www.freace.de
Impressum und Datenschutz

Nachrichten, die man nicht überall findet.





Pappkameraden
27.04.2005








Ein Artikel der New York Times vom Montag stützt einmal mehr die Vermutung, daß die Verlustzahlen des US-Militärs im Irak weitaus höher sind, als dies offiziell zugegeben wird.

In dem Artikel berichten Mitglieder eines Einheit der US-Marines, die im März 2004 für ein halbes Jahr in den Irak verlegt worden war, entgegen der üblichen Verschwiegenheit offen über ihre schwerwiegenden Probleme aufgrund mangelnder Ausstattung mit Menschen und Material.

In den sechs Monaten, die "Kompanie E" des 2. Bataillons, 4. Regiment der 1. Division der Marines im Irak, genauer der Stadt Ramadi, verbrachte, wurde offiziellen Angaben zufolge über ein Drittel der insgesamt 185 Soldaten getötet oder verwundet. 21 - über 10 Prozent - der Soldaten wurden getötet.

Nicht nur, daß das ihnen zur Verfügung gestellte Material offenbar für ihre Aufgabe untauglich war - sie waren beispielsweise gezwungen, ihre Humvees mit Altmetall zu "panzern" um sich besser vor den zahlreichen Bomben des irakischen Widerstands schützen zu können. Sie waren personell auch derart unterbesetzt, daß sie dazu übergingen, aus Pappe und Armeebekleidung "Soldaten" zu basteln, um diese in Beobachtungsposten aufzustellen.

Am 6. April kam es zum folgenschwersten Gefecht mit Widerstandskämpfern. Insgesamt wurden an diesem Tag 10 Soldaten der Einheit getötet. Währenddessen versuchten andere Soldaten in ihrem Lager vergeblich, einen Kipplaster kurzzuschließen, um ihren Kameraden zu Hilfe kommen zu können.

Die Darstellung, daß es sich hier nur um mangelnde Planung der Militärführung handelte, scheint wenig glaubwürdig. Die Einheit ist ein Jahr nach dem Angriff auf den Irak dorthin verlegt worden, also zu einem Zeitpunkt, da der irakische Widerstand bereits in vollem Gange war. Noch dazu befindet sich ihr Einsatzort Ramadi inmitten des von dem US-Militär auch damals schon als "sunnitisches Dreieck" bezeichneten Gebiet, in dem der Widerstand vorgeblich besonders stark war. Sollte ausgerechnet eine Einheit, die inmitten einer solchen "Krisenregion" entsandt wird, aufgrund von "Fehlplanungen" derart mangelhaft ausgerüstet worden sein, so wäre dies sicherlich Anlaß für ernste Konsequenzen für die Verantwortlichen.

Spätestens die Tatsache, daß der Mangel an Soldaten nicht durch die Verlegung zusätzlicher Soldaten in das Gebiet ausgeglichen wurde, sondern die Soldaten gezwungen waren, "Pappkameraden" zu bauen, belegt deutlich einen massiven Mangel an Besatzungssoldaten im Irak. Wenn es nicht möglich war, Soldaten entsprechend zu verlegen, deutet dies wiederum darauf hin, daß auch andernorts ein Mangel an Soldaten bestand, was wiederum - wie auch in Ramadi - zu schweren Verlusten geführt haben dürfte.





Zurück zur Startseite





Impressum und Datenschutz

contact: EMail