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Nachschub für den Widerstand

Mit Unterstützung der US-Besatzer

25.07.2005  






Ein Bericht der Los Angeles Times vom Montag zeigt einmal mehr, warum der irakische Widerstand immer neuen Zulauf erhält, wie dies auch ein Artikel der New York Times vom Sonntag bestätigte.

Es war am 6. Juli dieses Jahres eine Szene in Baghdad, wie sie so oder so ähnlich, zumindest mit den gleichen Folgen für die Betroffenen, seit Beginn des US-geführten Angriffskrieges unzählige Male im Irak vorgekommen ist.

Eine Limousine stand am Straßenrand, zwei Männer in traditionellen arabischen Dishdashas stiegen aus, während der Fahrer in dem Auto blieb. Im gleichen Moment tauchte ein US-Konvoi aus einer Unterführung auf. Ob die Soldaten glaubten, die Männer seien eine Bedrohung oder aus anderen Gründen das Feuer eröffneten ist nicht bekannt, die Folgen waren aber die gleichen, wie bei den anderen Fällen. Einer der Männer wurde getötet, der zweite angeschossen und der Fahrer des Wagens von zwei Projektilsplittern am Kopf verletzt, während die Soldaten weiterfuhren, ohne auch nur angehalten zu haben. Und wie so häufig handelte es sich auch hier nicht um Widerstandskämpfer, die einen Angriff planten. Tatsächlich waren es nur zwei Anhalter, die vom Fahrer des Wagens mitgenommen und vor der Zentrale der Einheit für Kapitalverbrechen der Nationalpolizei abgesetzt worden waren.

Und doch handelt es sich hier nicht einfach um einen weiteren solchen Fall.

Der durch den US-Angriff verletzte Fahrer des Wagens war kein geringerer als Brigadegeneral Majeed Farraji, Leiter der Einheit für Kapitalverbrechen.

Spätestens dieser Vorfall hat die Einstellung Farrajis gegenüber seinen - zumindest inoffiziellen - obersten Befehlshabern offenbar grundlegend geändert. "Der Grund dafür, daß sie auf uns schossen, ist einfach, daß die Amerikaner rücksichtslos sind", sagte er. "Niemand bestraft oder beschuldigt sie."

"Natürlich werden die Schießereien die Unterstützung für die Opposition steigern", so der 49-jährige Farraji weiter. "Der Haß auf die Amerikaner hat zugenommen. Ich hasse sie selbst."

Es ist anzunehmen, daß die US-Soldaten die Folgen dieses Gefühls bald erleben werden, so dies nicht schon geschehen ist.

Ein weiteres solches Beispiel ist der Tod eines aus dem kurdischen Nordirak stammenden schweizer Staatsbürgers.

Der 49 Jahre alte Salah Jmor war vor 25 Jahren aus dem Irak in die Schweiz gegangen, wo er einen Doktor für Internationale Beziehungen erhielt und schließlich eingebürgert wurde. Ein Jahrzehnt lang repräsentierte er die irakischen Kurden bei dem Büro der Vereinten Nationen in Genf. Nach dem Sturz der Regierung Saddam Husseins wurde ihm ein Posten in der "irakischen Regierung" angeboten, er zog es aber vor, in Genf zu bleiben.

Am 27. Juni traf er in Baghdad ein, um seine Familie zu besuchen. Am nächsten Morgen fuhren er und sein jüngerer Bruder Abdul-Jabbar Jmor, ein Architekt, in dessen Büro. Ihr Auto befand sich auf der Überholspur der achtspurigen Mohammed Qasim-Autobahn, als ein aus drei Humvees bestehender US-Konvoi von einer Auffahrt auf die Autobahn fuhr. Weder er noch sein Bruder sahen die Soldaten.

Plötzlich sackte Salah zusammen und fiel in den Schoß seines Bruders. Abdul-Jabbar fragte ihn, was los sei, bis er Blut aus seinem Kopf laufen sah. Dann entdeckte er ein einzelnes Loch in der Windschutzscheibe.

Dieser Konvoi kehrte zwar nach einigen Minuten zurück und einer der Soldaten sagte, es würde ihm leid tun, dies war für Abdul-Jabbar aber keineswegs eine ausreichende Reaktion und auch die Schweiz hat eine Erklärung für seinen Tod gefordert. Das US-Außenministerium erklärte, es habe der schweizer Regierung und der Familie Jmors sein Beileid ausgesprochen. Abdul-Jabbar Jmor hingegen sagte, die Familie habe keinerlei Beileidsbekundung der US-Regierung erhalten und sei auch nicht im Rahmen einer Untersuchung kontaktiert worden.

"Diese Art Vorfälle bringt die Menschen dazu, die Amerikaner mehr und mehr zu hassen", sagte er. "Sie kümmern sich nicht um das Leben von Menschen. Jeden Tag machen sie sich neue Feinde."

Bisher nimmt er noch Abstand von der irakischen Tradition, den Tod seines Bruders selbst zu rächen, es scheint allerdings nur eine Frage der Zeit, bis er sein Vertrauen in die Justiz, von der er sich eine Bestrafung der Soldaten erhofft, verlieren wird.

Der Stamm seines Vaters Abdul-Rihman Jmor umfaßt über 20.000 Mitglieder.





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