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"Erschüttern und braten"

Weißer Phosphor in Fallujah

10.11.2005  






Das Leugnen des US-Militärs folgte auf dem Fuße. Noch am Dienstag, dem gleichen Tag, als der italienische Sender seinen Bericht "Fallujah: Das versteckte Massaker" über den Einsatz von weißem Phosphor durch das US-Militär ausstrahlte, erhielt die Nachrichtenagentur Reuters eine E-Mail des US-Majors Tim Keefe, in der die Vorwürfe geleugnet wurden.

"Behauptungen, die US-Streitkräfte hätten Zivilisten mit diesen Waffen angegriffen, sind einfach falsch", schrieb er. Die US-Streitkräfte setzen Keefes Aussage zufolge keinerlei chemische Waffen im Irak ein. Zuvor hatte bereits ein Sprecher des US-Militärs in Baghdad gesagt, er "erinnere" sich nicht, daß in Fallujah weißer Phosphor eingesetzt worden sei.

Die Tatsache, daß den US-Soldaten vor Beginn der Offensive gegen Fallujah nach Aussage des in dem Fernsehbericht gezeigten früheren US-Soldaten Jeff Englehart mitgeteilt worden war, daß sich nur noch "feindliche Kämpfer" in der Stadt aufhielten, zeigt, daß Keefe mit seiner Behauptung, der weiße Phosphor sei nicht gegen Zivilisten eingesetzt worden, aus Sicht des US-Militärs zwingend recht haben muß. "Man sagte uns, bevor wir nach Fallujah ins Kampfgebiet gingen, daß jede einzelne Person, die dort ging, sprach oder atmete ein feindlicher Kämpfer war. Daher war jede einzelne Person, die die Straße entlangging oder in einem Haus war, ein Ziel", berichtete Englehart.

Ebenso ist auch seine Aussage, das US-Militär setze im Irak keine chemischen Waffen ein, zu bewerten, da weißer Phosphor nach Ansicht des US-Militärs eine konventionelle und keine chemische Waffe ist. Weißer Phosphor beginnt allein durch den Kontakt mit dem in der Luft enthaltenen Sauerstoff mit einer Temperatur von 1.300 Grad Celsius zu brennen. Er ist die reaktionsstärkste Form des Phosphors und wurde daher bereits im 2. Weltkrieg unter anderem gegen deutsche Städte eingesetzt. Neben der Brandwirkung und den verheerenden Verletzungen, die Hautkontakt schon bei kleinen Mengen verursacht, ist der Stoff außerdem hochgiftig. Bereits 50 Milligramm werden als tödliche Dosis angesehen. Der Tod tritt bei einer solchen Vergiftung innerhalb von 5 bis 10 Tagen ein.

"Die Gase aus dem Gefechtskopf, der weiße Phosphor, bilden eine Wolke und wenn er mit der Haut in Berührung kommt, ist es absolut unheilbarer Schaden. Verbrennt Fleisch bis auf die Knochen. Er verbrennt nicht notwendigerweise Kleidung, aber er verbrennt die Haut unter der Kleidung. Deshalb helfen Schutzmasken nicht, weil es direkt durch die Maske hindurchbrennt, das Gummi der Maske, es wird am Gesicht schmelzen. Wenn man ihn einatmet, verbrennt er die Luftröhre und die Lungen, bis man erstickt und dann verbrennt er einen von innen heraus. Er reagiert mit Haut, Sauerstoff und Wasser", beschreibt Englehart die Wirkungsweise dieser "konventionellen Waffe".

Auch im Dezember des vergangenen Jahres hatte das US-Außenministerium bereits in Reaktion auf damalige Presseberichte ein ausführliches Dementi veröffentlicht. Dort hieß es hinsichtlich des Einsatzes von Granaten mit weißem Phosphor: "US-Streitkräfte haben sie sehr sparsam in Fallujah eingesetzt, für Beleuchtungszwecke. Sie wurden in die Luft gefeuert, um nachts feindliche Stellungen zu beleuchten, nicht auf feindliche Kämpfer."

Tatsächlich wurde selbst in einem Artikel in der Zeitschrift des US-Militärs "Field Artillery" vom März dieses Jahres offen zugegeben, daß weißer Phosphor in Fallujah gegen Widerstandskämpfer - oder was die US-Soldaten hierfür hielten - eingesetzt wurde.

Ausschnitt aus "Field Artillery", der den Einsatz von weißem Phosphor beschreibt.


"Weißer Phosphor. WP erwies sich als eine effektive und vielseitige Munition. Wir verwendeten ihn bei Erkundungsmissionen bei zwei Durchbrüchen und später beim Kampf als eine mächtige psychologische Waffe gegen Rebellen in Schützengräben und Erdlöchern, wenn wir mit Bomben keine Wirkung gegen sie erzielten. Wir feuerten 'erschüttern und braten'-Missionen auf die Rebellen, benutzten WP, um sie herauszutreiben und Bomben, um sie zu erledigen", so der Artikel.



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