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Und wieder 45 Minuten

Kriegspropaganda gegen Iran

17.10.2005  






Am Sonntag veröffentlichte der britische Telegraph einen Artikel, der fatal an die Kriegslüge des britischen Premierministers Tony Blair erinnerte, der Irak könne Großbritannien innerhalb von "45 Minuten" mit Raketen, die außerdem mit Massenvernichtungswaffen bestückt werden könnten, angreifen.

Unter dem Titel "Russen helfen Iran bei Raketenbedrohung Europas" berichtete die Zeitung unter Berufung auf nicht näher genannte "westliche Geheimdienstmitarbeiter", Rußland würde derzeit als Vermittler für Technik zum Bau von Langstreckenraketen zwischen Nordkorea und dem Iran auftreten. Dies gehe auf ein bereits im Jahr 2003 zwischen Teheran und Pyongyang getroffenes Abkommen zurück. Im Rahmen des Abkommens erhalte Iran regelmäßig geheime Lieferungen "streng geheimer Raketentechnik", wobei angenommen werde, daß diese Lieferungen über Rußland erfolgen.

Außerdem würde Rußland dem Iran Produktionsanlagen, Diagramme und Bedienungsanleitungen zur Verfügung stellen, damit die Raketen im Iran gebaut werden könnten. Auch sei Flüssigtreibstoff geliefert worden und russische Experten seien in den Iran entsandt worden, um bei der Entwicklung der Rakete zu helfen.

Nach Aussage der "Geheimdienstmitarbeiter" werde vermutet, daß die Raketen nach der Beendigung ihrer Entwicklung eine Reichweite von 2.175 Meilen (3.500 Kilometer) haben würden und eine Nutzlast von etwa 1,2 Tonnen transportieren könnten. Genug also, um beispielsweise Berlin vom Iran aus mit einen Atomsprengkopf angreifen zu können, wie ein Schaubild des Telegraph verdeutlicht. Ein "hochrangiger amerikanischer Beamter" wurde außerdem mit den Worten zitiert, das "iranische Programm" sei "hochentwickelt" und werde "größer und genauer. Sie haben sehr wohl die für den Transport einer Atomwaffe notwendige Nutzlast im Hinterkopf gehabt."

"Ich glaube, Putin weiß, was die Iraner machen", so der "hochrangige amerikanische Beamte" weiter.

Die Zahl der "Fliegen", die mit diesem einen Artikel "erschlagen" werden, ist geradezu faszinierend. Nicht nur, daß erneut die Behauptung wiederholt wird, der Iran arbeite an der Entwicklung von Atomwaffen, nun soll er außerdem an der Entwicklung von Raketen arbeiten, um diese gegen Europa einsetzen zu können - warum auch immer der Iran dies vorhaben sollte. Verantwortlich dafür, daß der Iran in den Besitz der notwendigen Technologie gelangt, ist darüberhinaus nicht nur der "Schurkenstaat" Nordkorea, sondern auch Rußland.

Nur einen Tag vor Erscheinen des Artikels im Telegraph hatte Rußland der US-Außenministerin Condoleezza Rice mitgeteilt, daß es die Bestrebungen der USA, den "Fall Iran" vor den Sicherheitsrat der Vereinten Nationen zu bringen, nicht unterstützen werde. Der Iran "hat das Recht" gemäß den Regelungen des Atomwaffensperrvertrages Uran selbst anzureichern, sagte der russische Außenminister Sergey Lavrov bei einer gemeinsamen Pressekonferenz mit Rice.

Es fällt sicherlich schwer, diese zeitliche Nähe als einen reinen Zufall zu betrachten.

Außerdem wurde hier der damals von Blair begangene Fehler vermieden, die Anschuldigungen öffentlich auszusprechen, so daß er später der Lüge überführt werden konnte.

Die Frage, warum Rußland sich durch diese vorgebliche Unterstützung selbst in den möglichen "Gefahrenbereich" bringen sollte, beantwortete der Artikel nicht, ebensowenig wie die Frage, warum der Iran angesichts der massiven Hilfen und Lieferungen von Teilen hoffe, die Rakete erst "bis zum Ende des Jahrzehnts" einsatzbereit zu bekommen.

Der UN-Botschafter der USA John Bolton sagte gegenüber der britischen BBC, der Iran sei "entschlossen, mit ballistischen Raketen einsetzbare Atomwaffen zu bekommen, die er dann benutzen könnte, um nicht nur seine Region einzuschüchtern, sondern sie möglicherweise an Terroristen weiterzugeben."

Häppchenweise sind Blairs "45 Minuten" also wieder da. Angeblich könnte Europa - wenn auch nicht sofort, aber doch, wenn "wir nichts tun" - mit iranischen Atomwaffen angegriffen werden. Der einzige Unterschied ist, daß sich dieses Mal kein Spitzenpolitiker wird entschuldigen müssen, nachdem auch diese Beschuldigungen sich als Lügen erwiesen haben.



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