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Falsch verstanden
21.04.2005








Wie der britische Telegraph am Donnerstag berichtete, haben zwei britische Organisationen einen Bericht vorgelegt, in dem sie sich für die verstärkte Abfallverbrennung zur Energiegewinnung aussprechen.

Dies würde demnach Großbritannien dabei helfen, die von der Europäischen Union gesetzte Vorgabe von einem Anteil an erneuerbaren Energiequellen an der Stromerzeugung von 10 Prozent bis zum Jahr 2010 zu erreichen. Innerhalb von 20 Jahren könnte ein Sechstel des britischen Energiebedarfs durch Müllverbrennung gewonnen werden, so der Bericht weiter. Die Hälfte der 30 Millionen Tonnen Haushaltsabfälle, die in Großbritannien im vergangenen Jahr auf Deponien "entsorgt" wurden, hätten demnach ausgereicht, um zwei Millionen Haushalte zu versorgen.

"Jahr für Jahr erzeugt Großbritannien mehr Abfall. Abfall zu Energie wird Vorteile für die Umwelt bringen, indem der Müllberg verkleinert wird", so Peter Gerstrom von der "Institution of Civil Engineers" (ICE, "Institut der Bauingenieure"), einer der beiden Organisation, die für den Bericht verantwortlich zeichnen. "Dies wird unsere Umweltleistung ankurbeln, indem die Nutzung erneuerbarer Energien gesteigert und die Abhängigkeit Großbritanniens von Mülldeponien gemindert wird."

Auch die zweite beteiligte Organisation, die "Renewable Power Association" (RPA, "Vereinigung für erneuerbare Energien") spricht sich rückhaltlos für die Müllverbrennung aus.

So sagte Gaynor Hartnell von der RPA: "Die Erzeugung von Energie aus Abfällen nachdem die Recyclingvorgaben erreicht wurden ist umweltfreundlich. Es hilft auch bei der Energiesicherheit, indem die Abhängigkeit von Energieimporten gesenkt wird."

Die Verbrennung von Abfällen allein angesichts des dabei entstehenden Schadstoffausstosses als "umweltfreundlich" zu bezeichnen erfordert sicherlich schon eine gewisse Dreistigkeit. Tatsächlich kann dies allerdings kaum verwundern, handelt es sich bei der RPA doch nach eigener Darstellung um eine "freie Handelsorganisation, die allen Unternehmen offensteht, die in der Industrie für erneuerbare Energien in Großbritannien beteiligt sind." Weiter heißt es dort, daß "der Blickwinkel der RPA jener des Produzenten ist, unabhängig von der Energiequelle und der Technologie."

Dabei ignoriert die RPA auch erfolgreich die Tatsache, daß die "Abfälle" zuvor zum großen Teil gerade aus Erdöl hergestellt werden müssen, jenem Stoff, dessen Verbrennung aufgrund seiner negativen Auswirkung auf die Umwelt als auch aufgrund seiner endlichen Vorkommen eben gerade durch erneuerbare Energien ersetzt werden soll.

Nun wäre es sicherlich ein leichtes, den gemeinsamen Bericht als das offensichtliche Produkt zweier Interessengruppen abzutun, das schon eine gewisse satirische Qualität aufweist. Tatsächlich denkt allerdings das britische Ministerium für Handel und Industrie darüber nach, Müllverbrennungsanlagen als Produzenten erneuerbarer Energien anzuerkennen - was dann auch entsprechende Förderungen nach sich zöge.

Offenbar ist der Bericht also weder als Satire gemeint, noch erscheint er zufällig. Vielmehr soll hier offensichtlich der Versuch unternommen werden, die Entscheidung der britischen Regierung zu beeinflussen und die Bevölkerung darauf vorzubereiten.





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