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Alltäglicher Tod

Folgen des Angriffskriegs gegen den Irak

28.07.2005  






Eine Reuters-Meldung vom Mittwoch belegt ein weiteres Mal die katastrophalen Auswirkungen des US-geführten Angriffskrieges gegen den Irak für die dort lebenden Menschen.

Demnach werden jeden Tag rund 30 Leichen allein in das Leichenschauhaus der Hauptstadt Baghdad eingeliefert. Bei allen handelt es sich dabei nach Aussage von Faik Amin Baker, dem Direktor des Gerichtsmedizinischen Instituts und Leiter des Leichenschauhauses, um "verdächtige Todesfälle", die zum größten Teil durch Schußwunden getötet wurden.

"Vor dem Krieg bekamen wir vielleicht 250 Leichen pro Monat. Jetzt sind es 800 oder 900 pro Monat nur aus der Gegend von Baghdad", so Baker, der in London ausgebildet worden war und das Leichenschauhaus seit 15 Jahren leitet. "Die Situation hat sich dramatisch verschlechtert. Wir werden nicht damit fertig."

Allein die Zahl der in diesem Leichenschauhaus eingelieferten Toten ist also um etwa 7.000 pro Jahr angestiegen. Hierbei handelt es sich allerdings nur um einen Teil der durch die grassierende Gewalt getöteten Menschen, werden dort doch nur jene Leichen hingebracht, die einer Autopsie unterzogen werden sollen. In vielen Fällen ist eine solche nicht notwendig, da die Todesursache offensichtlich ist. Auch die Tatsache, daß dem islamischen Glauben zufolge Tote innerhalb von 24 Stunden beerdigt werden müssen, dürfte in vielen Fällen dazu führen, daß Angehörige eine Einlieferung in das Leichenschauhaus verhindern.

Bakers Einrichtung ist mittlerweile so überlastet, daß Leichen, die nicht innerhalb weniger Wochen abgeholt werden, in provisorischen Gräbern bestattet werden, um Platz für neue Opfer zu bekommen. Über 400 Tote mußten seit Beginn des Krieges bereits auf diese Art bestattet werden.

"Wir behalten sie solange wir können, aber wie lange hängt davon ab, wieviele Leichen wir bekommen", so Baker. "Derzeit behalten wir sie für etwa drei Wochen, aber manchmal ist es weniger."

Jeden Tag kommen dutzende Familien auf der Suche nach vermißten Angehörigen in das Leichenschauhaus und sehen sich Photos der Leichen auf einem Computerbildschirm an. Wenn diese nicht eindeutig sind, müssen sie die Leichen selbst ansehen.

"Es war schrecklich, furchtbar", sagte Yassin, ein für Reuters arbeitender Fahrer, der dort Stunden mit der Suche nach seinem vermißten Bruder verbrachte. Nachdem er erschossen worden war, lag er offenbar mehrere Tage in der Sonne, so daß sein Gesicht nicht mehr zu erkennen war. "Ich wußte nur, daß er es ist aufgrund seiner Hosen und einer Tätowierung auf der Innenseite seines Arms", so Yassin.



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