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Folter in Guantánamo

Anwalt eines Kameramanns berichtet

23.06.2005  






Am Mittwoch berichtete Al-Jazeera, daß ein britischer Anwalt erneut von Fällen der Folter im US-Gefangenenlager Guantánamo Bay auf Kuba berichtet hat.

Der britische Anwalt Clive Stafford-Smith besuchte vor einigen Wochen mehrere in Guantánamo Bay gefangengehaltene Mandanten. Unter ihnen befand sich auch der für Al-Jazeera arbeitende Kameramann Sami al-Hajj, der bald nach seiner Gefangennahme Ende 2001 in Afghanistan dorthin gebracht worden war. Zum damaligen Zeitpunkt arbeitete der Sudanese für den im Emirat Qatar ansässigen Sender in Afghanistan. Nach Aussage seines Anwalts ist er massiv gefoltert worden.

"Sami mußte schreckliche Mißhandlungen erdulden - sexuelle Mißhandlungen und religiöse Verfolgung", so Stafford-Smith, der im Februar bereits gegenüber der britischen BBC von der Folterung eines anderen Mandanten berichtet hatte. "Er ist geschlagen worden. Er hatte eine große Narbe im Gesicht, als ich ihn sah", so der Anwalt weiter über die Folterung al-Hajjs.

Al-Hajj habe in Afghanistan selbst gesehen, wie US-Soldaten eine Ausgabe des Korans in einer Toilette herunterspülten. Auch habe er gesehen, daß Flüche auf das Muslimen heilige Buch geschrieben wurden.

"Er ist vollständig unschuldig. Er ist genausoviel ein Terrorist wie mein Großvater. Der einzige Grund dafür, daß er so behandelt wurde, ist, daß er ein Al-Jazeera-Journalist ist. Die Amerikaner haben versucht, ihn zu einem Informanten zu machen, mit dem Ziel ihn dazu zu bringen, zu sagen, daß Al-Jazeera Verbindungen zu Al-Qaida hat", so Stafford-Smith. "Das Problem ist, daß niemand Druck auf die Amerikaner ausübt, ihn freizulassen. Ein Wort von der Regierung des Sudans oder Qatars würde ausreichen."

Der Anwalt kritisierte auch das Gefangenenlager selbst scharf.

"Guantánamo ist eine Katastrophe für die Öffentlichkeitsarbeit. Es ist eines der symbolträchtigsten Sinnbilder der Scheinheiligkeit in der Welt. Es ist einfach unglaublich, wie die USA all das Wohlwollen verschleudert haben, daß sie nach den Angriffen vom 11. September hatten", sagte er. "Was George Bush über Guantánamo sagt ist absoluter Blödsinn. Er ist niemals selbst dort gewesen und er sollte dort hingehen und einen Besuch machen, um zu sehen, wie es wirklich ist." US-Präsident George W. Bush hat in der Vergangenheit immer wieder behauptet, die Gefangenen in Guantánamo würden "menschlich" behandelt.

"Aber wir müssen uns daran erinnern, daß Guantánamo nur eine Ablenkung ist. Dort gibt es nur einige hundert Gefangene, während es auf der Welt etwa 30 geheime US-Gefangenenlager gibt, in denen bis zu 12.000 Menschen gefangengehalten werden. Die Bedingungen dort sind schlimmer als in Guantánamo."

Stafford-Smiths Voraussage, daß das Lager auf Kuba bald geschlossen werden würde, scheint allerdings eher Wunschdenken zu sein. Nicht nur daß Bush dies kategorisch ablehnt, erst in der vergangenen Woche berichtete Reuters, daß der US-Konzern Halliburton einen Auftrag im Wert von 30 Millionen US-Dollar zum Bau eines neuen Gefängnisses in Guantánamo erhalten hat.



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