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Sex und Gewalt

Prioritäten in den USA

10.08.2005  






Ein Vergleich eines aktuellen Ereignisses aus dem Bereich der Computerspiele mit der US-Politik läßt ein weiteres Mal nur den Schluß zu, daß Gewalt auf allen Ebenen der US-Gesellschaft als Lösung für "Probleme" voll akzeptiert ist.

Nicht nur in den USA sorgte seit einigen Wochen ein im Internet veröffentlichter Patch - eine kleine Programmveränderung - für das Spiel "GTA: San Andreas" aus der Reihe "Grand Theft Auto" für größte Aufregung. Der von dem Niederländer Patrick Wildenborg, gerade einmal etwas über ein Megabyte große, "Hot Coffee" genannte Patch schaltet eine Funktion innerhalb des Programms frei, die offenbar während der Entwicklung eingebaut, aber bisher nicht zugänglich war. Nach der Aktivierung ist es für die - männliche - Spielfigur möglich, innerhalb des Spiels Frauen zu treffen und mit diesen "vor der Kamera" des Spiels Sex zu haben.

Als Reaktion auf die der Veröffentlichung des Patches folgende öffentliche Empörung stellte das US-Unternehmen Rockstar, das das Spiel entwickelt hatte, und das GTA veröffentlichende Unternehmen Take 2 Interactive die Produktion des Computerspiels zeitweilig komplett ein. Mittlerweile darf das Spiel in den USA nur noch an Erwachsene verkauft werden, was einem Verbot fast gleichkommt. Die Aufregung über diese "unzüchtigen Darstellungen" zog sich bis in die höchsten Kreise der US-Politik. So forderte das US-Repräsentantenhaus die "Federal Trade Commission" (FTA) auf, die Hintergründe der Veröffentlichung des Computerspiels dahingehend zu untersuchen, ob der Hersteller die Behörden zuvor absichtlich hinsichtlich der Altersfreigabe getäuscht hat.

Auch Hillary Clinton, die Ehefrau des früheren US-Präsidenten William "Bill" Clinton, schaltete sich in die Diskussion ein. "Wir sollten alle zutiefst beunruhigt darüber sein, daß ein Spiel, welches nun die Simulation unzüchtiger sexueller Akte in einem interaktiven Format mit höchst realistischen Graphiken ermöglicht, in die Hände junger Menschen im ganzen Land gefallen ist", sagte sie - wobei ihre Definition von "höchst realistischen Graphiken" zweifellos eine andere als die der Mehrheit der Computerspieler ist.

Gerade ihr Kommentar liefert allerdings die Gelegenheit für einen zweifellos interessanten Vergleich.

Man mag der Darstellung sexueller Aktivität wie in GTA: San Andreas ablehnend oder befürwortend gegenüberstehen - wobei die Frage, ob es sich hier nicht doch nur um eine ungewöhnlich Vermarktungsstrategie handelt , ungeklärt bleibt - letztlich sollte - wenn überhaupt - der Hauptinhalt des Spiels aber einen deutlich größeren Aufschrei der Empörung auslösen. So geht es in dem Spiel darum, durch Verbrechen, Gewalttaten und Morde möglichst "erfolgreich" zu sein. Dieser Teil des Spiels wurde aber weder von den Behörden noch von anderen Stellen kritisiert.

Die exakt gleiche Logik liegt offenbar auch Kritik an US-Präsidenten zugrunde. So sah sich William Clinton wegen seiner außerehelichen Affäre mit der Praktikantin des Weißen Hauses Monica Lewinsky - und weil er den US-Kongreß dahingehend belogen hatte - mit einem Amtsenthebungsverfahren konfrontiert.

Der derzeitige US-Präsident George W. Bush hingegen hat den US-Kongreß, den UN-Sicherheitsrat und die Weltöffentlichkeit belogen, um den von ihm geplanten Angriffskrieg gegen den Irak zu begründen. Selbst offiziellen Angaben des US-Militärs zufolge wurden seitdem mehr als 1.800 US-Soldaten getötet und zehntausende verletzt. Tatsächlich liegen diese Zahlen um ein mehrfaches höher. Darüber hinaus wurden seit Beginn der US-Invasion des Iraks weit über 100.000 Menschen im Irak getötet. Und doch wurde bisher kein Amtsenthebungsverfahren gegen ihn angestrengt - ebensowenig, wie internationale Politiker (einschließlich deutscher) sich bisher geweigert hätten, sich mit ihm bei einem freudig-erregten Händedruck von den Medien ablichten zu lassen.





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