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Verbotene Flucht

Mit Waffen an Flucht aus New Orleans gehindert

12.09.2005  






Bereits am vergangenen Freitag schilderten zwei Mitarbeiter des ärztlichen Rettungsdienstes in San Francisco im "Socialist Worker", wie sie zusammen mit hunderten weiteren Menschen mit Waffengewalt an der Flucht aus New Orleans gehindert wurden.

Zwei Tage nach dem Beginn der durch den Wirbelsturm "Katrina" verursachten Katastrophe entschieden sich Larry Bradshaw und Lorrie Beth Slonsky gemeinsam mit etwa 500 weiteren, in Hotels des "French Quarter" von New Orleans gestrandeten Menschen, ihre Flucht selbst zu organisieren. Sie sammelten insgesamt 25.000 US-Dollar und bestellten zehn Autobusse, die sie aus der Stadt bringen sollten. Nachdem sie 48 Stunden vergeblich auf die Ankunft der Busse gewartet hatten - später erfuhren sie, daß diese bei ihrer Ankunft an der Stadtgrenze sofort durch das US-Militär requiriert worden waren - und das Wasser und der Treibstoff in den Hotels zur Neige gegangen war, wurden sie von den Hotels ausgesperrt und unter Berufung auf "Beamte" aufgefordert, sich zum Kongreßzentrum zu begeben, um dort auf Busse zu warten.

"Als wir ins Stadtzentrum kamen, trafen wir schließlich auf die Nationalgarde. Die Mitglieder der Nationalgarde sagten uns, wir würden nicht in den Superdome hineingelassen, da die vorrangige Notunterkunft der Stadt sich in ein menschliches und gesundheitliches Höllenloch verwandelt hatte. Sie sagten uns weiter, daß die einzige andere Notunterkunft der Stadt - das Kongreßzentrum - ebenfalls auf dem Weg in Chaos und Elend war und daß die Polizei niemanden hereinließ.

Natürlich fragten wir, 'Wenn wir nicht zu den einzigen beiden Notunterkünften der Stadt gehen können, was ist unsere Alternative?' Die Wachen sagten uns, daß das unser Problem war - und nein, sie hatten kein Wasser, um es uns zu geben. Dies war der Beginn unserer zahlreichen Begegnungen mit kaltschnäuzigen und feindseligen 'Gesetzeshütern'."


Die mehreren hundert Menschen gingen daraufhin weiter zur Polizeizentrale in der Canal Street, wo ihnen die gleichen Informationen gegeben wurden - und wiederum kein Wasser. Die Gruppe beriet sich daraufhin und entschied, vor der Polizeizentrale zu bleiben, gut sichtbar für die Medien.

Kurz darauf kam der Polizeikommandant und sagte den Menschen, er habe eine Lösung. Sie müßten zur Pontchartrain-Autobahn und über die New Orleans-Brücke zur Südseite des Mississippi gehen, wo die Polizei Busse hätte, um sie aus der Stadt zu bringen. Aufgrund ihrer vorangegangenen Erfahrungen zeigten sie sich allerdings skeptisch, woraufhin er den Menschen sagte: "Ich schwöre Ihnen, daß die Busse dort sind."

Auf ihrem Weg kam die Menge am Kongreßzentrum vorbei. Als die Menschen dort die "guten Nachrichten" hörten, schlossen sich zahllose Menschen - Babies in Kinderwagen, alte Menschen mit Gehhilfen, Menschen in Rollstühlen - der Gruppe an.

"Als wir uns der Brücke näherten, bildeten bewaffnete Sheriffs eine Linie am Fuße der Brücke. Bevor wir nah genug waren um zu sprechen, begannen sie, ihre Waffen über unsere Köpfe hinweg abzufeuern. Das brachte die Menge dazu, in mehrere Richtungen zu flüchten.

Als die Menge sich verteilte und auflöste bewegten sich einige von uns langsam vorwärts und schafften es, mit ein paar der Sheriffs ins Gespräch zu kommen. Wir erzählten ihnen von unserem Gespräch mit dem Polizeikommandanten und seinen Versicherungen. Die Sheriffs informierten uns, daß keine Busse warteten. Der Kommandant hatte uns angelogen, um uns in Bewegung zu bringen.

Wir fragten, warum wir die Brücke nicht trotzdem überqueren konnten, insbesondere, da es auf der sechsspurigen Straße wenig Verkehr gab. Sie antworteten, daß das Westufer nicht zu New Orleans werden würde und es würde keine Superdomes in ihrer Stadt geben. Dies waren Codeworte für: wenn Du arm und schwarz bist, wirst Du nicht den Mississippi überqueren und Du wirst New Orleans nicht verlassen."


Daraufhin entschloß sich ein Teil der verbliebenen Menschen, ein Lager direkt auf der Autobahn aufzubauen. Nachdem es ihnen gelungen war, Nahrung und Wasser zu "organisieren", entwickelte sich unter den Menschen eine große Hilfsbereitschaft.

"Wenn die Hilfsorganisationen die Stadt in den ersten zwei oder drei Tagen mit Nahrung und Wasser gesättigt hätten, hätten sich die Verzweiflung, die Frustration und die Häßlichkeit nicht breitgemacht."

Wiederum schlossen sich zunehmend vorbeikommende Menschen der Gruppe an und sie wuchs erneut auf 80 bis 90 Menschen. Und wiederum befanden sie sich auf der Straße an einem äußerst exponierten Punkt, so daß die Medien ausführlich über sie berichteten.

Dies führte offenbar dazu, daß schließlich ein Sheriff heranfuhr, aus seinem Auto sprang, ihnen eine Waffe ins Gesicht hielt und schrie "Verschwindet von der verdammten Autobahn." Ein Hubschrauber kam und wehte mit seinem Rotor die von den Menschen mühsam zum Schutz aufgebauten Strukturen hinweg. Als sie sich zurückzogen, lud der Sheriff die Lebensmittel und das Wasser der Menschen in sein Auto.

"Erneut wurden wir mit vorgehaltener Waffe von der Autobahn vertrieben. Alle Strafvollzugsbehörden schienen bedroht, wenn wir uns zu Gruppen von 20 oder mehr versammelten. In jeder Ansammlung von 'Opfern' sahen sie 'Bande' oder 'Aufstand'. Wir fühlten uns in größerer Zahl sicher. Unsere 'wir müssen zusammenbleiben'-Einstellung war unmöglich, weil die Behörden uns in kleine versprengte Gruppe zwangen."

Nachdem ihre nur noch aus acht Menschen bestehende Gruppe die Nacht in einem verlassenen Schulbus verbrachte, wo sie sich "ebenso vor Kriminellen als auch definitiv vor der Polizei und den Sheriffs mit ihrem Kriegsrecht, ihrer Ausgangssperre und ihren 'schießen um zu töten'-Befehlen" versteckten.

Am nächsten Tag wurden sie schließlich mit einem Hubschrauber aus der Stadt gebracht, nachdem sie Kontakt mit der Feuerwehr der Stadt aufgenommen hatten.

Am Sonntag nun veröffentlichte der britische Independent einen Artikel, demzufolge der Polizeichef des angrenzenden, vornehmlich von "Weißen" bewohnten Ortes Gretna, Arthur Lawson, UPI gegenüber bestätigt hat, daß seine Polizisten eine Brücke über den Mississippi abgeriegelt hatten und Flüchtlinge aus New Orleans daran gehindert haben, die Stadt zu verlassen. Er begründete dies damit, daß es in Gretna keine Möglichkeit gegeben habe, sich um die Flüchtlinge zu kümmern. "Wenn wir die Brücke geöffnet hätten, würde unsere Stadt aussehen, wie New Orleans jetzt - geplündert, niedergebrannt und gebranntschatzt", so Lawson.





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