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Stimmungsmache

Neuer iranischer Präsident Geiselnehmer von Teheran?

30.06.2005  






Am Donnerstag berichteten die Medien ausführlich - hier sei nur beispielhaft die Neue Zürcher Zeitung erwähnt - über den Verdacht, der neugewählte iranische Präsident Mahmoud Ahmadinejad sei im Jahr 1979 einer der Anführer der 444 Tage andauernden Geiselnahme in der US-Botschaft in der iranischen Hauptstadt Teheran gewesen.

Demnach haben sich mehrere damalige Geiseln und der für die britische BBC arbeitende Journalist John Simpson überzeugt gezeigt, Ahmadinejad wiedererkannt zu haben.

So sagte der pensionierte US-Oberst Chuck Scott "Das ist der Typ. Da gibt es keinen Zweifel. Man könnte ihn blondieren und ihn rasieren und ihn in einen ausgestopften Anzug stecken und ich würde ihn immer noch erkennen." Davod Roeder, eine weitere Geisel, sagte: "Ich kann ihnen absolut garantieren, daß er nicht nur einer der Geiselnehmer, sondern auch persönlich bei meinem Verhör anwesend war."

Thomas E. Schaefer, ein pensionierter Oberst der US-Luftwaffe, hingegen sagte, er würde Ahmadinejad weder anhand seines Gesichts noch seines Namens als einen seiner Geiselnehmer wiedererkennen.

Außerdem stehe in einem der deutschen Bundesregierung vorliegenden Dossier "auf Seite eins" über Ahmadinejad: "Teilnahme an der Besetzung der amerikanischen Botschaft in Teheran 1979." Woher dieses "Dossier" stammte wurde allerdings nicht genannt.

Von Seiten des Irans werden diese Vorwürfe vehement zurückgewiesen. "Selbst wenn 52 Geiseln sagen, er habe sie verhört, lügen sie entweder oder erfinden es", sagte Abbad Abdi, der damalige Anführer der Geiselnehmer. Bijan Adibi, ein weiterer Geiselnehmer, stimmte ihm zu. Bezüglich eines Photos, das als Beweis dienen soll, sagte er: "Sehen Sie sich jedes Photo Ahmadinejads heute an und er ist mindestens einen Kopf kleiner. Auf diesem Photo hat er die Größe der Amerikaner."

Ein Mitarbeiter Ahmadinejads, Meisan Rowhani, sagte gegenüber AP, Ahmadinejad sei kürzlich bei einem privaten Treffen gefragt worden, ob er damals an der Geiselnahme beteiligt gewesen sei. "Nein, ich glaubte, daß die Welt uns verschlingen würde, wenn wir es tun würden", habe er geantwortet.

Die Behauptung, einen Mann aufgrund von aktuellen Photos nach 26 Jahren wiederzuerkennen, scheint tatsächlich mehr als fragwürdig. Einen ungewöhnlichen Einblick in unerwartete Ähnlichkeiten mag eine Website geben, die sich eben hiermit befaßt. Hinzu kommt hier sicherlich noch, daß sich die Männer in einer äußersten Streßsituation befanden. Bei genauerem Hinsehen ist auch die Aussage Simpsons ohne jede Beweiskraft, sagt er doch nur, daß Ahmadinejad Mitbegründer jener studentischen Gruppe war, die die Geiselnahme schließlich durchführte. Daß selbst dies seitens des Irans bestritten wird, steht dabei noch auf einem anderen Blatt. Ein von Simpson zitiertes Interview mit Ahmadinejad wurde erst "lange nachdem die Belagerung vorüber war" aufgezeichnet.

Auffallend ist, daß oppositionelle Gruppen kurz vor der Wahl begonnen haben, Informationen über eine Verbindung Ahmadinejads zu der Geiselnahme zu veröffentlichen. Demnach hatte er sich dafür ausgesprochen, auch die sowjetische Botschaft zu stürmen. Diese Behauptung fand mittlerweile bereits Eingang in die Wikipedia.

Auch wenn sicherlich nicht ausgeschlossen werden kann, daß Ahmadinejad eben doch auf der einen oder anderen Ebene an der Geiselnahme beteiligt war - immerhin war er zum damaligen Zeitpunkt Student in Teheran - so ist diese "Enthüllung" doch zumindest als auffällig gut zeitlich abgestimmt zu bezeichnen. Ausgerechnet zu dem Zeitpunkt, da es den Kriegsplänen der USA in die Hände spielen würde, einen "Oberschurken" an der Spitze des Irans zu finden, passiert genau dies.



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