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Die andere Wunschliste
20.04.2005








Am Dienstag veröffentlichte die US-Organisation "American Civil Liberties Union" (ACLU) weitere Dokumente des US-Militärs, die ihr aufgrund einer Klage auf Basis des Informationsfreiheitsgesetzes zur Verfügung gestellt worden sind. Diese Dokumente belegen, daß die Folterung von Gefangenen im Irak ebenso brutal verlief wie auch von höchsten Stellen genehmigt war.

"Diese Dokumente liefern weitere Beweise dafür, daß die Befehlskette im Irak die Mißhandlung von Gefangenen in US-Gewahrsam billigten und sogar förderten", so der ACLU-Anwalt Amrit Singh. "Anstatt diese Befehlskette für die systematische Mißhandlung von Gefangenen zur Verantwortung zu ziehen, fährt die US-Regierung fort, Bemühungen, die ganze Wahrheit, wer letztlich verantwortlich war, ans Licht zu bringen, zu behindern."

Die nun veröffentlichten Dokumente zeigen, daß jene Foltermethoden, die auf "Wunschlisten" auf Anforderung eines US-Hauptmanns eingereicht worden waren, zum größten Teil auch angewandt wurden. Zu den "gewünschten" Arten der Folter gehörten "Stromschläge mit niedriger Spannung", "Schläge mit Telephonbüchern", die "Herbeiführung von Muskelermüdungen" und die Benutzung von Hunden und Schlangen.

Unter den freigegebenen Dokumenten befinden sich mehrere Autopsieberichte, die keinen Zweifel daran lassen, daß die Gefangenen zu Tode gefoltert wurden. Darunter sind Fälle von erwürgten Gefangenen und solchen, die durch "direkte Gewalteinwirkung" getötet wurden. Ein anderer Bericht beschreibt, wie ein Vater bei der gespielten Hinrichtung seines Sohnes zusehen mußte. Der Vater flehte die Soldaten dabei an, das Leben seines Sohnes zu verschonen.

Ein weiterer Bericht eines Militärarztes gibt einen Einblick in die Zuverlässigkeit der Aussagen von US-Militärs. Der Arzt schrieb in seinem Bericht, daß zwei Iraker von US-Soldaten "brutal geschlagen" worden waren, während ein US-Hauptmann behauptet hatte, sie wären "nur ein bißchen aufgemischt" worden.

Als Folge der "Wunschlistenaktion" hatte sich eine Diskussion über die moralischen und rechtlichen Folgen zwischen zwei Verhörbeamten entwickelt. Während der eine sich auf den Standpunkt stellte, daß es letztlich eine Frage von "richtig oder falsch" sei, was nicht einfach beiseite geschoben werden könne, wenn dies unbequem werde, machte der andere klar, daß er sich von derlei Überlegungen nicht beeinflussen lassen würde. Vielmehr zählte für ihn offenbar ausschließlich das "Ergebnis".

"Unsere Geheimdienstdoktrin beruht auf den früheren Feinden des Kalten Krieges und des 2. Weltkriegs", schrieb er. Der "heutige Feind" hingegen verstehe nur "Gewalt, keine psychologischen Spielchen oder Belohnungen."

Ein Stabsfeldwebel ließ auch keinen Zweifel daran, daß die Verantwortung für die zahllosen Fälle der Folterung von Gefangenen in der Befehlskette weit nach oben reicht. Die Kommentare hochrangiger Vorgesetzter, denen zufolge Gefangene keine Kriegsgefangenen gemäß den Genfer Konventionen seien, "haben viel Verwirrung über den Status der Gefangenen verursacht."

"Rückblickend", schrieb er weiter, "scheint es klar, daß es in Anbetracht der anscheinenden Zustimmung dieser und anderer Vorgehensweisen durch die obere Kommandoebene nur ein kleiner Gedankensprung ist, der es erlaubt, Handlungen wie jene durch [Name geschwärzt] begangenen, nicht nur zu tolerieren sondern auch dazu zu ermuntern."

Der ACLU-Anwalt Singh sagte abschließend: "Die vorliegenden Fakten belegt über jeden Zweifel, daß US-Streitkräfte die moralischen und rechtlichen Prinzipien, die in den Genfer Konventionen und den Kampfvorschriften der Armee selbst verankert sind und die Behandlung von Gefangenen regeln, aufgegeben haben."





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