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Die vergessene Entschuldigung

Newsweek und die Koranschändungen

30.05.2005  






Nach dem ersten Bericht über Koranschändungen durch US-Soldaten ist das US-Magazin Newsweek angesichts neuer Hinweise erstaunlich still.

Auch wenn es schon zuvor entsprechende Hinweise und Berichte gegeben hatte, so war der Newsweek-Bericht, der von massiven Schändungen des für Muslime heiligen Korans sprach und - sicherlich nicht zuletzt aufgrund des Renommees der Zeitschrift - zu Empörung innerhalb der muslimischen Gemeinschaft führte doch zweifellos der Anlaß, der den entsprechenden Gefühlen der Muslime den Weg ebnete. Ebenso heftige Reaktionen seitens der US-Regierung, in denen solche Verhaltensweisen geleugnet wurden, führten schließlich dazu, daß Newsweek sich für den Bericht erst entschuldigte und ihn schließlich zurückzog. Hierbei wurde sich bei den Lesern entschuldigt, da der Bericht vorgeblich auf nicht überprüften Behauptungen einer "Quelle" beruhte.

Insbesondere die Nutzung einer solchen "Quelle" führten dazu, daß die US-Regierung im Rahmen ihrer Kritik an dem Bericht forderte, daß derart anonyme Quellen in Zukunft nicht mehr zulässig sein sollten. Dies würde zweifellos zu einem großen Teil das Ende des noch verbliebenen Teils des investigativen und kritischen Journalismus in den USA bedeuten.

Nur kurze Zeit nach der Zurückziehung des Newsweek-Berichts veröffentlichte die Los Angeles Times einen Artikel, der ebenfalls von Koranschändungen berichtete. Auch das Internationale Rote Kreuz, das die Einhaltung der Regelungen hinsichtlich Kriegsgefangener überwacht, sprach nun erneut von derartigen Berichten von Gefangenen.

Mittlerweile hat selbst das Pentagon zugegeben, daß es mehrere Fälle von "Unregelmäßigkeiten" hinsichtlich der Behandlung des Korans gegeben habe, auch wenn nach wie vor kategorisch bestritten wird, daß auch nur ein Koran im US-Gefangenenlager Guantánamo Bay auf Kuba in einer Toilette heruntergespült worden sei.

All dies hat aber nichts an der Reaktion der Newsweek geändert. Zwar wurde eine ganze Reihe von Leserbriefen zu diesem Fall veröffentlicht - von denen sich die Hälfte aber auch äußerst empört über den Bericht zeigten - ein Eingehen auf die neuen Beweise für Koranschändungen ist aber bisher vollständig unterblieben.

Schon die Zurückziehung der ursprünglichen Meldung, allein auf den entsprechenden Dementis seitens der US-Regierung beruhend, erschien zumindest zweifelhaft. Die Tatsache, daß nun keinerlei Auseinandersetzung mit der Tatsache, daß sich hier offensichtlich äußerst voreilig den "Wünschen" der US-Regierung gebeugt wurde, erfolgt, läßt nur den Schluß zu, daß der Einfluß dieser "Wünsche" insbesondere auch bei Newsweek mehr als bedeutend ist.

Nachdem sich der Herausgeber gezwungen sah, sich für den vermeintlich falschen Bericht zu entschuldigen scheint es mehr als angebracht, daß er sich auch für diese offensichtlich übereilte und falsche Entschuldigung bei seinen Lesern entschuldigt und erneut die Glaubwürdigkeit des ursprünglichen Berichts angesichts der neuen Belege betont. Dies ist aber bisher mit keiner Silbe geschehen.

Auch die weitreichende Empörung der US-Medien über den kürzlich veröffentlichen Bericht der Organisation Amnesty International, in dem die Behandlung von Gefangenen durch die USA scharf kritisiert wurde, wirft ein weiteres Mal die Frage auf, inwieweit die Medien der USA noch als unabhängig zu betrachten und in der Lage sind, eine "Überwachungsfunktion" der Politik wahrzunehmen.



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