www.freace.de
Impressum

Nachrichten, die man nicht überall findet.





Britische "Einwanderungszentren" kritisiert

Menschenwert in Zeiten der staatlichen Sparsamkeit

16.08.2005  






Wie die britische BBC am Dienstag berichtete, sind vier "Einwanderungszentren" - ein angesichts ihrer tatsächlichen Funktion mehr als zweifelhafter Begriff - aufgrund einer unangemeldeten Kontrolle als "mangelhaft" bezeichnet worden.

Insgesamt verfügt Großbritannien über 12 "Einwanderungszentren" in See- und Flughäfen. Dort sollen ankommende Einwanderungswillige festgehalten, ihre Ansprüche überprüft und gegebenenfalls von dort direkt wieder deportiert werden. All dies soll den Vorgaben zufolge innerhalb weniger Stunden abgeschlossen sein.

"Es ist wichtig, zu betonen, daß diese Einrichtungen nicht-wohnfähige Halteräume und dazu vorgesehen sind, Menschen nur sehr kurz zu halten - üblicherweise nicht länger als wenige Stunden", sagte der britische Einwanderungsminister Tony McNulty.

Allein in Gatwick wurden in den vergangenen Monaten allerdings mindestens 10 Menschen länger als 24 Stunden, teilweise bis zu 36 Stunden lang festgehalten, berichtete die leitende Gefängnisinspektorin Anne Owers gegenüber der BBC.

Bei den Kontrollen der "Einwanderungszentren" in Dover, im London City Airport und zweier Einrichtungen im Flughafen Gatwick zwischen November 2004 und Januar 2005 stellte sie fest, daß keine dieser Einrichtungen dazu geeignet war, Menschen dort übernachten zu lassen. Ihrem Bericht zufolge schliefen Menschen "auf Tischen und in Plastikstühlen, teilweise ohne angemessene Heizung, Decken und Bettzeug", so der Bericht. Und auch die Unterbringungsmöglichkeiten für Kinder in den "Einwanderungszentren" wurden von ihr als mangelhaft bezeichnet. Die Einrichtung im London City Airport war ihrem Bericht zufolge für Kinder "völlig ungenügend".

Dies war Owers Erkenntnissen zufolge das erste Mal, daß diese, von privaten Unternehmen betriebenen Einrichtungen von staatlicher Seite kontrolliert wurden. Auch wenn die Menschen von den Angestellten "gut und mit Respekt" behandelt wurden, so dürfte dies derartige Mängel kaum ausgleichen, insbesondere aufgrund der Tatsache, daß sich die Angestellten dem Bericht zufolge an die Mißstände "gewöhnt" hatten und diese daher nicht mehr wahrnahmen.

Schon die Tatsache, daß die Einwanderer auch in ihrem Bericht als "Gefangene" bezeichnet werden, deutet allerdings auf die Ursachen für die Mängel hin. Die Einwanderer werden offenbar von staatlicher Seite solange als "schuldig" angesehen, bis ihre "Unschuld" erwiesen ist - beziehungsweise sie deportiert werden.

Hier zeigt sich aber auch einmal mehr die Problematik, wenn derartige hoheitliche Aufgaben aus Kostengründen an private Unternehmen übergeben werden. Da deren oberstes Ziel im allgemeinen die Gewinnmaximierung ist kommt es sehr leicht zu Situationen, in denen Angestellte Mißstände "übersehen", wenn nicht wenigstens eine regelmäßige Kontrolle seitens des Staates erfolgt.



Werbung:


Zurück zur Startseite





Impressum

contact: EMail

PAGERANK SEO