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Existenzvernichtung

Sieg für Islamgegner?

21.10.2005  






Am Montag strahlte die ARD in der SWR-Sendung "Report Mainz" einen Beitrag aus, der sich ein weiteres Mal massiv gegen einen bekannten muslimischen Deutschen richtete.

Unter dem Titel "Mordaufruf im Internet - Wie ein Islamismuskritiker bedroht wird" wurde in dem Beitrag Doktor Yavuz Özoguz, dem Betreiber des Internetportals Muslim-Markt, vorgeworfen, er habe in dem zu der Website gehörenden Forum zum Mord an dem "Islamwissenschaftler" Doktor Hans-Peter Raddatz aufgerufen.

In einem kurz nach der Veröffentlichung aufgrund von "Warnungen" anderer Forenteilnehmer, der Beitrag würde gegen Özoguz verwandt, wieder gelöschten Beitrags hatte er an Raddatz gewandt geschrieben:

"Wir machen Ihnen einen einfachen Vorschlag, wie Sie für sich selbst Ihre eigene Glaubwürdigkeit prüfen können: Lassen Sie uns doch gemeinsam folgendes Gebet beten: 'Wenn der Islam so ist, wie Herr Raddatz es immer wieder vorstellt, dann möge der allmächtige Schöpfer alle Anhänger jener Religion vernichten! Und wenn Herr Raddatz ein Haßprediger und Lügner ist, dann möge der allmächtige Schöpfer ihn für seine Verbrechen bestrafen.'"

Die gleiche Logik, die Özoguz hier einen Mordaufruf unterstellt, könnte ihm sicherlich ebensogut einen Aufruf zur Ermordung aller Muslime unterstellen. Tatsächlich wandte er hier das islamische Prinzip des Mubahala an. Dabei sprechen zwei Parteien grundlegend unterschiedlicher Auffassung gemeinsam in einem Gebet einen von Gott gegen die sich im Unrecht befindende Seite einzulösenden Fluch aus. Grundgedanke hierbei ist, daß jene Seite, die weiß, daß sie sich im Unrecht befindet, vor dem Ausspruch des Fluchs angesichts der zu erwartenden Folgen zurückschreckt.

Diese Aufforderung deutete Raddatz Report Mainz zufolge seinerseits als Aufruf zum Mord an seiner Person und auch seiner Familie, was dann im Aufmacher des Fernsehbeitrags zu einem Verweis auf den im vergangenen Jahr in Amsterdam ermordeten Theo van Gogh führte. Dabei wurde van Gogh als "islamkritischer Filmemacher" bezeichnet. Angesichts der massiven Provokation gläubiger Muslime durch seinen Film "Submission" ("Unterwerfung") - auch wenn dies niemals ein solches Verbrechen rechtfertigen kann - nur von "Islamkritik" zu sprechen kann kaum als unparteiische Berichterstattung bezeichnet werden.

Ebenso scheint es mehr als fragwürdig, einen Mann, der den Islam als "unproduktives Raubsystem", in dem die Frau "auf Haus und Penis verpflichtet" sei, bezeichnete, als bloßen "Islamwissenschaftler" vorzustellen. Die Frage, warum Raddatz nicht nur den Weg einer Anzeige wählte, sondern offenbar außerdem Kontakt mit den Medien aufnahm, die daraufhin die genannten und zahlreiche weitere, kaum objektiv zu nennende, "Berichte" veröffentlichten, statt den ihm gebotenen Weg eines gemeinsamen Gebetes anzunehmen, nicht mit einem Zurückschrecken vor den möglichen Folgen zu erklären, fällt sicherlich schwer.

Tatsächlich gelang es "Report Mainz", zwei weitere "Islamwissenschaftler" zu finden, die sich aus welchem Grund auch immer auf die Seite Raddatz' stellten.

"Dieser Aufruf gegen Herrn Raddatz ist ganz eindeutig eine Morddrohung, die verpackt ist in die Form eines Gebetes, angeblichen Gebetes, aber in Wirklichkeit steht dahinter eine Verfluchung", sagte Professorin Ursula Spuler-Stegmann von der Universität Marburg.

Professor Tilman Nagel von der Universität Göttingen wiederum sagte: "Sicher ist das eine Konsequenz wohl islamistischen Denkens. Der Islamismus will ja letzten Endes alle anderen Ansichten vertilgen."

Eine derart offen ablehnende Haltung von "Islamwissenschaftlern" gegenüber ihrem Forschungsgebiet ist sicherlich bemerkenswert und wirft die Frage auf, inwieweit hier noch eine vorurteilsfreie Lehrtätigkeit möglich ist.

In einer Meldung zu der Sendung vergaß der SWR auch nicht, auf den Arbeitgeber Özoguz', die Universität Bremen, hinzuweisen. "Wenn ich zum Ergebnis komme, dass Herr Özoguz hier aufgerufen hat, versteckt oder nicht versteckt, zum Mord oder zur Tötung, dann würde es arbeitsrechtliche Konsequenzen geben", wurde der Rektor der Universität, Professor Wilfried Müller, zitiert.

Da dies keineswegs das erste Mal war, daß Özoguz' Arbeitgeber unfreiwillig mit an die Privatperson seines Angestellten gerichteten Vorwürfen konfrontiert wurde, entschied sich dieser schließlich, am Donnerstag seinerseits die Kündigung einzureichen, um "weiteren Schaden von der Universität und dem Institut" abzuwenden.

Ebenfalls am Donnerstag berichtete Radio Bremen, daß das Bundeskriminalamt in einem Gutachten festgestellt hat, daß Özoguz keineswegs zum Mord an Raddatz aufgerufen hat. Der Wiesbadener Staatsanwalt Hans-Peter Ferse, der das BKA-Gutachten in Auftrag gegeben hatte, zeigte sich von dem Ergebnis überzeugt, sei das BKA, insbesondere seit dem 11. September 2001, doch nicht für lasche Interpretationen bekannt.

Auch wenn die Kündigung letztlich durch Özoguz selbst erfolgte, so ist sie doch eine direkte Folge der immer wieder gegen ihn erhobenen Vorwürfe, er habe den Boden der Rechtsstaatlichkeit verlassen - wobei er selbst immer wieder betont, daß es zu den Pflichten eines gläubigen Muslim gehört, sich an die bestehende Rechtsordnung zu halten.

Bemerkenswert ist hier einmal mehr nicht die Reaktion eines "Islamkritikers", der sich offenbar gezwungen sah, auf Özoguz' Herausforderung wie geschehen zu reagieren, sondern vielmehr die unübersehbare Einseitigkeit der Medienberichte zu dem Fall. Mindestens ebenso bemerkenswert ist es aber sicherlich, wenn die "Islamismus-Berichterstatterin der CDU/CSU im Innenausschuß des Deutschen Bundestages", Kristina Köhler, sich mit dem "bedrohten" Raddatz "solidarisiert". Schon bei objektiver Betrachtung fällt es sicherlich schwer, hier nicht von einem gezielten Vorgehen gegen den Islam zu sprechen, so daß zumindest vorstellbar ist, wie betroffene Muslime empfinden dürften.

Letztlich scheint es allerdings fraglich, ob der Existenzverlust Özoguz' und seiner Familie - er ist verheiratet und Vater von drei Kindern - für seine Gegner tatsächlich zu einem Sieg taugt, dürfte er doch nun zumindest teilweise einen Märtyrerstatus erworben haben.





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