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Schauprozesse in Guantánamo

Vorwürfe zweier Ankläger

02.08.2005  






Ein Artikel der australischen ABC vom Montag belegt, daß die Militärtribunale gegen Gefangene des US-Lagers Guantánamo Bay auf Kuba kaum mehr als Schauprozesse sind, deren Ausgang bereits feststeht.

Der Sender ist in den Besitz zweier E-Mails früherer dortiger Ankläger gelangt, in denen sich diese im März des vergangenen Jahres bei Vorgesetzten über schwerwiegende Manipulation bei den "Verfahren" beschwerten.

So schrieb Major Robert Preston in einer E-Mail: "Ich betrachte das Beharren auf dem Vorantreiben von Fällen, die selbst dann unbedeutend wären, wenn sie sorgfältig vorbereitet würden, als eine Bedrohung für das Ansehen des Justizsystems des Militärs und sogar als Betrug am amerikanischen Volk."

"Sicherlich erwarten sie nicht, daß diese ziemlich dilettantischen Bemühungen alles sind, das wir nach all der Zeit zusammengebracht haben", so Preston weiter. "Ich liege jede Nacht wach und mache mir darüber Sorgen."

Letztlich bat er fast direkt um eine Versetzung, als er schrieb: "Es ist mir fast unmöglich, mich auf meinen Teil der Mission zu konzentrieren. Letzten Endes ist es hart, einen Antrag zu verfassen, der besagt, daß der Prozeß umfassend und fair sein wird, wenn man dies nicht wirklich glaubt, insbesondere wenn man sich selbst als Offizier und Anwalt bezeichnen möchte."

Weniger als einen Monat später wurde Preston aus dem Amt für Militärkommissionen wegversetzt.

Hauptmann John Carr zeigte in der zweiten E-Mail ebensolche Bedenken gegenüber den Verfahren.

"Als ich mich freiwillig meldete, um bei diesem Verfahren zu helfen und diesem Amt zugeteilt wurde, erwartete ich, daß es zumindest minimalste Bemühungen geben würde, ein faires Verfahren zu eröffnen und gewissenhaft Fälle gegen bedeutende Beschuldigte vorzubereiten", so Carr. "Stattdessen finde ich halbherzige und unorganisierte Bemühungen einer Stammgruppe verhältnismäßig unerfahrener Anwälte, ziemlich leicht Beschuldigte in einem Verfahren anzuklagen, das manipuliert zu sein scheint."

Spätestens seiner nächster Satz dürfte dafür verantwortlich sein, daß auch er kurze Zeit später versetzt wurde.

"Sie haben dem Amt wiederholt gesagt, daß der Militärausschuß handverlesen werden wird und diese Gefangenen nicht freisprechen wird und daß wir uns nur darum kümmern bräuchten, Aufzeichnungen für die Überprüfungskommission anzulegen", schrieb Carr.

Carrs Aussage zufolge standen die Urteile gegen die Angeklagten schon vor Beginn der Verfahren fest, was sie zu nichts anderem als Schauprozessen machen würde.

Daher kann es kaum verwundern, daß US-Brigadegeneral Thomas Hemingway, der juristische Berater der Militärtribunale, den Vorwürfen widersprach und die E-Mails als Folgen von "Mißkommunikation, Mißverständnissen und persönlichen Konflikten" bezeichnete - er bestritt allerdings nicht die Echtheit der E-Mails.



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