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Der Neidfaktor

US-Soldaten foltern US-Söldner

09.06.2005  






Einem Bericht der Los Angeles Times vom Mittwoch zufolge ist die Folterung von Gefangenen durch US-Soldaten offenbar keineswegs auf Iraker beschränkt.

Am 18. Mai wurden in der irakischen Stadt Fallujah demnach 19 Angestellte "Sicherheitswachen" - die übliche Umschreibung für "Söldner" - des US-Unternehmens Zapata Engineering, darunter 16 US-Bürger, von US-Soldaten gefangengenommen. Ihnen wurde vorgeworfen, aus ihrem Konvoi heraus willkürlich auf Iraker und auch US-Soldaten gefeuert zu haben. Tatsächlich wurde aber niemand verletzt oder getötet und die Betroffenen leugnen auch vehement, auf sie geschossen zu haben. Eine Untersuchung des Unternehmens hat ergeben, daß vielmehr Warnschüsse in die Luft abgegeben worden seien, als sich ein unbekanntes Fahrzeug dem Konvoi näherte.

Da alle 19 Gefangenen nach drei Tagen Haft in einer US-Militärbasis wieder freigelassen wurden, ist mit größter Wahrscheinlichkeit anzunehmen, daß ihre Darstellung den Tatsachen entspricht.

Während dieser dreitägigen Gefangenschaft wurden die Männer nach eigener Aussage von den US-Soldaten mißhandelt, was seitens des US-Militärs allerdings bestritten wird. "Die Amerikaner wurden vom Rest der Gefangenen abgetrennt und, wie alle Gefangenen, menschlich und respektvoll behandelt", so Oberstleutnant David Lapan in einer E-Mail.

Die Gefangenen selbst sehen dies allerdings deutlich anders.

"Ich habe niemals in meiner Karriere irgendjemand so unmenschlich behandelt", schrieb Rick Blanchett, ein ehemaliger Nationalgardist, in einer E-Mail. "Sie behandelten uns wie Rebellen, verprügelten uns, machten Photos, schüchterten uns ein, beleidigten uns."

Der Anwalt Mark Schopper, der zwei der Söldner, beide ehemalige US-Marines, vertritt, sagte, seine Klienten seien "psychisch und physisch mißhandelt" worden. Mehrere der "Auftragnehmer" seien "herumgestoßen" worden und mußten sich bis auf die Unterwäsche ausziehen. Außerdem sei mehreren eine geladene Waffe an den Kopf gehalten worden.

Darüber hinaus hätten mehrere Angehörige der Söldner in den USA in dieser Zeit Anrufe erhalten, in denen Personen mit amerikanischem Akzent drohten, ihre Angehörigen zu töten, sollten sie über den Vorfall sprechen.

Ein weiteres, von Schopper berichtetes Detail deutet auf eine Erklärung für die Angelegenheit hin.

"Wie fühlt es sich jetzt an, ein großer, reicher Auftragnehmer zu sein", brüllten die Soldaten die Gefangenen an. Da Gehälter von 1.000 US-Dollar täglich für Söldner im Irak nicht ungewöhnlich sind, scheint den Soldaten hier das Mißverhältnis zu ihrem eigenen Sold klargeworden zu sein, was anscheinend zu massivem Neid und Wut führte.

Dieser Vorfall belegt einerseits, unter welcher Anspannung die US-Soldaten im Irak stehen, andererseits aber auch ein weiteres Mal, zu welchen unkontrollierten Entladungen dies immer wieder führt. Hätte es sich bei den Gefangenen nicht um US-Bürger sondern um Iraker gehandelt, wären diese höchstwahrscheinlich immer noch in Haft und das Pentagon hätte die erfolgreiche Gefangennahme von 19 "Terroristen" gemeldet.





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