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Eingebettet

Gedanken eines Journalisten im Irak

02.06.2005  






Am Mittwoch berichtete der britische Guardian über ein Gespräch mit dem Journalisten Kevin Sites, der gefilmt hatte, wie ein US-Soldat einen unbewaffneten und offensichtlich verletzten Mann in einer Moschee in der irakischen Stadt Fallujah kaltblütig erschoß.

Sites' Gespräch mit dem Guardian zeigte nur zu deutlich, mit welcher Skepsis Berichte von in US-Einheiten oder auch andere Besatzungstruppen im Irak "eingebetter" Journalisten zu betrachten sind. Vor seinen alles verändernden Aufnahmen hatte Sites die US-Soldaten bereits mehrere Wochen begleitet.

"Ich schlief im Dreck", sagte er. "Ich tat, was immer sie taten und das gefiel ihnen. Wir entwickelten schließlich diese unglaubliche Beziehung. Bis zu dem Punkt, daß mich Leute begannen, in meinem Blog zu kritisieren, daß ich zu verständnisvoll würde. Ich machte Aufnahmen, wie sie Bilder ihrer Kinder hochhielten. Mein ganzer Ansatz war, sie zu vermenschlichen."

Diese "Beziehung" ging offenbar so weit, daß die US-Soldaten angesichts von Bestrebungen seitens des Senders NBC, Sites gegen einen "fernsehtauglicheren" Korrespondenten auszutauschen, sagten, es wäre Sites oder niemand. Also folgte Sites der Einheit nach Fallujah.

Seine Gedanken, nachdem er den Mord an dem irakischen Gefangenen gefilmt hatte, macht klar, welchen Einfluß diese "Kameradschaft" auf seine journalistische Arbeit hatte.

"Ich habe nicht wirklich als Journalist gedacht", so Sites. "Ich habe mich weiterhin als Teil einer Einheit gefühlt, Teil von Menschen, die gerade in einen ernsthaften Konflikt verwickelt worden waren. Ich war zutiefst betrübt, weil ich wußte, daß dies niemandem dienen würde, nicht dem Typ, der erschossen worden war, nicht dem US-Marine, nicht mir. Ich habe viele Leute getötet werden gesehen. Ich habe nie gesehen, daß jemand so getötet wurde. Ich hatte niemals etwas gesehen, daß wie eine Hinrichtung aus nächster Nähe aussah. Ich hoffte in dem Moment, daß es irgendjemand anders gewesen wäre, der diese Aufnahme gemacht hatte."

Aber auch der Sender war von dieser Solidarität mit den Soldaten betroffen. Erst 48 Stunden, nachdem Sites sein Material an den Sender übermittelt hatte, wurde dieses auch ausgestrahlt. Und anstatt diese Tat als den Mord zu bezeichnen, der sie war, erfand der Sender zusammen mit Sites eine Geschichte über die Gefahren, denen sich die Soldaten angesichts eines Feindes, der Moscheen als Deckung benutzte und Leichen mit Sprengfallen ausstattete, gegenübersah.

Dabei war Sites offenbar völlig klar, wie falsch die Tat des Soldaten war.

"Wenn er so stark glaubte, daß der Typ eine Bedrohung war", so Sites, "er wußte, daß neben mir zwei weitere Typen am Leben waren, er hat sie niemals überprüft, bevor er ihn erschoß, er hat einfach auf den Hacken kehrt gemacht. Ich weiß nicht, was in ihm vorging, der Krieg stellt komische Dinge mit Menschen an." Auch ein fünfter Iraker, der sich unter einer Decke versteckt hatte und infolge der Schüsse seinen Kopf hervorhob wurde von dem Soldaten Sites zufolge nicht angetastet.

Sites hat sich letztlich von seinem "journalistischen Gewissen" leiten lassen und die Aufnahmen an seinen Sender übermittelt. Da sein Bericht die absolute Ausnahme innerhalb der "eingebetteten Journalisten" darstellt, ist anzunehmen, daß andere Journalisten angesichts von Kriegsverbrechen andere Prioritäten angelegt haben.



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