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"Das ist eine Tragödie"

US-Besatzer feuerten auf Kleinbus

21.11.2005  






Zivilisten, die im Irak von Besatzungssoldaten - zumeist US-Soldaten - erschossen werden, weil sie mit ihrem Fahrzeug zum falschen Zeitpunkt in die falsche Straße einbiegen, nicht schnell genug vor einer Straßensperre halten, die am Vortag noch nicht da war, ein US-Fahrzeug schlicht übersehen oder sich einfach nicht oder nicht schnell genug so verhalten, wie die Soldaten es erwarten, sind derart an der Tagesordnung, daß die Medien von solchen Fällen kaum noch Notiz nehmen.

Für die jeweiligen Opfer wie auch deren Hinterbliebene - Väter, Töchter, Mütter, Söhne, Enkel, Freunde, Arbeitskollegen, Nachbarn - sind diese Anwendungen rücksichtsloser Gewalt, hervorgerufen aus einer wachsenden Panik der Soldaten, gepaart mit dem Willen der Militärführung, eigene Verluste um jeden Preis so niedrig wie möglich zu halten, zweifellos nicht alltäglich.

Am Montag berichtete Reuters, daß US-Soldaten in der Stadt Baquba das Feuer auf einen vollbesetzten Kleinbus eröffnet haben. Dabei wurden 5 Mitglieder der Familie, darunter 2 kleine Kinder, getötet und 4 weitere, darunter 2 Frauen und ein Kind, verletzt.

Einer der Überlebenden sagte gegenüber Reuters, die Familie sei aus dem etwa 80 Kilometer entfernten Balad gekommen, um an einer Beerdigung teilzunehmen. In Baquba näherte sich dann eine US-Patrouille ihrem Fahrzeug.

"Als wir versuchten, an die Seite zu fahren, um sie vorbeizulassen, eröffneten sie das Feuer", sagte er.

"Wir spürten, wie das Auto von hinten und von vorn von Kugeln getroffen wurde", sagte ein anderer Überlebender, der aus einer Wunde am Kopf blutete. "Köpfe wurden weggeblasen. Einem Kind wurde die Hand abgeschossen."

Reuters-Videoaufnahmen zeigten in einem Leichenschauhaus in Baquba zwei tote Kinder, von denen einem offenbar der Kopf abgerissen worden war.

US-Major Steve Warren, ein Sprecher des US-Militärs in Baquba, sagte, es sei zu den Schüssen gekommen, als mehrere Fahrzeuge in eine US-Basis hineinfuhren. Vor den tödlichen Schüssen sei zuerst mit Handzeichen und danach mit Warnschüssen versucht worden, den Kleinbus zum Anhalten zu bewegen - eine Behauptung, die seitens des US-Militärs in derartigen Fällen routinemäßig vorgebracht wird und ebenso häufig von Überlebenden oder Augenzeugen bestritten wird.

"Das ist eine Tragödie", so Warren, "aber diese Tragödien passieren nur, weil Zarqawi und seine Verbrecher da draußen mit Autobomben herumfahren."

Erneut liegt die Schuld also Warren zufolge nicht bei nervösen US-Soldaten oder einem rücksichtslosen Vorgehen gegen jede vermeintliche Bedrohung, sondern vielmehr bei jenem vermeintlichen irakischen "Terrorfürsten", der zunehmend für jegliche Bombenexplosion auf der ganzen Welt verantwortlich gemacht wird.

Nach Warrens Aussage wurde ein US-Konvoi in dem Gebiet weniger als zwei Stunden später mit einer Autobombe angegriffen. Es ist nicht bekannt, ob auch er sich die Frage gestellt hat, ob die Urheber dieser Bombe Freunde oder Verwandte der Opfer in dem Kleinbus waren. Er sollte sie sich stellen.



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