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"Anarchisten" gegen G8?

"Übernahme" von "Live 8"-Protest geplant?

06.06.2005  






Am 2. Juli werden auf Initiative von Bob Geldof anläßlich des G8-Gipfels im Hotel Gleneagles in Schottland in fünf Großstädten Konzerte stattfinden. Mit diesen Konzerten und Demonstrationen will Geldof Druck auf die Führer der "großen 8" Länder ausüben, einen Vorschlag anzunehmen, der den ärmsten Ländern der Welt eine neue Chance geben würde. In Anspielung an das von ihm vor 20 Jahren organisierte "Live Aid"-Konzert nannte er diese Aktion "Live 8".

Bei dem Treffen werden George W. Bush, Tony Blair, Jacques Chirac, Gerhard Schröder, Silvio Berlusconi, Paul Martin, Junichiro Koizumi und Vladimir Putin über einen Vorschlag der Afrika-Kommission beraten, der vorsieht, die Schulden der ärmsten Länder der Welt vollständig zu erlassen, die Entwicklungshilfe für diese Länder auf 100 Milliarden US-Dollar zu verdoppeln und internationale Handelsgesetze, die diese Länder einseitig benachteiligen, zu ändern.

Tatsächlich scheint es höchst unwahrscheinlich, daß diese Forderungen tatsächlich erfüllt werden, was auch Geldof klar zu sein scheint. Er glaubt, durch die Konzerte und zwei große Demonstrationen ausreichend großen Druck auf die Politiker ausüben zu können. Angesichts der Demonstrationen von Millionen Menschen gegen den US-geführten Angriffskrieg gegen den Irak, die keinerlei Einfluß auf die Führung des Krieges hatten, scheinen aber auch hier zumindest starke Zweifel angebracht.

Zu Beginn war Geldof wegen der Auswahl der bei den Konzerten in London, Paris, Berlin, Rom und Philadelphia auftretenden Musikern kritisiert worden, da zu wenig farbige beziehungsweise aus Afrika stammende Künstler beteiligt seien. Insbesondere bei dem Konzert in London mag dies zwar zutreffend sein - Mariah Carey ist in beiden Kategorien alles andere als ein "Volltreffer" - andererseits sind in anderen Ländern durchaus entsprechende Musiker vertreten. In Paris sind hier Craig David, Yannick Noah und insbesondere Youssou N'Dour zu nennen, in Deutschland zumindest Lauryn Hill und in den USA P. Diddy (früher Puff Daddy), Stevie Wonder, Jay-Z und 50 Cent. Geldof begründete seine Auswahl damit, daß es sich um "politische" Konzerte handele, die vor allem die Bevölkerungen in den "G8-Staaten" ansprechen sollen. Zwar würden sich weitere Künstler für einen solchen Auftritt sicherlich aufdrängen - hier sei nur auf Tracy Chapman ("Talking 'Bout a Revolution") erinnert - es soll aber durchaus Anfragen bei nicht genannten schwarzen Künstlern gegeben haben, die Auftritte abgelehnt hätten, so daß die Gründe hierfür nicht vollständig klar sind.

Am Sonntag nun veröffentlichte der britische Independent einen Artikel, dem zufolge "Anarchisten-Gruppen" planen, die von Geldof für den 6. Juli in der schottischen Hauptstadt Edinburgh geplante Demonstration zu "übernehmen". Geldof hatte "eine Million Menschen" dazu aufgerufen, im 70 Kilometer vom Hotel Gleneagles entfernten Edinburgh für das "Ende der Armut" in der Welt zu protestieren.

Dem Independent zufolge werden sich "mehrere Organisationen am Samstag an einem unbekannten Ort in Südostengland treffen, um Pläne zur Störung des G8-Treffens zu besprechen." Da das Hotel zu Beginn des Treffens mehr Ähnlichkeit mit einem Hochsicherheitsgefängnis haben wird - eine 2 Meter hohe Einzäunung mit einem speziellen "Stacheldraht", Scharfschützen auf den Dächern, dazu militärische SAS-Spezialeinheiten und Soldaten mit Flugabwehrwaffen - und aufgrund der Entfernung zu Edinburgh scheint dies aber zumindest unwahrscheinlich.

Eine "G8-Blockaden" genannte Gruppe plane, in der Gegend um das Hotel eine Reihe von Blockaden durchzuführen, um so "die Durchführung des Treffens zu unterbrechen". Auch andere Gruppen werden in dem Artikel genannt, der Zusammenhang zu "Anarchisten" - so denn nicht jeder Gegner der G8 per se als "Anarchist" betrachtet wird - und Absichten, die "Live 8"-Demonstrationen zu "übernehmen" werden aus dem Artikel allerdings keineswegs deutlich.

Tatsächlich kann eine solche "Übernahme" auch kaum im Interesse der G8-Gegner liegen, würde sie - insbesondere bei Gewalttaten - diese doch diskreditieren. Der Verdacht, daß durch derartige "Befürchtungen" Menschen von der Teilnahme an den kostenlosen Konzerten und insbesondere den Demonstrationen abgehanlten werden sollen, ist sicherlich nicht von der Hand zu weisen.





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