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Entlang der alten Linien

"Weiß" und "schwarz" in den USA

03.09.2005  






Die Unterschiede könnten kaum offensichtlicher sein. Lief nach der zerstörung des World Trade Centers in New York am 11. September 2001 in kürzester Zeit eine gigantische Hilfsmaschinerie an, versinkt die Stadt New Orleans weiterhin nicht nur im Wasser, sondern auch im Chaos.

Hier über mögliches "Vorwissen" hinsichtlich der Anschläge vom 11.9. zu spekulieren, ist überflüssig, da auch vor der Katastrophe in New Orleans seit Jahren von Wissenschaftlern gewarnt worden war. Tatsächlich sind sogar Gelder, die zur Sicherung der Deiche geplant gewesen waren, in den "Heimatschutz" und auch den Irakkrieg umgeleitet worden.

Während in New York mehr oder minder wohlhabende Menschen - die sich in den USA nach wie vor insbesondere aus dem "weißen" Teil der Bevölkerung rekrutieren - betroffen waren, trifft es in New Orleans insbesondere die Ärmsten der Stadt, die es sich nicht einmal leisten konnten, rechtzeitig zu flüchten - zum überwiegendsten Teil "Schwarze".

Wurde mit New York ein "Sinnbild der freien Welt" getroffen, so handelt es sich bei New Orleans nach Ansicht vieler doch nur um einen "Sündenpfuhl", dessen Zerstörung nach Ansicht einiger nur ein Zeichen "göttlicher Gerechtigkeit" ist.

Und trotz der Tatsache, daß die Regierung der "letzten verbliebenen Supermacht", des Landes mit den bei weitem höchsten Militärausgaben der Welt, tagelang fast untätig zusah, wie die Lage in den Resten der Stadt immer verzweifelter wurde, erheben sich kaum Stimmen der "Weißen" hiergegen. Wie schon im Falle des völkerrechtswidrigen Angriffskrieges auf den Irak sieht sich nicht einmal die "Opposition" der Demokraten in der Lage, die Untätigkeit der Regierung zu kritisieren.

Selbst - die "weiße" - Kathleen Blanco, immerhin die Gouverneurin des US-Bundesstaates Louisiana, in dem New Orleans liegt, wollte sich der Kritik nicht anschließen. Gegenüber dem Fernsehsender CBS sagte sie, sie wolle sich nicht an Schuldzuweisungen beteiligen.

Der - "schwarze" - Bürgermeister von New Orleans Ray Nagin andererseits war in einem Interview des lokalen Radiosenders WWL in seinen Vorwürfen an die US-Regierung so drastisch geworden, daß der Sender CNN es vorzog, eine Ausstrahlung mit "Piepsern" zu zensieren und auch eine Mitschrift zu "entschärfen".

Auch mehrere US-Kongreßabgeordnete - wiederum alle "schwarz" - griffen die US-Regierung scharf an, während die Mehrheit sich in Schweigen hüllt.

Der - "weiße" - Sprecher des US-Abgeordnetenhauses Dennis Hastert sprach sich hingegen bereits gegen einen Wiederaufbau der Stadt aus. Es sei "sinnlos", Milliarden US-Dollar in eine Stadt zu investieren, die unterhalb des Meeresspiegels liege.

Schon der Aufruf zur Räumung der Stadt vor dem Eintreffen "Katrinas" zeigte, daß die US-Regierung - zum damaligen Zeitpunkt aber offenbar auch die Führung der Stadt - nicht bereit waren, Geld für die Rettung der Ärmsten der Stadt auszugeben. So wurden die Menschen zwar aufgefordert, die Stadt zu verlassen, hierbei waren sie aber auf sich selbst gestellt. Wer kein Auto besaß und sich keinen Fahrschein und kein Flugticket kaufen konnte, mußte eben dort bleiben. Dabei hätte es ohne Zweifel Kapazitäten zum Abtransport der Menschen gegeben, wie ein Photo eines überfluteten Parkplatzes mit hunderten Schulbussen belegt.

Die unterschiedlichen Prioritäten in den USA verlaufen offenbar noch immer entlang der alten Linien. Sollte dies auch den Millionen der Betroffenen mehrheitlich aufgehen, so könnte dies zu dem führen, was seit langem im Irak "befürchtet" wird: einem Bürgerkrieg.



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