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Das andere Motiv

Gedanken zur Enttarnung einer CIA-Agentin

01.08.2005  






Am 14. Juli 2003 enthüllte der Journalist Robert Novak in einem Artikel, daß es sich bei der Ehefrau des US-Diplomaten Joseph C. Wilson, Valerie Wilson, um eine für die CIA arbeitende Agentin handelte.

Mittlerweile besteht kein Zweifel mehr daran, daß höchste US-Regierungskreise - namentlich der Berater des US-Präsidenten, Karl Rove - daran beteiligt waren, Journalisten über den Hintergrund von Valerie Wilson aufzuklären. Dies war sicherlich auch naheliegend, da in dem Artikel ihr Mädchenname Plame verwendet wurde, obwohl sie Wilson schon im Jahr 1998 geheiratet hatte und dessen Namen auch angenommen und verwendet hat - außer bei ihrer verdeckten Arbeit für die CIA. Hierbei nannte sie sich weiterhin Valerie Plame, vermutlich um keinen derart deutlichen Hinweis auf Beziehungen zur US-Regierung zu geben.

Als Grund für diese absichtliche Enttarnung wird allgemein vermutet, daß es sich dabei um einen Racheakt gegenüber ihrem Ehemann handelte. Dieser hatte am 6. Juli 2003 in der New York Times einen Artikel veröffentlicht, in dem er die US-Regierung im Hinblick auf angebliche irakische Versuche, im afrikanischen Niger Uran zu kaufen, beschuldigte, "die irakische Gefahr" gegen besseres Wissen aufgebauscht zu haben.

Bei "Valerie Plame" handelte es sich allerdings nicht einfach nur um eine Mitarbeiterin der CIA. Vielmehr arbeitete sie seit Jahren als "inoffizielle Geheimagentin", was bedeutete, daß sie entgegen der üblichen Vorgehensweise nicht unter dem Schutz eines Diplomatenstatus' vorging. Dies macht die Enttarnung eines Agenten zwar einerseits wesentlich schwerer, führt aber auch dazu, daß er, sollte seine Tarnung auffliegen, hierfür mit großer Wahrscheinlichkeit mit seinem Leben bezahlen muß.

Durch ihre Enttarnung flog auch ihre Deckung des angeblichen Anwaltsbüros "Brewster Jennings & Associates" in Boston - in Wahrheit wurde das ganze "Unternehmen" von der CIA nur zum Zweck der Tarnung gegründet - auf. Jegliche weiteren Agenten, die diese Tarnung verwendet hatten, waren somit ebenfalls enttarnt. Jeder, der mit ihr oder diesen anderen "Mitarbeitern" Kontakt hatte, war zumindest in Gefahr. Dies erklärt sicherlich, warum US-Geheimdienste so empört auf die Enthüllung reagierten.

Noch bemerkenswerter ist allerdings, daß Valerie Wilson beziehungsweise Plame einem Artikel des KnightRidder vom 11. Oktober 2003 zufolge an "einem Punkt weit oben auf Bushs Prioritätenliste arbeitete: der Verbreitung von Raketen und atomaren, biologischen und chemischen Waffen, allgemein bekannt als Massenvernichtungswaffen."

Es ist nur schwer vorstellbar, daß eine offenbar wichtige Agentin - zusammen mit zahlreichen weiteren - in einem derart wichtigen Bereich "geopfert" wird, um sich für eine wie auch immer geartete Indiskretion an einem Dritten zu rächen.

Letztlich stellt sich hier die Frage, ob "Plame" oder einer ihrer nun ebenfalls enttarnten Kollegen einem Geschäft mit Massenvernichtungswaffen zu nahe gekommen waren, das seitens der US-Regierung gedeckt wurde. Dies würde - anders als die vorgebliche Rache auf Kindergartenniveau - zumindest erklären, warum ein solcher Rückschlag in der Informationsgewinnung und die damit verbundene "Gefahr für die nationale Sicherheit" hingenommen wurden.

Ob man annimmt, daß es sich hierbei eher um die geheime Unterstützung eines "befreundeten Staates" oder um die noch geheimere Unterstützung von "Terroristen" gehandelt haben könnte, dürfte letzten Endes vor allem vom Ausmaß der Skepsis gegenüber der US-Regierung abhängen.





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