www.freace.de
Impressum und Datenschutz

Nachrichten, die man nicht überall findet.





Das kartierte Volk

US-Unternehmen sammelt Persönlichkeitsprofile

12.06.2005  






US-Bürger, die sich beispielsweise um einen Arbeitsplatz bei der Buchhandlungskette bewerben wollen, müssen hierfür per Internet - entsprechende Möglichkeiten sind auch in den Geschäften vorhanden - einen Fragebogen ausfüllen. Dies trifft auch auf Menschen zu, die nur einen Aushilfsjob suchen und einen Stundenlohn von "6 US-Dollar oder weniger erwarten", während Führungspositionen ausdrücklich ausgenommen sind.

Die in dem Fragebogen höchstmögliche Gehaltsvorstellung ist "12 US-Dollar oder mehr" pro Stunde, womit schon klar wird, daß hier nur Bewerber für das untere Gehaltssegment gesucht werden. Nun mag es nachvollziehbar sein, daß Bewerbungen in einem derart großen Konzern zentral verwaltet werden sollen - auch wenn eine persönliche Vorstellung in einem Geschäft sicherlich den "kürzeren Dienstweg" darstellen würde.

Bemerkenswert an diesen Bewerbungsformularen ist ein 37 Seiten mit jeweils fünf Fragen umfassender Teil, der die Erstellung eines weitreichenden psychologischen Profils ermöglicht.

Fragen wie "Sie könnten sich selbst als 'ordentlich' bezeichnen", "Sie sind gesprächig" oder "Sie fühlen sich angespannt, wenn Ihnen jemand bei der Arbeit zusieht" sind sicherlich insbesondere im Hinblick auf eine Arbeit als Verkäufer nachvollziehbar. Zahlreiche andere Fragen allerdings gehen wesentlich weiter und sind nur schwerlich in Verbindung mit der Eignung für einen Arbeitsplatz zu bringen.

"Vielen Leuten kann man nicht trauen."

"Sie blicken zurück und fühlen sich wegen Dingen, die Sie getan haben, schlecht."

"Sie haben Freunde, mögen es aber nicht, wenn sie zu eng sind."

"Sie glauben nicht viel von dem, was die Leute sagen."

"Die Gefühle anderer Leute sind deren Angelegenheit."

"Es macht einen verrückt, wenn ein Gericht schuldige Verbrecher freiläßt."

Spätestens ein weiterer Teil, der den finanziellen Hintergrund des Bewerbers beleuchten soll und beispielsweise die Frage enthält, ob der Bewerber selbst, seine Eltern oder sein Ehepartner seit 1997 staatliche Sozialhilfe erhalten haben, würde zweifellos sämtliche deutschen Datenschutzgesetze überschreiten.

Tatsächlich reicht es aber bei weitem nicht aus, auf eine Bewerbung bei Borders zu verzichten, wenn man einen derart neugierigen Arbeitgeber meiden möchte. Der Fragebogen wird nicht von Borders selbst, sondern vielmehr von dem Unternehmen Unicru betrieben, das diese Dienstleistung auch für zahlreiche andere große US-Konzerne erbringt.

Auf seiner Website rühmt sich das Unternehmen selbst, bereits über 37.000.000 "Bewerber bewertet" zu haben - fast 13 Prozent der gesamten US-Bevölkerung. Da eine Bewerbung ohne Eingabe der US-Sozialversicherungsnummer nicht möglich ist, dürfte es sich hier zum allergrößten Teil tatsächlich um somit eindeutig zu identifizierende US-Bürger handeln.

Auch die anderen Auftraggeber Unicrus nutzen deren Dienste nur, um Bewerbungen für "Einstiegsjobs, die größtenteils keine Vorbildung erfordern" zu bearbeiten.

Unicru besitzt also eine Datenbank über einen bedeutenden Teil des Teils der US-Bürger, die Arbeitsstellen im Niedriglohnbereich suchen.

"Ihre Informationen werden von der Borders-Gruppe und Tochterunternehmen in Verbindung mit dem Bewerbungs- und Einstellungsprozeß gesammelt, genutzt und weitergegeben werden. Sie können zu Zwecken wie der Bewertung Ihrer Eignung für eine Anstellung bei der Borders-Gruppe und Tochtergesellschaften, der Überprüfung von Informationen über Sie, der Durchführung von bewerbungs- und beschäftigungsbezogenen statistischen Bewertungen und Bestandsführung und um gesetzlichen Verpflichtungen zu genügen genutzt werden. Diese Informationen werden in einer sicheren Umgebung gelagert und nicht mit unabhängigen Dritten außer Unicru, unserem Bewerbungspartner, geteilt. Sie werden ebenfalls entsprechend gesetzlichen Anforderungen weitergegeben werden. Diese Grundsätze können von Zeit zu Zeit erweitert werden, wenn dies notwendig oder angemessen ist", so eine von einem Bewerber zu bestätigende Erklärung von Borders.





Zurück zur Startseite





Impressum und Datenschutz

contact: EMail