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Unklare Halbwahrheiten

USA wollen wieder Plutonium herstellen

28.06.2005  






Am Montag berichtete die New York Times, daß die US-Regierung plant, die Produktion von Plutonium-238 (Pu-238) wieder aufzunehmen.

Einen ebensolchen Bericht hatte Telepolis allerdings bereits im März 2001 veröffentlicht.

Damals hieß es, diese Wiederaufnahme der Produktion sei für mehrere geplante Missionen der NASA notwendig. Pu-238 wird trotz der Gefahren, insbesondere durch Unfälle bei der Startphase, häufig als Energiequelle für Satelliten, Raumsonden und ähnliches verwendet.

Damals erklärte Earl Wahlquist vom US-Energieministerium, die USA verfügten über 8 Kilogramm Plutonium-238 und könnten von Rußland bis zu 30 Kilogramm kaufen. Dem NASA-Sprecher Donald Savage zufolge wurde der Bedarf bis zum Jahr 2011 auf 23 bis Kilogramm geschätzt.

Daher sei am 19. Januar 2001 durch das Energieministerium beschlossen worden, die Produktion von Pu-238 in zwei Reaktoren in Idaho Falls im US-Bundesstaat Idaho und in Oak Ridge im US-Bundesstaat Tennessee wieder aufzunehmen. Zusammen sollten sie 3 bis 5 Kilogramm jährlich erzeugen. Die Vorbereitungszeit für die Wiederaufnahme der Produktion gab Wahlquist damals mit mehreren Jahren an.

Als vorrangige Begründung für diesen Schritt gab Wahlquist an, daß sich die USA hierdurch von der Preispolitik Rußlands unabhängig machen wolle.

Die New York Times berichtete nun unter Berufung auf US-Regierungsbeamte, daß in Idaho Falls in einem Zeitraum von 30 Jahren insgesamt 150 Kilogramm Plutonium-238 erzeugt werden sollen. Entsprechende "Aktivitäten" in Los Alamos im US-Bundesstaat New Mexico und in Oak Ridge sollen eingestellt und in Idaho Falls "zusammengefaßt" werden.

Auch die Gründe hierfür sind nun deutlich andere.

"Der wahre Grund dafür, daß wir mit der Produktion beginnen, ist die nationale Sicherheit", sagte Timothy A. Frazier, Leiter der Abteilung für Radioisotopen-Energiesysteme des US-Energieministeriums. Er bestritt aber vehement, daß es bei den "geheimen Missionen", für die das Pu-238 benötigt werde, um Atomwaffen, Satelliten oder Waffen im Weltall handele. Tatsächlich ist Pu-238 auch schon in der Vergangenheit als Energiequelle in Spionageräten eingesetzt worden, beispielsweise zum Abhören von Telephonkabeln auf dem Meeresgrund.

Zwar hat Rußland seit Ende des "Kalten Krieges" etwa 16 Kilogramm des Materials an die USA geliefert, die zugehörigen Verträge untersagen aber ausdrücklich eine militärische Verwendung. Die Produktion der geplanten 150 Kilogramm Pu-238 wird Frazier zufolge etwa 1,5 Milliarden US-Dollar kosten. Dies zeigt überdeutlich, daß es sich hier nicht um eine wirtschaftliche Entscheidung handelt, betrug der Preis für ein von Rußland geliefertes Kilogramm im Jahr 2001 doch etwa 2 Millionen US-Dollar.

Nach Fraziers Aussage soll die Produktion 2012 beginnen, also deutlich später als im Jahr 2001 geäußert. Tatsächlich scheint es aber, daß die USA auch schon in den vergangenen Jahren Plutonium-238 hergestellt oder die Öffentlichkeit bisher massiv über die eigenen Vorräte getäuscht haben.

So sagte Frazier, daß für bereits geplante Missionen im Rahmen der "nationalen Sicherheit" bis zum Ende dieses Jahrzehnts 25 Kilogramm Pu-238 für 10 bis 15 solche Energiequellen benötigt werde. Dies würde die bisherigen Vorräte für die "nationale Sicherheit" praktisch aufbrauchen.

Beunruhigend ist zweifellos auch, daß die USA bereits fest planen, in den kommenden vier Jahren 25 Kilogramm dieses Stoffes bei "Missionen" einzusetzen, deren oberste Direktive zweifellos nicht der Umweltschutz ist.

Schon ein Kilogramm Plutonium-239 - das vorrangig in Atomwaffen Verwendung findet - hat eine Aktivität von 2,3 Terabecquerel. Über die Lungen aufgenommen haben bereits 40 Nanogramm Pu-239 eine Belastung mit 15 MilliSievert zur Folge, wobei die zulässige Höchstdosis für mit Strahlung in Berührung kommende Arbeiter vom Gesetzgeber auf 20 Millisievert und für Personen der allgemeinen Bevölkerung auf 1 Millisievert pro Jahr festgelegt wurde. Aufgrund des weitaus schnelleren Zerfalls von Pu-238 gegenüber Pu-239 ist die ausgesandte Strahlung noch hundertemale stärker. Schon die Aufnahme von 0,0096 Nanogramm (0,0000000000096 Gramm) Pu-238 in den Körper würde also ausreichen, um einen Menschen mit der zulässigen Strahlungshöchstdosis zu belasten.

Die Folgen für Mensch und Umwelt, sollte eine solche Energiequelle mit mehreren Kilogramm Pu-238 bei einer Mission "verlorengehen" wären daher katastrophal.





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