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Rettung von Arbeitsplätzen?

Ausblick in eine unbegrenzt kapitalistische Zukunft

03.11.2005  






Auch in Deutschland werden mit dem Hinweis auf "schwierige Finanzlagen" von Unternehmen "Nullrunden", Lohnverzicht oder auch längere Arbeitszeiten gefordert und auch immer öfter auch seitens der abhängig Beschäftigten und der Gewerkschaften gewährt. Ein Blick in die USA läßt erahnen, wohin derartige "Abkommen zum Erhalt von Arbeitsplätzen" in Zukunft auch hierzulande führen werden.

Am 8. Oktober hatte die Delphi Corporation, der größte Zulieferer von Autoteilen in den USA, der nach eigener Darstellung etwa 185.000 Angestellte beschäftigt, bei den US-Behörden Konkurs angemeldet.

Am 21. Oktober dann wurde der "United Auto Workers Union" (UAW, Gewerkschaft der Automobilbauindustrie) ein 36-seitiger Brief vorgelegt, der zahlreiche "Kürzungen" enthält, um so den Fortbestand des Unternehmens - und eben den "Erhalt der Arbeitsplätze" - zu sichern, wie Bloomberg berichtete.

Langjährige Angestellte in der Autoteilesparte des Unternehmens verdienen bisher 27,50 US-Dollar pro Stunde. Der "Vorschlag" sieht vor, "wenig produktiven" Angestellten 9,50 Euro pro Stunde zu zahlen, "hochproduktiven" einen US-Dollar mehr, also weniger als 40 Prozent ihres bisherigen Stundenlohns. Damit aber nicht genug. Bei ihrer wie in den USA üblich von dem Unternehmen getragenen Krankenversicherung wären in Zukunft ein Selbstbehalt von 900 US-Dollar (bei Familien 1.800 US-Dollar) und bei Vertragsärzten ein auf 2.500 US-Dollar (5.000 bei Familien) begrenzter Eigenanteil von 25 Prozent von den Angestellten des Unternehmens zu finanzieren. Bei anderen Ärzten betrüge der Eigenanteil 45 Prozent und wäre nicht gedeckelt. Augen- und zahnärztliche Behandlungen wären vollständig ausgeschlossen, wie auch die ärztliche Versorgung pensionierter Angestellter des Unternehmens.

"Ich würde alles verlieren, das ich habe", sagte Don Warnock, einer der auf Stundenbasis beschäftigten Arbeiter. "Ich habe vor sechseinhalb Jahren, als ich anfing, mehr Geld verdient als das. Ich würde mein Haus verlieren und ich habe zwei Fahrzeuge. Ich würde sie beide verlieren."

Auch die Betriebsrente soll diesen Kürzungen zum Opfer fallen. Dem "Vorschlag" zufolge soll die Anzahl an Jahren, die Angestellten Anspruch auf eine Betriebsrente des Unternehmens gewähren, auf den jetzigen Stand eingefroren werden, so daß eine weitere Betriebszugehörigkeit keine höhere Rente mehr bewirkt. Sollte die UAW anderen Punkten des "Vorschlags" nicht zustimmen, so wird bereits damit gedroht, die Betriebsrente vollständig aufzugeben.

Am 17. Oktober veröffentlichte Delphi eine Presseerklärung, in der der Vorstandsvorsitzende Steve Miller erklärte, er werde ein Gehalt vom 1. Januar 2006 an auf einen US-Dollar jährlich reduzieren, bis das Unternehmen "erfolgreich aus seiner Reorganisation hervorgeht". Es ist kaum anzunehmen, daß nach dieser "Reorganisation" auch die Angestellten der Firma wieder ihre bisherigen Bezüge erhalten werden, sollten die "Vorschläge" tatsächlich durchgesetzt werden.

In den Ohren der Angestellten noch weitaus dreister klingt es aber zweifellos, daß sich auch die Vorstandsmitglieder bereit erklärt haben, ganze 10 Prozent ihrer Grundbezüge aufzugeben.

In einer Erklärung schrieben der Präsident der UAW, Ron Gettelfinger und sein Stellvertreter Richard Shoemaker am 21. Oktober: "Zusammengefaßt spiegelt der Vorschlag die Vision eines Amerikas wieder, in dem eine Elite einiger weniger in Luxus lebt, während der Rest sich abmüht, um über die Runden zu kommen."



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