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"Report Mainz" bearbeitet altes Feindbild

10.11.2005  






Es ist erst wenige Wochen her, daß der deutsche Muslim Yavuz Özoguz von der SWR-Mainz-Sendung "Report Mainz" in die Nähe des Mörders des Niederländers Theo van Gogh gerückt wurde.

Da dies keineswegs das erste Mal war, daß Özoguz in die Schußlinie der Medien geriet und in den Berichten auch nie vergessen wurde zu erwähnen, daß er Angestellter der Bremer Universität war, sah er sich nun gezwungen, seinen Arbeitsplatz von sich aus zu kündigen, um nach eigener Aussage "den Schaden an dem Institut zu vermindern". Özoguz berichtete, daß er seinerseits aufgrund der Ausstrahlung der Sendung zahlreiche Drohungen gegen ihn und seine Familie erhalten hat.

Ausgangspunkt für den Report-Bericht war ein Beitrag Özoguz' im Forum der von ihm betreuten Website Muslim-Markt, in dem einem Verteidiger von Hans-Peter Raddatz, der Muslime und den Islam in der Vergangenheit immer wieder scharf angegriffen hat, ein Angebot eines gemeinsamen Gebetes vorgeschlagen wurde: "Wir machen Ihnen einen einfachen Vorschlag, wie Sie für sich selbst Ihre eigene Glaubwürdigkeit prüfen können: Lassen Sie uns doch gemeinsam folgendes Gebet beten: 'Wenn der Islam so ist, wie Herr Raddatz es immer wieder vorstellt, dann möge der allmächtige Schöpfer alle Anhänger jener Religion vernichten! Und wenn Herr Raddatz ein Haßprediger und Lügner ist, dann möge der allmächtige Schöpfer ihn für seine Verbrechen bestrafen und diejenigen, die trotz mehrfacher Hinweise auf die verbreiteten Unwahrheiten von Herrn Raddatz, immer noch darauf bestehen, auch.'" Wenig später wurde jener Beitrag gelöscht. Hierbei wurde ein neuer Beitrag veröffentlicht, in dem die Löschung begründet wurde. Schon damals, am 15. September war Özoguz demzufolge zugetragen worden, daß sein auf dem islamischen Prinzip der Mubahala beruhender Gebetsvorschlag als Mordaufruf gedeutet werden würde, was ja auch tatsächlich passierte.

Auch wenn es angesichts dieses Gebets schwer nachvollziehbar erscheinen mag, so behauptete Raddatz doch, es habe sich hier um einen Mordaufruf gegen seine Person gehandelt, außerdem sei auch seine Familie hiervon betroffen. Auf seine Anzeige hin eröffnete die Staatsanwaltschaft Oldenburg Ermittlungen und der Sender begann mit der Arbeit an dem Beitrag. Schon kurz nach dessen Ausstrahlung gab das Bundeskriminalamt allerdings bereits ein Gutachten ab, demzufolge es sich bei dem Gebet eben nicht um einen Mordaufruf handelte. Hinsichtlich der Entfernung des Beitrags und der Ersetzung seines Namens durch "XXX" sprach Raddatz sogar von einer "Verschärfung" der Drohung gegen ihn.

Am Montag nun strahlte die ARD eine weitere Sendung von "Report Mainz" aus, in der die Vorwürfe gegen Özoguz erneut erhoben wurden, wobei allerdings den vorangegangenen Behauptungen wenig Erhellendes hinzugefügt wurde. Den größten Raum nahm hier ein Gutachten des Orientalisten Dr. Gerd Puin ein, das auf die Aussage, man müsse "diesen Aufruf von Herrn Özoguz, als einen latenten Aufruf zum religiös motivierten Mord ansehen". Wie schon die anderen von "Report Mainz" zitierten "Islamexperten" Ursula Spuler-Stegemann und Tilman Nagel ist auch Puin unter Muslimen wenig wohlgelitten, behauptete er doch, der Koran - nach Überzeugung von Muslimen das unverändert niedergeschriebene Wort Gottes - müsse zu "etwa einem Fünftel neu gelesen werden". Während die Empörung, würde ein iranischer "Experte" behaupten, die Bibel würde in großen Teilen die Unwahrheit sagen, nur zu leicht vorhersehbar wäre, soll ein solcher "Experte", der offenbar nicht einmal in der Lage ist, derart grundlegende islamische Konzepte zu akzeptieren, als Autorität zur Deutung eines islamischen Prinzips herangezogen werden.

Tatsächlich ist dem Beitrag und den darin erneut zitierten Personen eine deutliche Enttäuschung über das BKA-Gutachten anzumerken. So sagte Spuler-Stegemann: "Also ich denke, das ist ein absolut schwaches Gutachten, was ich noch nicht einmal als Seminararbeit akzeptieren könnte." Puin sagte in der Sendung: "Diese Stellungnahme aus dem BKA - die hat mich schon sehr verwundert" und Nagel schließlich: "Ich halte sie in dieser Hinsicht für völlig enttäuschend. Das sind doch einfach einige Koranzitate, ohne daß der, sagen wir, ideologische und machtpolitische Hintergrund betrachtet wird, und das geht nicht an."

Dies führt dann zu dem "Fazit", daß die Stellungnahme des BKA "ganz im Sinne von Dr. Yavuz Özoguz" sei - zwar hat sich das BKA und das Bundesinnenministerium in den vergangenen Jahren keineswegs durch eine besondere Islamfreundlichkeit hervorgetan, nach Ansicht der Report-Redaktion ist es Özoguz nun aber anscheinend gelungen, die Behörde erfolgreich zu unterwandern und für seine Zwecke zu benutzen.



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