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Künstliche Helden

Orden für US-Soldaten

14.08.2005  






Das US-Militär ist offenbar weiterhin der Ansicht, dem amerikanischen Volk zumindest von Zeit zu Zeit eine herzerwärmende Heldengeschichte präsentieren zu müssen, um so die täglichen Verluste im Irak etwas aus den Köpfen zu verdrängen - das Anwerben neuer Rekruten ist in letzter Zeit ohnehin schwer genug.

Wie mittlerweile bekannt ist, war schon die "Befreiung" der US-Soldatin Jessica Lynch ebensowenig heldenhaft wie sie nicht in Gefahr war, wurde sie doch nur aus den Händen der sie behandelnden Ärzte "gerettet".

Nun war es anscheinend wieder an der Zeit für einen neuen "Helden". Dieser wurde am Sonntag mit der Geschichte des früheren US-Soldaten Lonnie Young in einem Artikel des Cincinatti Enquirer präsentiert. Young erhielt in einer Zeremonie einen "Bronze Star", eine der höchsten Auszeichnungen des US-Militärs, weil er "im Irak im vergangenen Jahr einen Rebellen-Angriff abgewehrt hat", so der Artikel.

Young habe am 4. April 2004 während eines vier Stunden dauernden Kampfes vom Dach eines dreistöckigen Gebäudes mit einem Maschinengewehr auf über 700 mit Panzerfäusten und Schußwaffen auf eine Basis feuernde Kämpfer gefeuert, zwei verwundete Kameraden verarztet, sie in Sicherheit gebracht und sei drei Mal durch die Basis gelaufen, um mehr Munition zu holen. Er habe selbst weitergekämpft, als ihm ein Schrapnell die Sehkraft auf einem Auge nahm und er in der Schulter von einer Kugel getroffen wurde.

"Die Basis wurde von zivilen Auftragnehmern geschützt und Young war der einzige Marine auf dem Gelände", so der Bericht weiter. Young mag das einzige Mitglied der US-Marines gewesen sein, das zu der Zeit in der Basis anwesend war, der einzige Soldat, nicht einmal der einzige US-Soldat, war er aber keineswegs. Dies wird schon anhand der Aussage, er habe "zwei Kameraden" gerettet und durch die Festrede des US-Obersts Robert Tobin, der Young die Auszeichnung verlieh, deutlich. "Er rettete sein Leben und er rettete US-Koalitionsstreitkräfte in der Position", so Tobin.

Ein Bericht der Evening Times vom 5. April 2004 liefert weitere interessante Informationen zu dem "Angriff". Demnach waren neben spanischen und salvadorianischen auch US-Soldaten in der Basis stationiert. Offiziellen Angaben zufolge wurden ein aus El Salvador stammender und ein US-Soldat bei dem Angriff getötet und mindestens 9 weitere verwundet. Bei dem "Angriff" handelte es sich in Wahrheit um eine Demonstration vor der Basis, die schließlich in die Kämpfe mündete, offenbar nachdem die Soldaten der Garnison das Feuer auf die Demonstranten eröffnet hatten.

Da die Iraker vor der Garnison gegen die Gefangennahme eines hochrangigen Mitarbeiters des shiitischen Geistlichen Muqtada al-Sadr protestierten erscheint die auch in dem Artikel des Enquirer wiederholte Behauptung des US-Militärs, zuvor sei schon ein "Gemeinsames Koordinationszentrum" der Besatzer mit der "irakischen Polizei" angegriffen worden, äußerst fragwürdig.

Unabhängig vom Ort der Kampfhandlungen sollte allerdings allein schon die Beschreibung von Youngs "Heldentaten" selbst deutliche Zweifel wecken. Tatsächlich weigerte Young sich offenbar auch, gegenüber der Zeitung über den Kampf zu sprechen. "Es ist meine Vergangenheit und ich versuche, es dort zu lassen", sagte er.



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