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"Die Strafen sind ein Witz"

Zwei Monate Haft wegen Foltertod

27.08.2005  






Die von einem US-Militärgericht in der vergangenen Woche gegen mehrere US-Soldaten gesprochenen Urteile wurden einem BBC-Bericht vom Freitag zufolge von mehreren Seiten scharf kritisiert.

Die drei verurteilten Soldaten waren an der Folterung zahlreicher Gefangener im US-Gefangenenlager Bagram in Afghanistan beteiligt. Zwei der Folteropfer wurden durch die Folter getötet.

Ein vertraulicher Untersuchungsbericht über die beiden Todesfälle, der der New York Times zugespielt worden war, besagte, daß die Beine eines der beiden Gefangenen namens Dilawar "praktisch zu Brei geschlagen" worden waren.

Der Stabsgefreite Glendale C. Walls II wurde wegen Pflichtversäumnis und Körperverletzung zu zwei Monaten Haft, einer Degradierung und einer unehrenhaften Entlassung aus dem Militärdienst verurteilt.

Feldwebel Selena M. Salcedo hatte sich der gleichen Vergehen wie Walls schuldig bekannt. Sie wurde degradiert, erhielt einen schriftlichen Verweis und zu einer Geldstrafe von 1.000 US-Dollar, zahlbar über vier Monate verteilt, verurteilt.

Der Obergefreite Willie V. Brand wurde wegen Körperverletzung, Mißhandlung, Verstümmelung und Falschaussage in der Öffentlichkeit zum Grenadier, dem niedrigsten Rank innerhalb der US-Armee degradiert.

"Die Strafen für diese Soldaten waren sehr niedrig und unerwartet nachsichtig", so Karim Rahimi, Sprecher des "afghanischen Präsidenten" Hamid Karzai. "Das ist eine sehr ernste Angelegenheit. Sie sollten schwere Strafen erhalten." Er kündigte an, daß die "afghanische Regierung" sich in dieser Angelegenheit mit den US-Behörden in Verbindung setzen wolle.

Auch John Sifton, Leiter der Menschenrechtsorganisation Human Rights Watch in Afghanistan, sagte, die Strafen würden nicht der Schwere der Taten entsprechen. Er nannte dies ein weiteres Anzeichen für das andauernde Unvermögen des US-Militärs, Foltervorwürfe ernst zu nehmen.

Am deutlichsten wurde Ahmad Shah Midad, ein Mitglied der "Afghanischen Unabhängigen Menschenrechtskommission".

"Diese Strafen sind ein Witz. Sie hätten alle 20 Jahre Gefängnis erhalten oder zum Tode verurteilt werden sollen", sagte er. "Das Leben eines Menschen wurde genommen. Sie müssen angemessen bestraft werden."

Auch wenn die Forderung nach der Todesstrafe hier wie in jedem anderen Fall kategorisch abzulehnen ist, so fällt es doch schwer, seiner Einschätzung, die verhängten Strafen seien angesichts der Taten der Soldaten "ein Witz", zu widersprechen. Es scheint allerdings eher wahrscheinlich, daß es sich hier um Unwillen der Verfolgung solcher Verbrechen, denn um Unvermögen wie von Sifton vermutet, handelt.





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