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"Friendly Torture"

US-Soldat verklagt Pentagon

19.06.2005  






Als "Friendly Fire" - "Befreundetes Feuer" - wird im Englischen der unabsichtliche Beschuß von Soldaten durch die eigene Seite bezeichnet weil sie irrtümlich für Gegner gehalten werden. Ein Bericht der Los Angeles Times vom Samstag zeigt nun, daß es offenbar an der Zeit für den Begriff "Friendly Torture" - "Befreundete Folter" - ist.

Der 38 Jahre alte US-Stabsgefreite Sean D. Baker verklagt derzeit das US-Verteidigungsministerium auf eine Entschädigungszahlung von 15 Millionen US-Dollar, weil er während einer "Übung" im US-Gefangenenlager Guantánamo Bay auf Kuba im Januar 2003 von anderen US-Soldaten derart schwer mißhandelt wurde, daß er immer noch an den Folgen leidet. Infolge des Vorfalls, bei dem er ein Gehirntrauma erlitt, wurde Baker im April 2004 "aus medizinischen Gründen" aus dem Dienst entlassen. Er leidet nach eigener Aussage an Anfällen, Ohnmachtsanfällen, Kopfschmerzen, Schlaflosigkeit und psychologischen Problemen.

Baker zufolge wurde er gegen seinen Willen entlassen, was gegen seine verfassungsmäßigen Rechte verstoße. In der Klage fordert er auch, vom US-Militär wieder in Dienst gestellt zu werden. "Jemand muß vortreten und dienen und ich möchte immer noch dienen", so Baker. "Es gibt irgendwo eine Aufgabe, die ich im Heer machen kann."

Während das Pentagon anfangs behauptete, Bakers Entlassung stehe in keinem Zusammenhang mit dem Vorfall, wurde später zugegeben, daß er aufgrund von Verletzungen, die er bei der "Übung" erhalten hatte, behandelt worden war. Fünf Militärpolizisten hatten ihn dabei gewürgt, seinen Kopf mehrere Male auf den Betonboden geschlagen und ihm Pfefferspray ins Gesichts gesprüht.

Bei der Übung in einem Isolationstrakt für Gefangene, die "unruhestiftend" sind oder Militärpolizisten angegriffen haben, spielte er in dem orangefarbenen Overall der Gefangenen einen "widerspenstigen" Gefangenen. Baker versteckte sich unter einem Bett in einer Zelle, zeigte sich den Soldaten gegenüber aber offenbar in keiner Weise feindselig. Obwohl sein vorgesetzter Offizier ihm zugesichert hatte, er würde nichts zu befürchten haben, informierte er die Militärpolizisten nicht darüber, daß Baker in Wahrheit ein US-Soldat war. Selbst als es Baker gelang, mehrfach zu rufen "Ich bin ein US-Soldat" setzten sie ihre Mißhandlungen fort und hörten erst auf, als dabei unter dem Overall seine Uniform hervorkam.

Bakers Anwalt T. Bruce Simpson zufolge ist niemand wegen der Mißhandlungen bestraft worden. Ein Sprecher des US-Militärs hatte im Juni des vergangenen Jahres gesagt, eine interne Untersuchung habe ergeben, daß niemand für Bakers Verletzungen verantwortlich sei. Er ging sogar noch wesentlich weiter.

"Während es bedauerlich ist, daß der Stabsgefreite Baker verletzt wurde, erfordern es die Standards der Professionalität, die wir von unseren Soldaten erwarten, daß unsere Ausbildung so realistisch wie möglich ist", so der Sprecher.

Er gab also offen zu, daß eine solche Folterung von Gefangenen zur alltäglichen "Realität" in Guantánamo Bay - und zweifellos nicht nur dort - gehört und vom US-Militär und damit letztlich auch der US-Regierung als normal und akzeptabel, wenn nicht sogar wünschenswert oder erforderlich, betrachtet wird.



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