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"Seine Beine waren praktisch zu Brei geschlagen"

"Gemäß der Standard-Vorgehensweise in Bagram"

21.05.2005  






Ein am Freitag von der New York Times veröffentlichter Artikel belegt einmal mehr, daß die Folterung von Gefangenen durch US-Soldaten zur "Standard-Vorgehensweise" gehört und schildert dabei, wie zwei Gefangene in Afghanistan zu Tode gefoltert wurden.

Die Informationen stammen aus einem fast 2.000 Seiten umfassenden, vertraulichen Untersuchungsbericht des US-Heeres, der der Zeitung in Kopie zugespielt wurde. Die Zeitung erhielt die Kopie "von einer an der Untersuchung beteiligten Person, die den in Bagram angewandten Methoden und der Reaktion des Militärs auf die Todesfälle kritisch gegenüberstand." Gegen insgesamt 27 Soldaten wurden zwar Ermittlungen aufgenommen, die Folgen gingen dabei bisher aber nicht über Abmahnungen und Degradierungen hinaus. Ein Großteil der Soldaten wurde später in den Irak - in das später wegen "auffallend ähnlicher Foltermethoden" berüchtigte Gefängnis Abu Ghurayb strafversetzt.

Eine alte sowjetische Basis in Bagram, etwa 65 Kilometer nördlich der afghanischen Hauptstadt Kabul, war von US-Soldaten nach der Eroberung Afghanistans zum Militärgefängnis und Verhörzentrum umgebaut worden. Durchschnittlich wurden dort zwischen 40 und 80 Menschen festgehalten und verhört.

Im Juli 2002 traf eine Einheit von US-Soldaten unter Führung von Leutnant Carolyn A. Wood, die mittlerweile zum Hauptmann befördert worden ist, dort ein. 13 Soldaten gehörten zur 525. Brigade des militärischen Nachrichtendienstes und sechs Reservisten mit Arabisch-Kenntnissen stammten aus der Nationalgarde des US-Bundesstaates Utah. Nur zwei der Soldaten hatten zuvor jemals Gefangene verhört.

Die Grundlage für die Folterung von Gefangenen wurde schon zuvor von US-Präsident George W. Bush gelegt. Zwar gab es einen Befehl des US-Verteidigungsministers Donald Rumsfeld, Gefangene "menschlich" zu behandeln und "wenn möglich" die Genfer Konventionen zu befolgen, im Februar 2002 hatte Bush aber erklärt, daß die Genfer Konventionen auf Gefangene Taliban- und Al-Qaida-Kämpfer - also aus Sicht der US-Soldaten in Afghanistan alle Gefangenen - nicht zuträfen und es sich bei ihnen nicht um Kriegsgefangene handele. Daher glaubten die die Verhöre durchführenden Soldaten, sie "könnten etwas von den Regeln abweichen", so Feldwebel James A. Leahy, einer der aus Utah stammenden Reservisten.

"Es gab die Genfer Konventionen für Kriegsgefangene, aber keine für Terroristen", so Leahy später in der Untersuchung. Nach Aussage hochrangiger Offiziere des Nachrichtendienstes wurden alle Gefangenen als "Terroristen" angesehen, bis etwas anderes bewiesen wurde.

Während ihre Vorgänger in Bagram noch gewisse Regeln aufgestellt hatten, wie beispielsweise die Begrenzung von Schlafentzug auf 24 Stunden, wobei der Verhörende selbst ebenfalls in dieser zeit nicht schlafen durfte, führten diese Soldaten neue "Regeln" ein - oder schafften sie ab. So wurde nun festgelegt, daß die "optimale Zeit für Schlafentzug" bei 32 bis 36 Stunden lag und die Soldaten selbst während dieser Zeit nicht ebenfalls wach bleiben mußten.

Einer der Soldaten genoß offenbar wegen seiner Rücksichtslosigkeit gegenüber Gefangenen unter seinen Kameraden besonderes Ansehen. Der Obergefreite Damien M. Corsetti, der seinen Spitznamen "Monster" nach Aussage anderer Soldaten auch auf seinem Bauch eintätowiert trug, wurde häufig zur Einschüchterung von Gefangenen benutzt. "Die anderen Verhörer nutzten seinen Ruf", berichtete der Obergefreite Eric H. Barclais, einer von ihnen. "Sie sagten dem Gefangenen 'Wenn Du nicht mit uns zusammenarbeitest müssen wir Monster holen und er wird nicht so nett sein.'" Ein anderer Soldat sagte während der Untersuchung, daß Stabsfeldwebel Steven W. Loring Corsetti häufig als "König der Folter" bezeichnet hat.

Ein in Guantánamo Bay befragter Gefangener berichtete, daß Corsetti bei einem Verhör in Bagram seinen Penis hervorgeholt, ihn dem Gefangenen vor das Gesicht gehalten und ihm gedroht habe, ihn zu vergewaltigen. Untersuchungen im vergangenen Herbst ergaben, daß es Gründe gäbe, Corsetti wegen Gewaltanwendung, Mißhandlung eines Gefangenen und unzüchtigen Verhaltens anzuklagen. In Abu Ghurayb war er einer von drei Soldaten des 519. Bataillons des militärischen Nachrichtendienstes, die eine irakische Gefangene gezwungen hatten, sich während des "Verhörs" auszuziehen und deshalb degradiert wurden.

Ende August 2002 traf eine Einheit von Militärpolizisten in Bagram ein. Diese hatten ebenfalls nur eine grundlegende Ausbildung in der Behandlung von Gefangenen erhalten. Hierzu gehörten eine Einführung in "Druckpunkt-Kontrollmöglichkeiten" und insbesondere der "Schlag auf den Wadenbeinnerv" (Nervus peronaeus communis), ein Schlag auf die Seite des Beins, knapp oberhalb des Knies. Nach Aussage der Soldaten wurde ihnen nie mitgeteilt, daß diese Art der Schläge nicht zur Vorgehensweise des US-Militärs gehörten. Da ihnen diese "Möglichkeit" während der Ausbildung mitgeteilt wurde, dürfte dies noch eine äußerst vorsichtige Umschreibung für "Anweisung" sein.

In Afghanistan entwickelte sich dieser "Schlag auf den Wadennerv" offenbar sogar zu einer bevorzugten Art der Bestrafung von Gefangenen. "Das war irgendwie eine akzeptierte Sache, man konnte jemandem das Knie ins Bein rammen", so der frühere Feldwebel Thomas V. Curtis bei der Untersuchung. Einige Wochen nach Ankunft der Kompanie im Irak hörte der Obergefreite Jeremy M. Callaway einen anderen Soldaten damit prahlen, daß er einen Gefangenen geschlagen hatte, nachdem dieser ihn angespuckt hatte. Seiner Aussage zufolge hatten die anderen Soldaten ihm dafür gratuliert, "sich von dem Gefangenen nichts nehmen zu lassen."

Eine Gruppe von Soldaten "schmückte" ihr Zelt in Afghanistan mit der Flagge der Südstaaten, die zweifellos auch für die vermeintliche "Überlegenheit der weißen Rasse" steht.

Ein offensichtlich geistig behinderter Gefangener, der seinen eigenen Kot aß und sich mit an Stacheldraht verstümmelte wurde von den Soldaten anscheinend als Freiwild betrachtet. Soldaten rammten ihm wiederholt das Knie ins Bein und fesselten ihn mindestens ein Mal mit erhobenen Händen. Sie gaben ihm den Spitznamen "Timmy" nach einer Figur der Fernsehserie "South Park" und einer der Soldaten, die ihn schlugen, brachte ihm bei, so zu kreischen. Später wurde der Gefangene entlassen.

Am 30. November 2002 traf der Gefangene "Nummer 412" in dem Gefängnis ein. Es war ein beleibter und gepflegter Afghane namens Habibullah. Eine Amerikaner nannten ihn "Mullah" Habibullah, angeblich ein Bruder eines ehemaligen Kommandeurs der Taliban. "Er hatte einen stechenden Blick und war sehr selbstbewußt", erinnerte sich der befehlshabende Offizier der Militärpolizisten, Major Bobby R. Atwell. Dokumenten zufolge war Habibullah zwei Tage zuvor von einem afghanischen Kriegsherrn gefangengenommen und von CIA-Agenten in Bagram abgeliefert worden. Der Arzt, der ihn bei seiner Ankunft untersuchte, bescheinigte ihm einen guten Gesundheitszustand, während der Leiter des Nachrichtendienstes, Oberstleutnant John W. Loffert Jr. später in der Untersuchung aussagte, er sei "bereits in schlechtem Zustand gewesen, als er ankam."

Feldwebel Alan J. Driver Jr. sagte aus, daß ihm Habibullah nach einer "rektalen Untersuchung" daß Knie in die Leistengegend gerammt habe. Daraufhin habe er den Gefangenen am Kopf gepackt und ihn angeschrien, woraufhin dieser "gewalttätig wurde" und von drei Wachen unter Kontrolle gebracht und weggeführt wurde. Daraufhin wurde er in eine drei mal zwei Meter große Zelle gebracht, was Hauptmann Christopher M. Bering später als Standard-Vorgehensweise bezeichnete. "Es gab einen Grundsatz, demnach Gefangene für mindestens 24, manchmal 72 Stunden nach ihrer Gefangennahme vermummt, gefesselt und isoliert wurden", sagte er.

Während andere Gefangene von den Wachen durch Anschreien, Schläge oder Hämmern an die Zellentüren wachgehalten wurden, wurde Habibullah mit den Händen an die Decke gefesselt. Am 1. Dezember war Habibullah nach Aussage des Obergefreiten Willie V. Brand erneut "unkooperativ", was dazu führte, daß er von Brand drei Wadennervschläge erhielt. Am nächsten Tag wurde Habibullah von Brand, der jetzt der Körperverletzung und anderer Verbrechen beschuldigt wird, erneut das Knie ins Bein gerammt und mehrfach geschlagen.

Ein Anwalt des Obergefreiten John P. Gilligan sagte, es habe keinen kriminellen Vorsatz bei seinem Mandanten gegeben, den Gefangenen zu verletzen. "Zu der Zeit verhielt sich mein Mandant gemäß den Standard-Vorgehensweisen, die in der Einrichtung Bagram gültig waren", sagte er.

Da dem die Verhöre führenden Soldaten trotz mehrfacher Anforderungen kein Übersetzer zur Verfüng gestellt wurde, erfolgte die "Kommunikation" mit Habibullah praktisch ausschließlich körperlich. Wenn er wegen "Zuwiderhandlung" geschlagen oder getreten wurde, so geschah dies nach Aussage eines der Übersetzer, Ali M. Baryalai häufig, weil die Gefangenen, die stattdessen "übersetzen" sollten "keine Ahnung hatten, was der Militärpolizist sagte".

Am Morgen des 2. Dezember hustete Habibullah und beklagte sich über Schmerzen in der Brust. Er humpelte gefesselt in das Verhörzimmer, sein rechtes Bein steif und sein rechter Fuß geschwollen. Der Leiter des Verhörs, Feldwebel James A. Leahy, ließ ihn sich auf den Boden setzen, weil er seine Knie nicht beugen konnte, um sich in einen Stuhl zu setzen. Nach Aussage seines damaligen Übersetzers Ebrahim Baerde hielten die Soldaten damals Abstand zu Habibullah, "weil er viel Schleim aushustete".

"Sie lachten und machten sich über ihn lustig, sagten es wäre 'eklig' oder 'widerlich'", so Baerde.

Trotz seines Zustands behielt Habibullah anscheinend seinen Stolz. So soll es einmal auf die Frage, ob er den Rest seines Lebens Handschellen tragen wolle, geantwortet haben "Ja, stehen sie mir nicht?"

Am folgenden Tag war er offenbar endgültig vogelfrei geworden. Ein Militärpolizist sagte, er habe ihm fünf Wadennervschläge gegeben, weil er "unfolgsam und streitlustig" gewesen sei. Ein anderer gab ihm drei, weil er "streitlustig und unfolgsam" war. Einige Wachen sagten später aus, er sei verletzt worden, als er versucht habe zu fliehen.

Feldwebel James P. Boland kam am gleichen Tag in Begleitung der Obergefreiten Anthony M. Morden und Brian E. Cammack in Habibullahs Zelle. Nachdem einer von ihnen ihm die Kapuze vom Kopf gezogen hatte fiel sein Kopf zur Seite und seine Zunge ragte heraus. Zu dem Zeitpunkt war er mit zwei Handschellen an die Decke gekettet und eine Kette führte um seine Hüften.

Nach seiner Aussage gab Cammack etwas Brot auf Habibullahs Zunge und eine anderer drückte ihm einen Apfel in die Hand, der dann zu Boden fiel. Als Cammack sich umdrehte habe Habibullah ihm auf die Brust gespuckt. In einer späteren Aussage sagte Cammack allerdings, er sei sich nicht sicher, daß er angespuckt worden sei. Damals verlor er allerdings die Kontrolle und rammte ihm "vielleicht ein paar Mal" massiv das Knie in den Oberschenkel. Der schlaffe Körper des Gefangenen schwankte dabei in den Ketten vor und zurück.

Als Habibullah schließlich etwa 20 Minuten später in seiner Zelle von Feldwebel Boland bewegungslos und ohne Puls gefunden wurde, wurde er losgebunden und auf den Boden seiner Zelle gelegt. Zu dem Zeitpunkt war sein Körper bereits kalt. Ein alarmierter Arzt, der Obergefreite Robert S. Malone, antwortete "Was soll ich da?" und sagte, stattdessen solle ein Krankenwagen gerufen werden.

Als schließlich ein anderer Arzt ankam, fand er den Gefangenen mit offenen Mund und offenen Augen und ausgebreiteten Armen auf dem Boden liegend. "Es sah aus, als wäre er bereits eine Weile tot und es sah aus, als habe dies niemanden interessiert", erinnerte sich Stabsfeldwebel Rodney D. Glass.

Nach Aussage von Major Atwell hatte er schon zuvor dem Kommandeur der Einheit der Militärpolizei, Hauptmann Christopher M. Beiring, den Befehl erteilt, keine Gefangenen mehr an die Decke zu ketten. Andere Soldaten sagten hingegen aus, sie hätten diesen Befehl nie erhalten. Atwell zufolge hat Habibullahs Tod "nicht sonderlich viel Besorgnis erregt, da er natürlich schien."

Bei seiner am 8. Dezember beendeten Autopsie wurden Quetschungen und Abschürfungen an seiner Brust, seinen Armen und seinem Kopf festgestellt. Seine Waden, Knie und Oberschenkel wiesen schwere Prellungen auf. Auf seiner linken Wade fand sich der Abdruck der Sohle eines Stiefels. Sein Tod wurde schließlich durch einen Blutklumpen verursacht, der zum Herzen gewandert war und dort die Blutzufuhr zu den Lungen unterbrochen hatte.

Nur zwei Tage später traf mit einem Dilawar genannten Mann ein weiterer Gefangener ein, der seinen Aufenthalt in dem Gefängnis nicht überleben sollte.

Dilawar war mit seinem Taxi und drei Fahrgästen in der Nähe der US-Basis Camp Salerno, die am gleichen Morgen Ziel eines Raketenangriffs geworden war, an einem Kontrollpunkt von Milizen des die US-Basis bewachenden Guerilla-Kommandeurs Jan Baz Khan gefangengenommen worden. Die erste Nacht verbrachten er und seine Passagiere an einen Zaun gekettet, so daß sie keine Möglichkeit hatten, zu schlafen.

Die drei Fahrgäste wurden später nach Guantánamo Bay verlegt und erst 15 Monate später wieder freigelassen, weil sie "keine Bedrohung für die US-Streitkräfte darstellten". "Sie haben mir viele schlimme Dinge angetan", sagte Abdur Rahim, einer von ihnen. "Ich schrie und weinte und niemand hörte zu. Als ich schrie schlugen die Soldaten meinen Kopf auf den Schreibtisch."

Als der Obergefreite Corey E. Jones in Dilawars Zelle geschickt wurde, um ihm Wasser zu bringen, hat dieser ihn seiner Aussage nach angespuckt und getreten. Daraufhin habe er ihm mehrfach das Knie in sein Bein gerammt.

"Er schrie 'Allah! Allah! Allah' und meine erste Reaktion war, daß er seinen Gott anrief", so Jones in der Untersuchung. "Jeder hörte ihn schreien und fand es lustig."

Später kamen andere Soldaten, um dies selbst zu erleben. Jones zufolge wurde dies zu so etwas wie einem "Running Gag" und Soldaten kamen immer wieder in den Gefängnistrakt, um Dilawar einen Wadenbeinnervschlag zu geben, nur um zu hören, wie dieser daraufhin "Allah" schrie. "Das ging über einen Zeitraum von 24 Stunden so und ich schätze, daß er über 100 Schläge erhielt", so Jones.

Am 8. Dezember wurde er zum vierten Mal verhört.der das Verhör leitende Soldat, der Obergefreite Glendale C. Walls II behauptete später, der Gefangene sei den Fragen ausgewichen. "Einige Löcher tauchten auf und wir wollten, daß er wahrheitsgemäß antwortet", sagte er. Die andere das Verhör führende Soldatin, Feldwebel Selena M. Salcedo, sagte aus, daß Dilawar gelächelt, Fragen nicht beantwortet und sich geweigert habe, auf dem Boden zu knien oder an einer Wand zu sitzen.

Der damals anwesende Übersetzer, Ahmad Ahmadzai, hatte eine grundsätzlich andere Erinnerung an das Verhör. Dilawar wurde vorgeworfen, an dem Raketenangriff beteiligt gewesen zu sein, was dieser bestritt. Während er auf dem Boden kniete, konnte er nicht wie befohlen seine gefesselten Hände über dem Kopf halten, was dazu führte, daß Salcedo ihn jedes Mal schlug, wenn er sie sinken ließ. "Selena beschimpfte ihn, weil er schwach war und bezweifelte, daß er ein Mann sei, was für ihn angesichts seiner Herkunft sehr beleidigend war", so Ahmadzai.

Nachdem Dilawar aufgrund seiner verletzten Beine nicht wie gefordert gegen die Wand gelehnt sitzen konnte, ergriffen die beiden Soldaten ihn an seinem Hemd und stießen ihn wiederholt gegen die Wand. "Das ging so für 10 bis 15 Minuten", berichtete der Übersetzer. "Er war so geschwächt, daß er nicht aufstehen konnte."

"Sie zogen ihn hoch und einmal stellte sich Selena mit ihrem Stiefel auf seinen nackten Fuß und zog ihn an seinem Bart zu ihr", so Ahmadzai weiter. "Einmal trat Selena Dilawar mit ihrem rechten Fuß in die Leistengegend, in den Schambereich. Sie stand ein Stück von ihm entfernt, trat zurück und trat zu."

"Etwa die ersten 10 Minuten wurde er tatsächlich von ihnen verhört, danach war es schubsen, treten und anschreien", sagte er. "Es gab kein Verhör mehr."

Am Ende des Verhörs ordnete Salcedo an, daß Dilawar an die Decke gekettet werden sollte.Am nächsten Morgen schrie Dilawar erneut und ein Übersetzer versuchte ihn zu beruhigen, er müsse nur eine Stunde ruhig sein, um losgemacht zu werden. "Er sagte mir, wenn er noch eine Stunden in den Ketten wäre, würde er sterben", so der Übersetzer Baerde.

Als Baerde eine halbe Stunde später in die Zelle zurückkehrte hing der Gefangene schlaff in den Ketten. "Er sagte, daß er sich nicht gut fühlte. Er sagte, daß seine Beine schmerzten." Nachdem Baerde dies einer Wache gesagt hatte, sagte diese "Es geht ihm gut. Er versucht nur, seine Fesseln loszuwerden."

Als Dilawar am 10. Dezember zu seinem letzten Verhör gebracht wurde, sagte er, er sei von den Wachen geschlagen worden. "Aber wir verfolgten das nicht weiter", so der Übersetzer Baryalai.

Das von dem Obergefreiten Walls geleitete Verhör wurde dieses Mal offenbar größtenteils von dem Obergefreiten Joshua R. Claus geführt.

"Josh hatte eine Regel, daß die Gefangenen ihn und nicht mich ansehen mußten", so der Übersetzer. "Er gab ihnen drei Chancen und dann ergriff er sie am Hemd und zog sie zu sich über den Tisch, rammte ihren Brustkorb in die Tischkante."

Da Dilawar nicht in der Lage war sich hinzuknien wurde er hochgezogen und gegen die Wand gestoßen. Während er eine "Belastungshaltung" einnehmen sollte, lehnte er seinen Kopf gegen die Wand und begann, einzuschlafen.

"Ich hatte den Eindruck, daß Dilawar sich bemühte zu kooperieren, er aber körperlich nicht in der Lage war, die Aufgaben zu erfüllen", so Baryalai.

Als Dilawar um etwas Wasser bat gab Claus ihm eine Plastikflasche, in die er zuvor am Boden ein Loch gebohrt hatte. Als Dilawar denn Deckel abdrehte lief ihm das Wasser daher über den Körper. Der Soldat entriß ihm daraufhin die Flasche und spritzte ihm das Wasser ins Gesicht. "Na los, trink!", schrie Claus, während Dilawar sich verschluckte. "Trink!"

Es war abgesprochen, daß Stabsfeldwebel W. Christopher Yonushonis das Verhör weiterführen sollte. Als er in dem Verhörzimmer ankam sah er die große Wasserpfütze am Boden. Claus hielt den Gefangenen offenbar hoch, indem er von hinten den Rand seiner Kapuze verdrehte und ihn daran hochzog.

Seine wütende Frage, was passiert sei, hinterließ bei Claus offenbar keinen bleibenden Eindruck. Im Anschluß an das "Verhör" befahl er den Wachen, ihn "hochzuhalten".

Nachdem ein Arzt Dilawar schließlich mehrere Stunden später besuchte, war dieser bereits tot und sein Körper begann sich zu versteifen.

Oberstleutnant Elizabeth Rouse, eine Gerichtsmedizinerin, die Dilawars Leiche untersuchte, sagte, daß seine "Beine praktisch zu Brei geschlagen" worden waren. "Ich habe ähnliche Verletzungen bei einem Menschen gesehen, der von einem Bus überfahren wurde", sagte sie.

An der Ernsthaftigkeit der Untersuchung der Todesfälle besteht mehr als begründeter Zweifel. So wurde Feldwebel Yonushonis, immerhin einer der letzten Menschen, die Dilawar lebend gesehen haben, erst befragt, nachdem er selbst auf einen Untersuchungsbeamten zugegangen war.

Eine weitere Aussage Yonushonis kann allerdings nur noch als Beleg dafür gewertet werden, daß die US-Soldaten Gefangene aus purem Vergnügen folterten - und vermutlich auch heute noch foltern.

Während der letzten Verhöre Dilawars "waren die meisten von uns überzeugt, daß der Gefangene unschuldig war."

Erst am vergangenen Montag berichtete Stars an Stripes, daß ein 30 Jahre alter irakischer Gefangener an einem "Herzinfarkt" verstorben sei.





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