Sozialisten" und sprach sich gegen das Sozialversicherungssystem, Arbeitslosenversicherung, die Börsenaufsichtsbehörde und andere Neuerungen des "New Deal" aus. Er wollte nicht verstehen, daß Kapitalismus ohne bürgerliche Werte und ethische Grenzen korrupt wird.

In jenen Tagen gehörte Bush zu einer Minderheit von MBA-Studenten, die in keiner Weise die moralische und soziale Verantwortung für ihr Handeln übernahmen. Heute würde er sich problemlos in die überwältigende Mehrheit der Studenten und Lehrer der der Betriebswirtschaft einfügen, deren Vorbilder bejubelte Piratenkapitäne sind. Seit den 80ern, als Neo-Konservative die Republikanische Partei übernahmen, wurde auch die amerikanische Betriebswirtschaftslehre zunehmend mit der Kultur der Raubritter aus der Ära vor der großen Depression verseucht.

Bush ist der erste Präsident der USA mit einem "Master of Business Administration"-Diplom (MBA). Und doch verkörpert er die schlechtesten Aspekte der amerikanischen Ausbildung in der Betriebswirtschaftslehre. Um die Sozialversicherungen zu privatisieren geht er mit einer riesigen Lüge über ihre Zahlungsfähigkeit hausieren. Darüber hinaus zeigt Bush, gemeinsam mit den heutigen Unternehmens-Adligen, keinerlei Mitgefühl für arbeitende Amerikaner, beraubt sie zugunsten von Großunternehmen und den Superreichen. Im vergangenen Jahr zahlten dank Bushs Steuersenkungen über 80 von Amerikas 200 gewinnbringendsten Unternehmen nicht einmal einen Penny ihrer Einkommenssteuern. Währenddessen, um diese zusätzlichen Steuersenkungen für die Superreichen zu finanzieren, beschneidet Bush drastisch Sozialdienste wie bundesstaatliche Essensprogramme für arme Kinder.

Betriebswirtschaftslehre hat auch den früheren Enron-Geschäftsführer Jeff Skilling und andere hinter den gesetzwidrigen Handlungen von Tyco, HealthSouth, Halliburton, AIG und WorldCom stehende MBAs hervorgebracht. Viele Führungskräfte der Wirtschaftswelt Amerikas mit MBAs sind ebenfalls mit den unmoralischen Akten beschäftigt gewesen, ihre Unternehmenskassen auf Kosten von Angestellten und Aktionären zu plündern. Präsident Bushs Anmaßung nachahmend geben sich zahllose Geschäftsführer des Konzern-Amerikas selbst schamlos große Bonuszahlungen, die sehr wenig mit ihren tatsächlichen Leistungen zu tun haben. 1980 erhielten die Geschäftsführer der erfolgreichsten 500 Unternehmen durchschnittlich das 70-fache Gehalt des Durchschnitts ihrer Angestellten. Unter der Bush-Regierung sind vergleichbare Geschäftsführer dahin gekommen, sich selbst das 600- bis 1.000-fache des Gehalts der breiten Masse ihrer Angestellten, deren Gehälter stagniert sind, zu zahlen. Um solche selbst genehmigten Gehälter zu finanzieren entlassen Unternehmens-Aristokraten ihre Arbeiter, beschneiden die Gesundheitsversorgung einfacher Angestellter und verlagern Arbeitsplätze ins Ausland. Unter der Bush-Regierung haben über fünf Millionen Amerikaner ihre Gesundheitsversorgung verloren und die USA haben mehr als 2,7 Millionen qualifizierte Arbeitsplätze in der Produktion verloren. Präsident Bush und seine habgierigen "Piratenkapitäne" des Konzern-Amerikas zerstören die Demokratie Amerikas, sie seit der Ära von Roosevelts "New Deal" aufgebaut wurde.

Währenddessen ist das amerikanische Wirtschaftsstudium zunehmend zu einer Pseudowissenschaft der mathematischen Formelmanipulation geworden, die keine Menschlichkeit enthält. Diese Wirtschaftslehre hat die Betriebswirtschaftslehre Amerikas erobert und wurde mit der Raubritterkultur der Überlegenheit der Gier vereint. Amerikanischen MBAs wird beigebracht, einfache Angestellte als entbehrliche Kosten zu behandeln und unkritisch das Evangelium hinzunehmen, daß Unternehmen nur existieren, um abstrakte Aktionäre zu belohnen. MBAs werden in der vorgeblichen Wissenschaft der Manipulation der Buchführung, der Finanzen, der Angestellten, der Kunden und der Aktienkurse unterrichtet. Finanztricks und feindliche Übernahmen von Konkurrenten werden gelehrt um das einzige Ziel der Unternehmen zu erreichen - Geld zu machen und Aktienkurse zu manipulieren. Derart falsche Ansichten von Unternehmen haben zu dem bedrückenden Abstieg amerikanischer Autohersteller geführt, während Toyota und Honda ihre Marktanteile und Gewinne in Amerika vergrößert und ihre Ziele der Ausweitung der Beschäftigung und der technischen Innovationen verfolgt haben.

Um die Raubritterkultur zu rechtfertigen zitieren die amerikanischen Betriebswirtschaftslehrer und Ökonomen fälschlich ihren Halbgott der Laissez-faire-Ökonomie, Adam Smith. Sie haben keine Ahnung, daß Adam Smith Bushs Art der Regierung vernichtend geißelte: geheime Absprachen von Unternehmen und ungerechte Steuern, Wal-Marts Ausbeutung von Arbeitern und Gemeinden und die Anmaßung der Raubritter. Nirgends in seinem 900-seitigen Buch "Der Wohlstand der Nationen" impliziert Smith auch nur, daß jene, die anderen und der Gesellschaft bei der Verfolgung ihrer persönlichen Gier bewußt schaden, auch der Gesellschaft nützen. Er lehnt den Gedanken ab, daß ein Unternehmen existiert, um Geld ohne ethische Beschränkungen zu machen.


Yoshihiro Tsurumi ist Professor für internationale Betriebswirtschaftslehre am Baruch College. Er erhielt seinen Doktor der Betriebswirtschaftslehre 1968 in Harvard und unterrichtete an der Harvard Business School von 1972 bis 1976.





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