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Mörder

Fernsehbericht über Fallujah

08.11.2005  






Am Dienstag strahlte der italienische Sender RAINews24 einen bemerkenswerten, halbstündigen Beitrag aus, der von dem Sender auch im Internet - und auch in einer englischsprachigen und sogar einer arabischen Version - bereitgestellt wird. Bemerkenswert, weil er die massiven Kriegsverbrechen der USA im Irak belegt und weil zwei ehemalige US-Soldaten diese vor laufender Kamera bestätigten.

Zwar gab es schon vor einem Jahr Berichte, daß das US-Militär bei seiner alles zerstörenden Offensive gegen die irakische Stadt Fallujah - die "Stadt der Moscheen" - im November des vergangenen Jahres weißen Phosphor eingesetzt hatte und Berichte über den Einsatz von Napalm liegen sogar noch länger zurück, es ist allerdings das erste Mal, daß dies von einem großen Fernsehsender mit überdeutlichen, kaum zu ertragenden Bildern belegt wird. Nach offizieller Lesart des US-Militärs handelte es sich nicht Napalm, sondern vielmehr um "Mark 77 Feuerbomben", der einzige Unterschied zwischen beiden Waffen ist allerdings, das Napalm auf Benzin basiert, während die MK77 den Flugzeugtreibstoff Kerosin enthalten, was zu noch höheren Brandtemperaturen führt. Die US-Regierung steht auf dem Standpunkt, daß das Verbot des Einsatzes von Napalm gegen Zivilisten einer UN-Konvention aus dem Jahre 1980 nicht zutrifft, da es sich hier eben nicht um Napalm handele. Aber auch die Tatsache, daß das US-Militär alle in Fallujah verbliebenen Menschen zu "feindlichen Kämpfern" erklärte, war sicherlich nicht zuletzt dazu bestimmt, diese Konvention zu umgehen.

Napalm-Einsatz in Vietnam
Originalaufnahmen des US-Militärs von einem Napalm-Einsatz in Vietnam
(Quelle aller Bilder in diesem Artikel: RAINews24: "Fallujah: The Hidden Massacre" ("Fallujah: Das versteckte Massaker")


In der Sendung sagte der ehemalige US-Soldat Jeff Englehart, der während der Offensive gegen Fallujah dort Teil einer Eskorte für einen hochrangigen Offizier war, auf die Frage, ob Chemiewaffen in Fallujah eingesetzt worden seien: "Vom US-Militär? Ja, absolut. Weißer Phosphor. Napalm wurde vielleicht, vielleicht auch nicht eingesetzt, ich weiß es nicht. Ich weiß, daß weißer Phosphor eingesetzt wurde, was definitiv ohne den Schatten eines Zweifels eine Chemiewaffe ist." Er berichtete, daß er entsprechende Funkmeldungen gehört hat. "Es kommt über Funk als allgemeine Durchsage. Wenn es passiert, hört man es über Funk. Über Lautsprecher, wir haben Lautsprecher in unseren Lastern, die Durchsage geht an die Lautsprecher, so daß man sie hört."

Jeff Englehart
Jeff Englehart

"Es verbrannte Kinder. Es verbrannte Frauen. Weißer Phosphor tötet unterschiedslos. Es ist eine Wolke, die sich meistens bis auf 250 Meter vom Einschlagsort ausbreitet und sie wird jeden Menschen und jedes Tier verbrennen", so Englehart weiter.

Auch US-Oberleutnant Neil Prakash hatte bereits im vergangenen Jahr in seinem Blog geschrieben: "Als Vorbereitung für den Angriff feuerten Artilleriegeschütze weißen Phosphor oder 'Willy Pete' auf die Stadt. Die FA-Jungs erzählten uns später, daß das das neuste WP war, wegen der Art wie es sich verbreitete. Was immer es war, es war unglaublich. Als die Granaten reinkamen, explodierten sie in der Luft, etwa 100 Meter über dem Boden. Sie fielen hell orange brennend zu Boden und zogen kleine Rauchfäden hinter sich her. Das WP schlug auf den Boden auf und schuf einen dicken weißen Rauchvorhang, aber brannte immer noch hell orange am Boden."

In dem Bericht gezeigte Filmaufnahmen zeigen, daß dieses weiße Phosphor auch von Hubschraubern aus abgefeuert wurde.

Weißer Phosphor auf Fallujah
US-Hubschrauber feuern weißen Phosphor auf Fallujah

Vor Beginn des Angriffs - der Englehart zufolge erst begann, nachdem der Wahlsieg George W. Bushs feststand - wurde den Soldaten mitgeteilt, daß sich nur noch Gegner in der Stadt befänden. "Man sagte uns, bevor wir nach Fallujah ins Kampfgebiet gingen, daß jede einzelne Person, die dort ging, sprach oder atmete ein feindlicher Kämpfer war. Daher war jede einzelne Person, die die Straße entlangging oder in einem Haus war, ein Ziel", so Englehart.

Mohammed Tariq al-Deraji, Direktor des "Center for the Study of Human Rights and Democracy" ("Zentrum für das Studium von Menschenrechten und Demokratie") in Fallujah hat mit Augenzeugen gesprochen. "In al-Askari hörte ich von einigen Leuten, daß Menschen von einer unbekannten Art Waffe getötet wurden."

Bei den Opfern handelte es sich um einen Querschnitt durch die ganze Bevölkerung. "Kinder. Frauen. Jüngere, Jugendliche. Alte Männer. Alle Arten von Menschen", so al-Deraji. "Einige Augenzeugen sagten, wenn Amerikaner angriffen, ein großer Feuerregen, verschiedene Farben, seltsame Farben, und danach starben alle Menschen."

Er ist auch offensichtlich wütend über die Zerstörung seiner Heimatstadt. "Es gab die Schlacht im April. Amerikaner konnten nicht in die Stadt hineinkommen. Aber sie suchten einen weiteren Grund. Sie hielten Terroristen für einen passenden Grund. Sie griffen Fallujah zwischen April und November weiter an. Über 100 Häuser wurden zerstört. Um al-Zarqawi und den Assistenten al-Zarqawis zu töten. Aber ich lebe im Süden Fallujahs und ich habe nicht einen Menschen gesehen, der sagt 'Ich habe al-Zarqawi gesehen'. Wo ist dieser al-Zarqawi? Ok, ihr zerstört über 100 Häuser in Fallujah. Warum habt ihr al-Zarqawi nicht getötet?" Einer Untersuchung zufolge waren am Ende der Offensive etwa 37.000 Häuser in der Stadt zerstört.

Auch verdichten sich die Hinweise, daß die USA mit allen Mitteln versucht haben, Berichte über den Einsatz dieser Waffen zu verhindern. So wollte die italienische Journalistin Giuliana Sgrena mehrere Frauen in Fallujah interviewen, nachdem sie gehört hatte, daß diese in ihren Häusern einen "weißen Staub" gefunden hatten und erkrankten - "Blutungen und sehr seltsame Dinge".

"Ich hätte diese Leute gern interviewt, aber leider verboten mir meine Entführer, die sagten, sie seien Teil des irakischen Widerstands, darüber zu sprechen, was ich über Fallujah wußte, indem sie mich entführten", so Sgrena.

Noch weitaus deutlicher ist zweifellos der Fall von Mark Manning, der eine Woche in Fallujah verbrachte und Interviews mit zahlreichen Menschen auf Video aufzeichnete. Am gleichen Tag, als er in die USA zurückkehrte, wurde sein Auto aufgebrochen, daraus nur der Schlüssel für sein Hotelzimmer gestohlen und in sein Zimmer eingebrochen. Weder die Wertsachen im Auto noch im Hotelzimmer waren für die Einbrecher interessant, einzig die Tasche mit den Videoaufnahmen wurde gestohlen.

Angesichts der RAI-Sendung ist auch klar, warum eben eine solche Sendung offenbar verhindert werden sollte.



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