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Söldner im Irak

Andere Gewinner aber immer die gleichen Verlierer

18.09.2005  






Die Tatsache, daß zahllose unschuldige irakische Menschen der Nervosität und Rücksichtslosigkeit der Besatzungstruppen - sicherlich nicht zuletzt aufgrund ihrer vollständigen Immunität gegenüber den "irakischen Behörden" - zum Opfer gefallen sind, wurde hier schon mehrfach behandelt. Ein am Sonntag im Boston Globe veröffentlichter Artikel zeigt nun, daß ihnen die im Irak eingesetzten Söldner hierbei in nichts nachstehen.

Am 14. Juli bogen Ali Ismael, sein älterer Bruder Bayez und ihr Fahrer in der nordirakischen Stadt Erbil in eine Straße ein. Direkt vor ihnen fuhr ein Konvoi von vier Geländewagen vom Typ Chevrolet Suburban, nach Ansicht der "irakischen Polizei" Fahrzeuge eines in der nähe stationierten US-"Sicherheitsunternehmens". Dann wurde die Heckklappe aufgestoßen und ein Mann mit Sonnenbrille und Splitterschutzweste lehnte sich heraus und hob sein Gewehr.

"Ich dachte, er würde nur versuchen, uns Angst zu machen, wie sie es üblicherweise tun, um uns auf Abstand zu halten. Aber dann schoß er", berichtete der 20 Jahre alte Ismael. Glücklicherweise streifte ihn die Kugel nur am Kopf, so daß er blutüberströmt und besinnungslos auf dem Rücksitz des Fahrzeugs zusammensackte.

Wie fast immer in derartigen Fällen ergab eine "Untersuchung" des Vorfalls durch die US-Besatzer, daß keine aus den USA stammenden Söldner verantwortlich waren, was von den Brüdern, Augenzeugen, Lokalpolitikern und dem ranghöchsten Sicherheitsbeamten der Stadt, der von einer Vertuschungsaktion sprach, bestritten wird.

Auch US-Brigadegeneral Karl Horst, stellvertretender Kommandeur der 3. US-Infanteriedivision, kritisierte das Verhalten der Söldner im Irak - und ignorierte dabei offenbar erfolgreich, daß sich "seine" Soldaten kaum anders verhalten.

"Diese Typen laufen unkontrolliert im Land herum und machen Blödsinn. Es gibt keine Autorität über ihnen, also kann man sie auch nicht schwer bestrafen, wenn sie die Gewalt eskalieren", sagte er. "Sie schießen auf Leute und jemand anders muß mit den Folgen fertigwerden." Hier zeigte sich der wahre Grund für seine Kritik. Nachdem am 12. Mai in Baghdad ein Söldner das Feuer auf ein sich näherndes Fahrzeug eröffnet hatte und dieses daraufhin in eine Menschenmenge fuhr, wurden zwei Tage später dort patrouillierende US-Soldaten mit einer Bombe angegriffen, was Horst direkt auf den vorangegangenen Vorfall zurückführt. "Da zahlt es uns jemand heim, weil ihre Leute getötet wurden. Und wir hatten überhaupt nichts damit zu tun", sagte er. Einer von ihm angefertigten Aufstellung zufolge wurden zwischen Mai und Juli dieses Jahres in Baghdad mindestens 6 irakische Zivilisten von Söldnern erschossen und 3 weitere verletzt.

Johann R. Jones, Direktor der "Private Security Company Association" (PSCA, "Vereinigung der privaten Sicherheitsunternehmen"), die die "Sicherheitsunternehmen" (PSC) im Irak vertritt, wies Horsts Vorwürfe in einer E-Mail zurück.

"Während das Verhalten einiger weniger PSCs nicht hilfreich ist, dürfen wir nicht vergessen, daß es in allen Organisationen, einschließlich der MNF-I [Multinationalen Streitkräfte im Irak] 'faule Äpfel' gibt", schrieb er.

Während die Söldner im Irak je nach Gefahrenlage ihrer Aufgaben pro Tag mehrere tausend US-Dollar verdienen können, brauchen sie wie auch die Besatzungssoldaten keine Strafverfolgung zu fürchten. Schlimmstenfalls können sie ihre Lizenz und damit ihre Arbeit verlieren. Daher kann es auch kaum verwundern, daß ein Beamter der US-Botschaft erklärte, daß von den 122 Fällen seit Juli 2004, in denen "Auftragsnehmer" zum "Schutz" von Botschaftsangehörigen das Feuer eröffneten nur 3 zu Disziplinarmaßnahmen führten.

Während die Söldner sich aufgrund ihres außergewöhnlichen Einkommens zweifellos auf der Seite der Gewinner befinden, bleiben die Menschen des Iraks auch hier wieder auf der der Verlierer.





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