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Günstige Gelegenheiten

"Verbessertes" Saatgut für den Irak

09.08.2005  






Am Montag veröffentlichte die "Food and Agriculture Organization" (FAO, "Nahrungs- und Landwirtschaftsorganisation") der Vereinten Nationen einen Bericht, dem zufolge die Saatgutindustrie im Irak infolge des US-geführten Angriffskrieges gegen das Land praktisch vollständig zerstört worden ist.

Dadurch könne der Irak derzeit nur 4 Prozent seines Bedarfs an Saatgut aus eigenen Quellen decken. Die FAO möchte daher ein Programm zum Wiederaufbau der irakischen Saatgutindustrie beginnen und benötigt hierfür nach eigenen Angaben 5,4 Millionen US-Dollar. Vor dem Krieg habe der Irak eine "relativ stabile und funktionierende, staatlich kontrollierte Saatgutindustrie" besessen, so die FAO.

Was bis hierhin nur wie ein weiterer Beleg für die Zerstörung des Iraks durch den Einmarsch der US-Soldaten und die von ihnen anschließend zugelassenen Plünderungen zu sein scheint, dürfte darüber hinaus aber auch ein weiterer Beleg dafür sein, daß das Land systematisch ausgebeutet wird und werden soll.

"Der Irak hat derzeit kein System, das geprüftes Saatgüter verbesserter Arten bereitstellt. Als Folge bleibt der Ernteertrag sehr niedrig, da Bauern ihre eigenen, größtenteils minderwertigen Saatgüter verwenden. Wenn nicht umgehend Maßnahmen ergriffen werden, kann mit ernstem Saatgutmangel in der nahen Zukunft gerechnet werden, der die Nahrungssicherheit des Landes gefährdet", so Tekeste Tekie, Projektleiter der FAO im Irak.

Bei genauerer Betrachtung dieser Aussage drängt sich der Verdacht auf, daß Tekie vor allem an eine enge "Zusammenarbeit" mit einem Unternehmen wie dem US-Konzern Monsanto zur Lieferung von gentechnisch verändertem Saatgut denkt. Zwar mag es den Bauern schwerer fallen, einen Teil ihrer Ernte so einzulagern, daß dieser im folgenden Jahr als Saatgut verwendet werden kann. Wenn vor dem Einmarsch der USA der FAO zufolge die irakische Saatgutindustrie verläßlich gearbeitet hat - also offenbar auch qualitativ hochwertiges Saatgut geliefert hat, so erscheint Tekies Behauptung, die Bauern würden nun auf minderwertige Arten zurückgreifen müssen, wenig glaubhaft, können diese Arten doch nur jene sein, die noch vor drei Jahren von der nun zerstörten Industrie geliefert worden waren.

Auch sein zweimaliger Hinweis auf "verbesserte" Arten deutet zweifellos in diese Richtung. "Getreide- und Gemüsesaaten, die von Bauern über Jahrhunderte entwickelt wurden, sollten erhalten und weiter verbessert werden, um die örtlichen landwirtschaftlichen und die Ernährung betreffenden Bedürfnisse zu erfüllen", so Tekie.

Noch der US-Verwalter des Iraks Paul Bremer hatte ein Gesetz erlassen, das die Patentierbarkeit genmanipulierter Pflanzen im Irak sichert. Die FAO wiederum hat offenbar keine Berührungsängste mit gentechnisch veränderten Pflanzen, sieht sie dies doch als eine Möglichkeit, den Ertrag von Pflanzen drastisch zu steigern.

Nach eigener Darstellung will die FAO im Irak auch bei der Entwicklung eines "neuen Saatgutgesetzes" behilflich sein, das "dazu beitragen könnte, die Rolle des privaten Sektors in der Saatgutherstellung langsam zu vergrößern."

Zweifellos sind all dies bisher nur Indizien, in ihrer Gesamtheit scheinen sie allerdings ein ziemlich klares Bild zu geben.





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