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Tod eines Journalisten

Erneut Journalist im Irak von US-Soldaten erschossen

28.08.2005  






Wie Reuters am Sonntag meldete, ist erneut ein für die Nachrichtenagentur arbeitender Tontechniker im Irak von US-Soldaten erschossen worden, während er seiner Arbeit nachging.

Der 35 Jahre alte Waleed Khaled wurde offenbar von einem Scharfschützen des US-Militärs erschossen, als er mit Kollegen auf der Fahrt zum Ort eines Angriffs auf "irakische Polizisten" im Baghdader Stadtteil Hay al-Adil war. Ein weiterer Reuters-Mitarbeiter wurde durch die Schüsse verletzt.

"Ein Team der Nachrichtenagentur Reuters hatte den Auftrag, über die Tötung von zwei Polizisten in Hay al-Adil zu berichten; US-Streitkräfte eröffneten das Feuer auf das Reuters-Team und töteten Waleed Khaled, dem in den Kopf geschossen wurde, und verletzten Haider Kadhem", zitierte ein Beamter des "Innenministeriums" den Polizeibericht.

"Ich hörte Schüsse, sah hoch und sah einen amerikanischen Scharfschützen auf dem Dach eines Einkaufszentrums", sagte der Kameramann Khadem, der am Rücken verletzt wurde, gegenüber Kollegen, die später eintrafen.

Später wurde er von US-Soldaten gefangengenommen und noch sechs Stunden später festgehalten, obwohl Reuters seine Freilassung forderte, damit er ärztlich behandelt werden konnte. Zwei weitere irakische Kollegen wurden ebenfalls kurze Zeit gefangengenommen, als sie am Ort des Geschehens eintrafen.

Oberstleutnant Steven Boylan, ein Sprecher des US-Militärs, wollte den Vorfall nicht näher kommentieren, da dieser derzeit untersucht werde.

"Einheiten der Task Force Baghdad reagierten auf einen Terroranschlag auf einen Konvoi der irakischen Polizei gegen 11:20 Uhr am 28. August in Zemtrum Baghdads, bei dem mehrere irakische Polizisten verletzt und getötet wurden", so eine Erklärung der USA. "Ein Zivilist wurde während des Angriffs durch Schußwaffengebrauch getötet und ein weiterer wurde verletzt."

Da nach Darstellung von Reuters die Journalisten erst aufgrund des Angriffs auf dem Weg zu dessen Ort waren, ist die Behauptung, sie wären "während des Angriffs" verletzt und getötet worden, kaum glaubhaft. Tatsächlich scheint dies vielmehr ein weiterer jener Fälle zu sein, in denen US-Soldaten nach einem Angriff das Feuer auf alles eröffnen, das auch nur den Anschein macht, sich zu bewegen.

Der Reuters-Korrespondent Michael Georgy traf etwa eine Stunde nach den tödlichen Schüssen ein. Zu dem Zeitpunkt befand sich die Leiche Khaleds noch immer auf dem Fahrersitz, nur sein Gesicht war mit einem Tuch bedeckt. Neben der Kopfwunde gab es mindestens vier Einschüsse in seiner Brust. In den an seinem Hemd befestigten Presseausweisen des US-Militärs und der Nachrichtenagentur befanden sich zwei Einschußlöcher. Die Eintritts- und Austrittswunden der Kugeln wiesen darauf hin, daß die Schüsse rechts von Khaled aus abgefeuert worden waren. Rechts von ihm, auf dem Dach eines Einkaufszentrums, war ein US-Scharfschütze postiert. Ein für Reuters arbeitender britischer Sicherheitsberater sagte, es sei wahrscheinlich, daß Hochgeschwindigkeitsgeschosse etwa aus Richtung des Gebäudes auf das Fahrzeug abgefeuert worden sind.

Nachdem Angehörigen Khaleds schließlich erlaubt wurde, das Fahrzeug mit seiner Leiche zu entfernen und ihnen ein Leichensack des Militärs gegeben worden war, sagte ein US-Offizier, als sie tränenüberströmt die Leiche betrachteten: "Regt euch nicht auf. Das ist es nicht wert." Andere Soldaten standen nur wenige Meter entfernt und scherzten miteinander.

Das Verhalten der US-Soldaten - obwohl ihnen zu diesem Zeitpunkt bereits klar gewesen sein muß, daß es sich um einen Mitarbeiter von Reuters handelte - läßt einmal mehr erahnen, wie sie sich verhalten, wenn es sich bei den Opfern "nur" um irakische Zivilisten handelt und keine Journalisten in der Nähe sind.





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