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Kläger, Richter, Henker

CIA ermordet Verdächtigen

14.05.2005  






Am Freitag berichtete ABC News unter Berufung auf Geheimdienstquellen, daß die CIA in Pakistan mittels einer Predator-Drohne ein vermeintliches "hochrangiges Al-Qaida-Mitglied" getötet hat.

Demnach wurde Haitham al-Yemeni in dieser Woche in einer abgelegenen Region nahe der Grenze zu Afghanistan durch eine von einer Drohne angefeuerten Rakete getötet. Zuvor sei er schon "einige Zeit" beobachtet worden, in der Hoffnung, er würde seine Beschatter letztlich zu Osama bin Laden führen.

Nachdem aber "Al-Qaidas dritter Mann", Abu Faraj al-Libbi, in Pakistan gefangengenommen worden sei, habe man befürchtet, al-Yemeni würde abtauchen, so daß man es vorzog, ihn ohne Verfahren oder gar Urteil zu töten. Al-Yemeni sei außerdem als Nachfolger al-Libbis geplant gewesen.

Tatsächlich kann dies nur als illegaler, hinterhältiger und rücksichtsloser Mord an einer oder mehreren - es ist nicht klar, ob sich am Einschlagspunkt der Rakete weitere Menschen aufhielten - unbekannten Personen bezeichnet werden.

Bereits am vergangenen Sonntag berichtete die britische Times, daß es sich bei dem vorgeblichen "hochrangigen Al-Qaida-Mitglied" al-Libbi um eine Namensverwechslung mit dem einer Liste des FBI zufolge gesuchten Anas al-Liby handelte. Bei al-Libbi hingegen handelte es sich dem französischen "Geheimdienst-Sachverständigen" und "führenden Experten für Terrorismus-Finanzierung" Jean-Charles Brisard in Wahrheit nur um einen "Leiter auf mittlerer Ebene". "Pakistan und die US-Behörden haben seine Rolle und Wichtigkeit vollständig überschätzt", so Brisard.

US-Beamten zufolge wurde mittels einer Predator-Drohne in der Vergangenheit bereits in mindestens zwei Fällen "irrtümlich" das Feuer eröffnet, weil das Ziel für Osama bin Laden "gehalten" worden ist.

Es kann also weder angenommen werden, daß in diesem Fall die Identität des Opfers wirklich klar war, noch daß es sich dabei tatsächlich um ein hochrangiges "Al-Qaida-Mitglied" gehandelt hat. Ganz zu schweigen von der Tatsache, daß eine solche willkürliche und außergerichtliche "gezielte Tötung" in jedem Fall nur als Mord bezeichnet werden kann. Bemerkenswert ist hier sicherlich auch, daß offenbar keinerlei Interesse an einer Verhaftung und damit möglichem Verhör des Verdächtigen bestand. Da er bereits "einige Zeit" beobachtet worden war, sollte angenommen werden können, daß dies möglich gewesen wäre.

Zwar bestritt Pakistan am Samstag Agenturmeldungen zufolge, daß es zu dem Angriff gekommen sei, angesichts der inneren Spannungen Pakistans und der starken Kritik großer Teile der Bevölkerung an der rückhaltlosen Unterstützung der USA durch das Land kann dies allerdings kaum verwundern.

"Kein solcher Vorfall hat sich nahe der pakistanisch-afghanischen Grenze ereignet", so der pakistanische Informationsminister Scheich Rashid Amhed gegenüber AP. Auch Leutnant Cindy Moore, eine Sprecherin des US-Militärs in Afghanistan, bestritt, daß "Streitkräfte der US-geführten Koalition" an einem solchen Vorfall beteiligt gewesen wären - was allerdings ausdrücklich eine Beteiligung der CIA eben nicht ausschließt. Die CIA selbst wiederum wollte den Vorfall weder dementieren noch bestätigen.





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