www.freace.de
Impressum und Datenschutz

Nachrichten, die man nicht überall findet.





Die andere Sicherheit

"Heimatschutz" statt Deichbau in New Orleans

01.09.2005  






Berichte des heutigen Tages machen zunehmend deutlich, daß die US-Stadt New Orleans infolge der Auswirkungen des Wirbelsturms "Katrina" vollständig zerstört worden ist und vermutlich zumindest mittelfristig unbewohnbar sein wird.

Dies wurde letztlich aber nur mittelbar durch den Wirbelsturm verursacht, da "Katrina" selbst die Stadt nur gestreift hat. Die jetzige Zerstörung der Stadt wurde durch Dammbrüche verursacht, die dazu führten, daß das Wasser des angrenzenden Salzwassersees Pontchartrain die unterhalb des Meeresspiegels liegende Stadt überfluten konnte.

Tatsächlich ist die Gefahr, daß es zu der nun eingetretenen Katastrophe kommen könnte, von den Verantwortlichen seit Jahren erkannt worden. Die Regierung von US-Präsident George W. Bush zog es allerdings vor, die "Heimatschutzbehörde" und den Irakkrieg mit den für den Küstenschutz im US-Bundesstaat Louisiana benötigten Geldern zu finanzieren, wie der Katastrophenschutzleiter Walter Maestri in einem Artikel vom 8. Juni 2004 von der New Orleans Times-Picayune zitiert wurde.

"Es scheint, daß das Geld im Budget des Präsidenten zum Heimatschutz und zum Irakkrieg verschoben wurde und ich nehme an, daß das der Preis ist, den wir zahlen müssen", sagte Maestri. "Niemand vor Ort ist glücklich, daß die Deiche nicht fertiggestellt werden können und wir tun alles, um klarzumachen, daß dies eine Frage der Sicherheit für uns ist."

Bush zog es also vor, zahlreiche Einschränkungen der Bürgerrechte im vorgeblichen "Land der Freien" im Rahmen der neugeschaffenen "Heimatschutzbehörde" zu finanzieren als die "Heimat" vor derart offensichtlichen Gefahren - Wissenschaftler hatten seit Jahren gewarnt, daß es zu der nun eingetretenen Katastrophe kommen könnte - zu schützen.

Damals wurden die langfristigen Kosten für notwendige Sicherungsmaßnahmen auf 745 Millionen US-Dollar geschätzt - ein Betrag, den der Krieg gegen den Irak in wenigen Tagen verschlingt.

Al Naomi, Projektleiter des "Army Corps of Engineers", machte damals klar, daß die Arbeit an den Deichen eine fortdauernde Aufgabe ist, daß die Deiche aufgrund des feuchte Untergrunds in der Gegend immer weiter absinken. "Es ist immer Teil unserer langfristigen Planungen gewesen, jeden Teil des Deichs vier oder fünf Mal anzuheben", sagte er. Die im vergangenen Jahr aufgrund dieser Absenkungen notwendige Anhebung der Deiche erfolgte aufgrund der Budgetkürzungen nicht.

"Ich kann nicht genau sagen, was das in dieser Wirbelsturmsaison bedeuten würde, wenn wir einen schweren Sturm bekommen sollten", sagte Naomi. "Aber ich kann Ihnen sagen, daß wir besser dastehen würden, wenn die Deiche erhöht würden."

Aber auch nach dem Beginn der Katastrophe hält sich das Mitgefühl Washingtons gegenüber den Menschen von New Orleans in engen Grenzen. Schon die Tatsache, daß die Bewohner der Stadt vor eintreffen des Wirbelsturms zwar aufgefordert wurden, die Stadt zu verlassen, diese dabei aber vollständig auf sich gestellt waren, was dazu führte, daß die Ärmsten der Stadt es eben nicht finanzieren konnten, zu flüchten, belegt ein grundlegendes Desinteresse der US-Regierung.

Und auch jetzt noch ist das Verhalten der US-Regierung gegenüber den betroffenen Menschen zum überwiegendsten Teil von einer militärische Grundhaltung geprägt, war es doch eine der ersten Maßnahmen, das Kriegsrecht zu verhängen und nicht, den Menschen wirksam zu helfen.

Dabei kann es kaum verwundern, daß es dem weißen Texaner und "wiedergeborenen Christen" Bush schwerfällt, den besonders schwer betroffenen Schwarzen in New Orleans zu helfen. So läßt auch die vorgeblich christliche Organisation "Repent America" ("Bereue Amerika") keinen Zweifel daran, daß es sich hier um eine Strafe Gottes für die Sündhaftigkeit der Stadt handelte.

Während die US-Regierung in den vergangenen Jahren nicht müde wurde, den "Schutz der Heimat" zu beschwören, zeigt die nun tatsächlich erfolgende Hilfe für die Betroffenen, die mit der Bezeichnung "mangelhaft" sicherlich noch mehr als geschönt wäre, eindrucksvoll, daß es der Bush-Regierung eben nie wirklich um das Wohlergehen der Menschen ging.

Die sich in den betroffenen Gebieten, insbesondere in New Orleans, aufgrund der katastrophalen Versorgungslage immer weiter ausbreitende Gesetzlosigkeit wirft zweifellos auch ein Schlaglicht auf die vorgeblichen Bemühungen der USA, "Recht und Gesetz" im von ihnen besetzten Irak durchzusetzen.





Zurück zur Startseite





Impressum und Datenschutz

contact: EMail