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"Töten! Töten! Töten!"

Erinnerungen eines ehemaligen US-Soldaten

07.10.2005  






Am Donnerstag berichtete Middle East Online über das am gleichen Tag in Frankreich erschienene Buch "Kill! Kill! Kill!" ("Töten! Töten! Töten") des früheren US-Oberfeldwebels Jimmy Massey.

In seinem Buch wirft er der US-Militärführung vor, daß die Ausbildung der Soldaten letztlich zu ihrer Rücksichtslosigkeit im Irak und damit den unzähligen getöteten und verletzten Zivilisten und somit letztlich auch zu dem massiven Widerstand gegen die Besatzung geführt hat.

"Insgesamt müssen wir auf die Regierung blicken, wenn es um die Verantwortung für die Greueltaten und die Morde an den Kontrollpunkten geht", so Massey, der "den Grad der Brutalität, der den Marines eingeflößt wurde," kritisierte. Seiner Aussage nach führte die Art der Einsatzbesprechungen dazu, daß die Soldaten "jeden als potentiellen Terroristen" betrachteten. "Sie säten Angst und Panik in meine Marines."

Schon im April des vergangenen Jahres hatte er in einem Interview gegenüber der französischen Journalistin Natasha Saulnier, die nun auch an der Verfassung des Buches beteiligt war, detailliert von seinen Erfahrungen im Irak berichtet und gesagt, daß er sich seiner eigenen Taten und der seiner Einheit "schämt".

"In eineinhalb Monaten haben meine Einheit und ich über 30 irakische Zivilisten getötet", sagte er. "Unsere Mission bestand vorrangig darin, Dörfer abzuriegeln und durch Kontrollposten zu kontrollieren. Wenn ein Fahrzeug auf unsere Warnschüsse hin nicht anhielt pumpten wir sie ohne zu zögern voll Blei."

Damals erinnerte er sich an den Anfang des Monats April 2003, auf einer Straße am Rande Baghdads, kurz nach der Invasion des Iraks:

"Es war heiß an jenem Tag und Baghdad war noch nicht vollständig gefallen. Ein kleiner roter Spectra fuhr mit 70 Stundenkilometern auf unseren Kontrollpunkt zu. Meine Leute gaben Warnschüsse ab, aber er kam weiter näher. Ein Kugelhagel fiel darauf nieder. Das Auto war sofort gestoppt, drei der Insassen waren sofort tot, der vierte war verwundet und mit Blut bedeckt. Als er seinen Bruder, den Fahrer, sah, brach er zusammen und schrie: 'Warum habt ihr meinen Bruder umgebracht? Was haben wir euch getan?'"

Nach einer Pause erzählte Massey mit gedrückter Stimme weiter:

"Wir riefen die Sanitäter. Sie kamen 20 Minuten später und ließen die Leichen am Straßenrand liegen. Nach der Schießerei kam eine Gruppe von Journalisten auf uns zu. Man hatte uns eingeschärft, sie so schnell wie möglich loszuwerden. Kurze Zeit später passierte das gleiche mit zwei weiteren Fahrzeugen. Wir haben an dem Tag drei weitere Zivilisten getötet. Es war ein schlimmer Tag."

Ein anderes Mal feuerten er und seine Einheit auf eine Gruppe von 10 demonstrierenden Irakern, nachdem sie einen Schuß gehört hatten. Die meisten der Männer wurden getötet, die Soldaten fanden aber nicht eine einzige Waffe bei ihnen.

Am 18. April 2003 reichte Massey seinen Abschied ein, da er nicht weiter an derartigen Taten beteiligt sein wollte. Nachdem bei ihm ein posttraumatisches Streßsyndrom diagnostiziert worden war, erhielt er das Angebot, nur noch Bürotätigkeiten auszuführen und so das Anrecht auf seine Pension, die er in sieben Jahren erreicht hätte, zu behalten, lehnte dies aber ab. "Ich will dieses Geld nicht", sagte er.

Masseys Buch erschien zuerst in französischer Sprache in Frankreich, weil sich in den USA seiner Aussage zufolge kein Verleger fand, der bereit war, das Buch zu veröffentlichen.





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