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Nachrichten, die man nicht überall findet.





Zensur findet statt

28.04.2005






Eine Zeitung, die einen kritischen Kommentar über ein von der Regierung betriebenes Forschungszentrum, wo mit biologischen Waffen experimentiert wird, veröffentlicht. Eine Regierung, die daraufhin Druck auf diese Zeitung ausübt, was diese tatsächlich dazu bringt, den Artikel spurlos von ihrer Website verschwinden zu lassen.

Kuba?

Iran?

Venezuela?

Großbritannien.

Am 14. April veröffentlichte der britische Guardian einen Kommentar des Journalisten Duncan Campbell, in dem dieser unter dem Titel "The ricin ring that never was" ("Der Rizin-Ring, den es nie gab") die von der britischen Regierung offenbar ebenso wissentlich wie fälschlich geschürte Angst vor einem Anschlag mit Rizin kritisierte.

Während sich die britische Regierung Campbell zufolge in den vergangenen drei Jahren bemüht hat, die Öffentlichkeit glauben zu machen, daß in einer Londoner Wohnung das höchstgiftige Rizin gefunden worden war, war dies in Wahrheit nicht der Fall. Zwar hatten die Geräte von Wissenschaftlern der Forschungseinrichtung des britischen Verteidigungsministeriums in Porton Down bei einer ersten Untersuchung der Räume auf Rizin hingewiesen, im Labor konnte dies aber nicht bestätigt werden. Während dies der Regierung mitgeteilt worden war, behauptete sie das Gegenteil.

Entsprechend wurden in dem dazugehörigen Gerichtsverfahren alle Angeklagten bis auf einen freigesprochen.

Außerdem hatte Campbell in dem Verfahren belegt, daß die angeblich aus Afghanistan stammende Anleitung zur Herstellung von Rizin - hiermit sollte eine Verbindung zu "Al-Qaida" belegt werden - in Wahrheit über das Internet verfügbar war und keineswegs aus Afghanistan stammte. Die fünfseitige Anleitung zur Herstellung von Rizin, Zyanid und Botulinum und einer Reihe von Chemikalien für Sprengstoffe stammte offenbar vielmehr aus Palo Alto im US-Bundesstaat California.

Nicht nur, daß Campbell nachwies, daß die gefundene Liste von Chemikalien eine genaue Kopie einer dort beheimateten Website war, er ließ sich sogar zum Preis von 110 US-Dollar mehrere CDs und Videos zusenden, in denen die Herstellung von Bomben, Raketen, Sprengfallen und eben auch Rizin beschrieben wurde. Dies führte schließlich dazu, daß die Anklage in dem Verfahren die Vorwürfe einer Verbindung zu Al-Qaida vollständig fallengelassen hatte. Dies hinderte den britischen Innenminister David Blunkett allerdings nicht daran, noch zwei Wochen später erneut die Gefahr eines Anschlags durch "Al-Qaida" zu beschwören.

Campbell wies auch nach, daß ein vorgebliches "Handbuch des afghanischen Jihad", das bei einer Durchsuchung im Jahr 2000 in Manchester gefunden worden war, keineswegs von "Al-Qaida" stammte. Vielmehr handelte es sich bei dem Rizinrezept um eine direkte Übersetzung eines aus dem Jahr 1988 stammenden Buchs von Maxwell Hutchkinson mit dem Titel "The Poisoner's Handbook" ("Das Handbuch des Vergifters"). Selbst der Titel "Handbuch des afghanischen Jihad" entsprach nicht der Wahrheit sondern war vom US-Justizministerium ein Jahr später erfunden worden.

Nur wenige Tage nach der Veröffentlichung entfernte der Guardian den Artikel kommentarlos von seiner Website. Eine Suche bleibt dort ebenso erfolglos wie eine entsprechende Anfrage an die Redaktion.



Campbell seinerseits sagte gegenüber Freace, daß dies allein aufgrund der Tatsache geschehen sei, daß in seinem Artikel die Namen zweier in Porton Down arbeitender Wissenschaftler genannt worden seien. Der Artikel solle möglicherweise ohne diese Namen erneut veröffentlicht werden. Tatsächlich erscheint diese Darstellung allerdings wenig glaubwürdig, da der Name des Leiters der "Gruppe zur Identifikation biologischer Waffen" nur ein einziges Mal, gefolgt von seinem Posten, genannt wurde und auch der "Leiter der Chemieabteilung" von Porton Down nur zwei Mal genannt wurde. Entsprechende Änderungen an dem Artikel hätten mit Sicherheit nicht mehr als fünf Minuten erfordert - ungeachtet der Tatsache, daß auch dies zweifellos schon als Zensur zu werten wäre.

Offenbar ist seitens der britischen Regierung massiver Druck ausgeübt worden, um den Artikel verschwinden zu lassen. Tatsächlich hätte man allerdings kaum kontraproduktiver handeln können, da mittlerweile zahllose Websites den Artikel ihrerseits veröffentlicht haben.





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