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Angriff oder Verteidigung?

Gigantisches schwimmendes Radarsystem fertiggestellt

29.07.2005  






Das "Gleichgewicht des Schreckens" in der Zeit des "Kalten Krieges" zwischen den USA und der UdSSR beruhte darauf, daß beiden Seiten klar war, daß ein direkter Angriff auch die eigene Vernichtung zur Folge hätte.

Die möglichen Konsequenzen, wäre eine der beiden Seiten in der Lage gewesen, einen Angriff beziehungsweise "Gegenschlag" erfolgreich abzuwehren, sind ebenso leicht vorstellbar wie katastrophal. Hier sei nur an die "Kubakrise" erinnert, bei der die Welt nur sehr knapp einem alles vernichtenden Atomkrieg entkommen ist. Letztlich, weil der damalige sowjetische Generalsekretär Nikita Chruschtschow sich schließlich den Drohungen des US-Präsidenten John F. Kennedy beugte, die zuvor auf Kuba stationierten Atomwaffen wieder abzuziehen - obgleich dies sicherlich nur ein "Ausgleich" für die von den USA in mehreren europäischen Ländern stationierten Atomwaffen gewesen wäre.

Mit dem von den USA geplanten "Raketenabwehrschild" stünde dem Land - so denn die technischen Probleme insbesondere bei der tatsächlichen Zerstörung anfliegender Raketen behoben werden können - ein solches System zur Verfügung. Ein bedeutender Schritt hin zur Realisierung dieses Plans ist nun mit der "Einweihung" eines gigantischen, schwimmenden Radarsystems gemacht worden.

Das "Sea-Based X-Band Radar" (SBX, "Seegestütztes X-Frequenzbereichs-Radar") ist auf einer manövrierfähigen Plattform, wie sie auch für Ölbohrungen im Meer eingesetzt werden, aufgebaut.

"Das Seegestützte X-Frequenzbereichs-Radar stellt einen kritischen Schritt in der fortlaufenden Entwicklung nicht nur der bodengestützten Mittelstreckenverteidigung, sondern auch des gesamten Verteidigungssystems gegen ballistische Raketen und fügt erhöhte Fähigkeiten in der ganzen Bandbreite für eine mehrstufige Verteidigung gegen ballistische Raketen aller Reichweiten, während jeder Phase ihres Fluges, hinzu", so der Vizepräsident des US-Unternehmens Boeing in einer Erklärung.

SBX
Photo: Boeing


Boeing hatte im Januar 2003 einen Vertrag über die Fertigstellung des SBX von der US-Raketenverteidigungsbehörde im Gesamtumfang von fast 750 Millionen US-Dollar erhalten. Aufgebaut wurde das SBX auf der von der russischen Werft Vyborg im September 2002 an ein norwegisches Unternehmen gelieferten Plattform "Moss Sirius". Das norwegische Unternehmen Moss Arctic Production fungierte dabei offenbar nur als Strohmann für den Export der teilweise tauchfähigen Plattform. Während die Werft etwa 40 Millionen US-Dollar erhielt, bezahlte Boeing rund 63 Millionen US-Dollar an das norwegische Unternehmen.

Interessant ist hier sicherlich auch, daß Vyborg schon damals eigenen Angaben zufolge einen Auftrag zum Bau einer weiteren solchen Plattform erhalten hatte, der im November oder Dezember des gleichen Jahres beginnen und auf etwa 15 Monate Bauzeit geschätzt wurde - auch diese Plattform müßte demnach bereits fertiggestellt und ausgeliefert sein, allerdings gibt es keinerlei Informationen, ob der Bau jemals begonnen worden ist.

Der vollständige Aufbau des Radars auf der Plattform erfolgte dann im praktisch direkt am Golf von Mexiko gelegenen Corpus Christi im US-Bundesstaat Texas. Die Plattform ist 73 Meter breit, 118 Meter lang und hat eine Gesamthöhe einschließlich der Radaraufbauten von 85 Metern. Nach Angaben von Boeing handelt es sich bei dem Radar um "das größte, hochentwickelste phasengesteuerte elektromechanisch gesteuerte X-Frequenzbereichs-Radar der Welt", das aus "tausenden von Antennen" besteht. Das Radar hat eine Reichweite von 4.800 Kilometern und eine Auflösung von 15 Zentimetern.

In den folgenden Monaten wird das SBX eine Reihe von Versuchen im Golf von Mexiko durchführen, bevor es schließlich in seinen zu seinem zukünftigen Heimathafen Adak auf den zum US-Bundesstaat Alaska gehörenden Alëuten fahren wird.

SBX
Photo: US-Raketenverteidigungsbehörde


Die Reichweite - ganz abgesehen von der Mobilität - des Radars ermöglichen die Überwachung des Luftraums des größten Teils der Nordhalbkugel. Sollte es den USA auch noch gelingen, ein System zu entwickeln, daß anfliegende Raketen zuverlässig zerstört, so würde es sie zumindest auf diesem Weg praktisch unangreifbar machen. Da die "Abschreckung" durch die eigenen Atomwaffen über Jahrzehnte hervorragend funktioniert hat, stellt sich die Frage, ob hier nicht eher die Voraussetzungen für eigene atomare Angriffe geschaffen werden sollen.





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