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Wieder ein Freispruch

Iraker "in Notwehr" erschossen

27.05.2005  






Wie der Boston Globe am Freitag berichtete, ist ein wegen Mordes an zwei Irakern angeklagter US-Leutnant von allen Vorwürfen freigesprochen worden.

Der 33 Jahre alte Leutnant des US-Marinecorps Ilario Pantano war beschuldigt worden, zwei Iraker von hinten erschossen zu haben und danach ein Schild neben ihnen aufzustellen, auf dem ein "Motto" der US-Marines stand: "No better friend, no worse enemy" - "Kein besserer Freund, kein schlimmerer Feind".

Pantano sagte aus, die beiden mit dem Rücken zu ihm stehenden "Verdächtigen", Hamaady Kareem und Tahah Ahmead Hanjil, hätten sich trotz mehrfacher Befehle, ruhig zu sein, miteinander unterhalten und sich dann plötzlich zu ihm umgedreht, so daß er glaubte, sie wollten ihn angreifen.

"Nachdem ich ihnen ein weiteres Mal gesagt hatte, sie sollten ruhig sein, drehten sie ihre Körper schnell zueinander. Sie taten dies gleichzeitig, während sie in gedämpftem Arabisch sprachen. Ich dachte, sie würden mich angreifen und entschied mich, mein M-16A4 Dienstgewehr in Notwehr abzufeuern", so Pantano.

Die beiden Männer hatten versucht, in einem Auto zu fliehen, als die Einheit Pantanos ein Haus in der irakischen Stadt Mahmudiyah durchsuchten, was durch Schüsse in die Reifen verhindert worden war. Daraufhin waren sie gezwungen worden, die Innenausstattung ihres Fahrzeugs herauszureißen, um zu belegen, daß dort keine Bombe oder Waffen versteckt waren. Auch die Männer selbst waren unbewaffnet.

In der ersten Anhörung des Falles hatte ein nur als "O" identifizierter Hauptgefreiter ausgesagt, die beiden Männer seien verängstigt gewesen und wollten vorgeblich nur Angehörige in dem nahestehenden Haus besuchen. Dies wurde auch von Frauen und Kindern in dem Haus bestätigt.

In der Anklage wurde Pantano vorgeworfen, Soldaten befohlen zu haben, den beiden Männern die Handschellen abzunehmen und wegzusehen und sie dann erschossen und das Schild aufgestellt zu haben.

Der Sanitäter George Gobles sagte in der ersten Anhörung aus, Pantano habe "etwa 30 Kugeln" - ein vollständiges Magazin seiner Waffe - auf die beiden Männer abgefeuert. Tatsächlich feuerte Pantano der Untersuchung zufolge 60 Kugeln auf die beiden Männer - er war also gezwungen, während seiner "Selbstverteidigung" gegen zwei unbewaffnete Männer seine Waffe nachzuladen.

Dies wird von Pantano ebensowenig bestritten, wie die Tatsache, daß er danach das Schild neben den Leichen der Männer aufstellte.

Die Entscheidung, Pantano freizusprechen, wurde vorrangig mit zwei Punkten begründet. Einerseits sei der "Hauptbelastungszeuge", der Unteroffizier Daniel Coburn, nicht vertrauenswürdig, da ihm von Pantano einige Wochen zuvor eine "Führungsrolle innerhalb des Zugs" entzogen worden war, andererseits das Ergebnis der Autopsien der beiden Leichen, die Pantanos Aussage, er habe sie nicht von hinten erschossen "stützte".

Offensichtlich handelt es sich bei diesem "unglaubwürdigen" Zeugen nicht um den zuvor genannten Hauptgefreiten "O". Auch wurde anscheinend nicht weiter auf die Anschuldigung eingegangen, Pantano habe Soldaten befohlen, den beiden Männern die Handschellen abzunehmen und wegzusehen.

Das Ergebnis der Autopsien scheint zumindest zweifelhaft. Während die beiden Männer im April 2004 getötet wurden, wurden ihre Leichen erst kürzlich exhumiert und ihre Autopsien erst in der vergangenen Woche beendet. Dies sei aufgrund der "schlechten Sicherheitslage" nicht eher möglich gewesen. Nachdem die Leichen bereits etwa ein Jahr lang bestattet gewesen waren, dürfte die Feststellung, aus welcher Richtung sie erschossen wurden, mehr als schwer fallen, insbesondere aufgrund der hohen Anzahl von Schußverletzungen. Erschwerend kommt hier eine weitere Tatsache hinzu. Bei Pantanos Waffe, dem M16A4 Sturmgewehr handelt es sich um eine halbautomatische Waffe, die nur Einzelfeuer oder Feuerstöße von drei Kugeln abgeben kann. Das heißt, Pantano muß mindestens 20 Mal den Abzug betätigt haben - und das bei einer Entfernung zu den Männern, die es ihm vorgeblich nicht erlaubte, Warnschüsse oder auch nur Schüsse auf ihre Beine abzufeuern. Die Vermutung, daß er die beiden Männer in Wahrheit mit einzelnen Kugeln von hinten erschoß und dann jeweils ein Magazin von vorn in ihre Körper abfeuerte, um dies zu vertuschen, ist sicherlich rein spekulativ, erscheint aber logisch.

Zwar sagte Coburn in dem Verfahren aus, er habe nicht selbst gesehen, wie Coburn die Schüsse abfeuerte, die scheint aber zumindest fragwürdig, da offenbar unstrittig ist, daß er in Sichtweite des Geschehens war. Da Pantano sogar seine Waffe nachladen mußte, war zweifellos genügend Zeit für Coburn, seinen Blick in Richtung der Schüsse zu wenden. Auch die Behauptung, kein anderer Soldat habe den Vorfall beobachtet, scheint zweifelhaft, würde dies doch bedeuten, daß der ranghöchste anwesende Offizier Pantano als einziger die beiden "Verdächtigen" bewachte.

Generalmajor Richard Huck ging sogar noch weiter und verzichtete sogar darauf, Pantano wegen der "Leichenschändung" durch das Feuern auf die Leichen und wegen des Aufstellens des Schildes zu bestrafen.

"Den besten Interessen von Leutnant Pantano und der Regierung wurde durch diesem Prozeß gedient", so das US-Marinecorps in einer Erklärung.



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