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Kapitalismus

Besitz vor Menschenleben

04.09.2005  






Ein am Sonntag vom Spiegel veröffentlichter Bericht aus der zerstörten US-Stadt New Orleans offenbart die unmenschlichen Grundzüge der vollständig auf Kapitalismus ausgerichteten US-Gesellschaft und die Folgen für die Schwächsten.

Darin schreibt Matthias Gebauer: "Nur ein einziger hell erleuchteter Supermarkt erinnert daran, daß hier vor wenigen Tagen tausende Menschen lebten. Irgendwo muß der Laden einen Notstromgenerator haben. Laut schrillt seit zwei Tagen in kurzen Intervallen die Alarmanlage. Die Türen sind mit Holz verrammelt. Durch eine Spalte sind die leeren Regale zu sehen. Auf dem Boden liegen aufgerissene Packungen herum, Lachen von Saft und Milch bedecken den Boden vor der Kühltheke. 'Ein Mob von 40 Menschen hat hier gewütet', sagt Valek. Erst mit Schüssen in die Luft konnten seine Kollegen die Plünderung beenden."

Den Kollegen des US-Polizisten Josh Valek ist es also gelungen zu verhindern, daß "Plünderer" sich in einer Stadt, in der Menschen seit Tagen hungern und kein Trinkwasser mehr erhältlich ist, in einem Supermarkt selbst mit Lebensmitteln versorgen ohne auf die Rückkehr der Angestellten zu warten, die sicherlich schon in wenigen Monaten erfolgen wird. Falls die Angestellten nicht zu den erfolgreich verbliebenen "Plünderern" gehörten und mittlerweile verhungert oder verdurstet sind. Den Polizisten erscheint der Schutz des Eigentums des Besitzers des Supermarktes - mit großer Wahrscheinlichkeit eine der großen US-Ketten - also bei Weitem wichtiger als der Schutz von Menschenleben, waren sie doch sogar bereit, ihre Waffen einzusetzen.

Hier wird nur zu deutlich, daß das Motto der US-Polizei "To Protect and To Serve" ("Zu Schützen und Zu Dienen") keineswegs für die ganze Bevölkerung der USA gilt. Da kann es dann auch nicht mehr verwundern, daß die "Army Times" in einem Artikel am Freitag im Hinblick auf New Orleans von einem zu bekämpfenden "Aufstand" - die gleiche Formulierung, die seitens des US-Militärs für den irakischen Widerstand gewählt wird - sprach.

Bemerkenswert ist aber sicherlich auch, daß auch weder Gebauer noch der Spiegel das Vorgehen der Polizei für kritikwürdig halten. Letztlich kann dies allerdings kaum verwundern, gibt sich doch der Spiegel wenig Mühe, seine Präferenz für eben jene Politiker zu verbergen, die auch Deutschland auf einen Weg zu einem gänzlich ungezügelten Kapitalismus bringen wollen, an dessen Ende New Orleans liegt.



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