www.freace.de
Impressum und Datenschutz

Nachrichten, die man nicht überall findet.





Folter in Guantánamo

Buch eines ehemaligen US-Militärgeistlichen

04.10.2005  






Am Sonntag berichtete die New York Times über ein am Montag in den USA erschienenes Buch eines Geistlichen des US-Militärs, der im US-Gefangenenlager Gutantánamo Bay auf Kuba die muslimischen Gefangenen betreut hatte.

Das Buch "For God and Country: Faith and Patriotism Under Fire" ("Für Gott und Land: Glaube und Patriotismus unter Feuer") des ehemaligen US-Hauptmanns James J. Yee behandelt aus seiner ganz persönlichen Sicht einmal mehr das Klima, das innerhalb des US-Militärs zu zahllosen Mißhandlungen von Gefangenen führte und zweifellos weiterhin führt.

So beschreibt er in dem Buch, daß der kommandierende Offizier des Gefangenenlagers, Generalmajor Geoffrey D. Miller, den Wachen bei Besuchen des Lagers sagte: "Der Krieg geht weiter." Yees Aussage zufolge diente dies dazu, den Soldaten mitzuteilen, daß sie sich in einem Kriegsgebiet befänden, in dem mit Regeln zur Behandlung von Gefangenen "entspannter" umgegangen und über Mißhandlungen hinweggesehen werde.

In einem Interview sagte Yee, Miller habe ihm gesagt, er sei noch immer sehr wütend, weil er durch den Anschlag auf das Pentagon am 11. September 2001 Freunde innerhalb des Militärs verloren habe. Miller, der nun im Pentagon beschäftigt ist, verweigerte durch einen Sprecher, einen Kommentar zu dem Buch abzugeben.

Die Wachen seien von Miller ständig auf die Anschläge vom 11. September erinnert worden, woraufhin sie "auf jede ihnen mögliche Art zurückschlugen", so Yee. "In einigen Fällen bedeute Bestrafung oft körperliche Gewalt."

So beschreibt er in dem Buch beispielsweise eine von dem Namen der Einheit, "Immediate Reaction Force" (IRF, "Schnelle Einsatztruppe"), abgeleitete, "irfing" genannte Technik. Die Einheit wendete dabei körperliche Gewalt an, um einen Gefangenen zu "überwältigen" und ihn aus seiner Zelle zu entfernen. Als "Anlaß" hierfür genügte es Yee zufolge schon, wenn der Gefangene zusätzliche Plastikbecher in seiner Zelle hatte. Die Technik war zwar nach Yees Worten manchmal notwendig, um "widerspenstige" Gefangene unter Kontrolle zu bringen, "sie taten es aber so häufig, so regelmäßig in Guantánamo, daß ich zu der Überzeugung kam, daß es nur dazu diente, die Gefangenen zu ärgern."

Yee selbst sei zwar "selten" Augenzeuge körperlicher Mißhandlungen geworden, die mittlerweile bekanntgeworden sind, er habe aber häufig davon "gehört", daß Gefangene bei Verhören geschlagen und erniedrigt wurden. Sowohl Gefangene selbst als auch Arabisch sprechende Übersetzer, die bei den Verhören anwesend waren, berichteten ihm hiervon und dies Monate bevor derartige Verbrechen an die Öffentlichkeit gelangt waren.

Sicherlich fiele es leicht, Yees Buch als einen Racheakt abzutun, angesichts seiner eher als zurückhaltend zu bezeichnenden Vorwürfe und im Hinblick auf die zahlreichen bekanntgewordenen Fälle der Folterung von Gefangenen scheint dies aber kaum zutreffend. Im Jahr 2003 war gegen ihn - nicht zuletzt auch auf Betreiben von Miller hin - der Vorwurf der Spionage erhoben worden, woraufhin er selbst inhaftiert und eine Untersuchung gegen ihn eingeleitet wurde. Nach 76 Tagen Untersuchungshaft wurde Yee im November 2003 wieder auf freien Fuß gesetzt und der Vorwurf der Spionage fallengelassen worden. Damals wurden ihm dann Ehebruch und der Besitz von Pornographie auf seinem Dienst-Laptop vorgeworfen, auch von diesen Vorwürfen wurde er aber schließlich im April 2004 freigesprochen.





Zurück zur Startseite





Impressum und Datenschutz

contact: EMail