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Tod eines Journalisten im Irak

Das perfekte Opfer Steven Vincent

04.08.2005  






Am Mittwoch berichteten die Medien, daß der US-Journalist Steven Vincent am Vortag im Irak entführt und kurze Zeit später erschossen aufgefunden wurde. Einige Zusatzinformationen, die seinen Tod in einem anderen Licht erscheinen lassen, fehlten in der überwiegenden Zahl der Berichte allerdings.

Während die Vincents Ermordung betreffenden Artikel zumeist den Eindruck erweckten, er sei der alltäglichen Gewalt im Irak, vielleicht auch einem allgemeinen Haß auf US-Bürger zum Opfer gefallen, deuten mehrere Einzelheiten doch darauf hin, daß in Wahrheit die Besatzer auf die eine oder andere Art für seinen Tod verantwortlich sind.

So beschuldigte er die Polizei in der südirakischen Stadt Basra, wo er sich seit mehreren Monaten aufhielt in einem am vergangenen Sonntag in der New York Times veröffentlichten Artikel unter Berufung auf die Aussage eines "jungen irakischen Offiziers", daß dort "75 Prozent der Polizisten, die ich kenne Muqtada al-Sadr folgen - er ist ein großartiger Mann." Die Tatsache, daß im überwiegend shiitischen Basra auch die Mehrheit der Polizisten gläubig ist, dürfte kaum mehr verwundern wie bayrische Polizisten, die den Papst für Gottes Vertreter auf Erden erachten. Zwar ist die angegebene Zahl, der zufolge drei Viertel der Polizisten al-Sadr folgen sicherlich bemerkenswert, ist er doch nicht die höchste shiitische Autorität im Irak, die möglichen Gründe hierfür sind allerdings mehr als zahlreich.

In dem Artikel machte Vincent aber noch eine weitere, weitaus schwerwiegende Beschuldigung, wobei er sich wiederum auf die Aussage eines anonym gebliebenen "Leutnant der irakischen Polizei" berief. Demnach existiert in Basra ein in einem weißen Toyota Typ II herumfahrendes Todesschwadron, das aus nicht im Dienst befindlichen Polizisten besteht und vornehmlich frühere Mitglieder der Baath-Partei tötet. Hierbei würden sie von "extremistischen religiösen Gruppen" bezahlt.

Sollte diese zweite "Enthüllung" zutreffen - die erstgenannte verdient diese Bezeichnung sicherlich kaum - so mag wäre diese Veröffentlichung zweifellos ein mögliches Motiv für Vincents Ermordung. Da auch die "irakische Polizei" letztlich weiterhin unter Kontrolle der Besatzer besteht und außerdem den Genfer Konventionen zufolge eine Besatzungsmacht für die Sicherheit im besetzten Land verantwortlich ist, würde dies aber letztlich die Besatzer verantwortlich machen.

Zwar warf auch Vincent - der den US-geführten Angriffskrieg gegen den Irak als "Befreiung" im Rahmen des "Kampfes gegen des Islamo-Faschismus" betrachtete - dies dem britischen Militär vor, letztlich schien es aber insbesondere in seinem Weblog doch so, daß die wahre "Wurzel des Übels" im islamischen Glauben selbst zu suchen sei.

Letztlich deuten derart viele Hinweise in Richtung der shiitischen Gläubigen, daß sich unweigerlich die Frage stellt, ob diese Hinweise ein Anzeichen von Schuld oder bewußt manipulativer Schuldzuweisung sind. Die Besatzer betrachten die langsame, aber doch fortschreitende Islamisierung des Landes - die zu einer Theokratie ähnlich des Iran führen könnte - mit zunehmender Sorge. Ein von Gläubigen an einem ausländischen Journalisten verübter Mord wäre hier sicherlich ein durchaus "hilfreiches" Ereignis.

Einem Bericht des Christian Science Monitor zufolge wurde Vincent zusammen mit einer für ihn arbeitenden Übersetzern, die angeschossen überlebt, von Männern entführt, die aus einem weißen Auto gesprungen waren. Einige Augenzeugen sprachen auch von einem Polizeiwagen.

Wer auch immer in Wahrheit für seinen Tod verantwortlich ist, so dürfte ihn die Tatsache, daß er zwar oberflächlich die Besatzung, tatsächlich aber vorrangig den Islam kritisierte, für alle Seiten zu einem "perfekten Opfer" gemacht haben.



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