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"Dieser ganze Krieg ist wie ein modernes Vietnam"

US-Soldaten im Irak verlieren Moral

24.11.2005  






Ein Bericht der Los Angeles Times vom Dienstag zeigt erneut, daß die Moral der im Irak stationierten US-Soldaten sich weiter dem absoluten Nullpunkt nähert.

Louise Roug, die Autorin des Artikels, sprach in den vergangenen Wochen mit zahlreichen US-Soldaten in Baghdad, Mosul und Tikrit und kam zu dem Schluß, daß die Moral der Soldaten eine "zerbrechliche Angelegenheit" ist. Dies zeigte sich schon in einem in der Basis Falcon bei Baghdad mitangehörten Gespräch mehrerer Soldaten, die sich unterhielten, welche Extremität sie lieber verlieren würden, wenn sie die Wahl hätten.

"Als ich zuerst herkam, hatte ich das Gefühl, ich könnte den Irakern wirklich etwas gutes tun", sagte Hauptfeldwebel Joseph Barker. In den vergangenen sechs Monaten hat er seine Meinung geändert. "Wir werden die Iraker nicht ändern. Es ist mir egal, wieviele Halal-Mahlzeiten wir herausgeben." Angesichts vermutlich mittlerweile über 150.000 getöteten Irakern dürfte dies für die Iraker allerdings auch nicht von allzu großer Wichtigkeit sein.

"Die Moral ist eine Achterbahn", sagte Leutnant Rusten Currie, der seit zehn Monaten im Irak ist. "Am Anfang waren wir alle idealistisch, wollten Osama bin Laden und Zarqawi finden und sie der Gerechtigkeit zuführen - was auch immer das bedeutet. Jetzt wollen wir einfach nur nach Hause." Einmal mehr zeigt sich hier, wie erfolgreich die US-Propaganda auch in höheren Rängen des Militärs offenbar ist, glaubt Currie doch offenbar die ebenso oft wiederholte wie widerlegte Behauptung, "Al-Qaida" und "Osama bin Laden" hätten eine Verbindung in den Irak gehabt.

Generalmajor Rick Lynch, ein Sprecher der Besatzungstruppen, behauptete zwar, daß "die Moral im allgemeinen gut" sei, sagte aber auch, daß Spannungen verständlich seien, wenn Soldaten mit ferngezündeten Bomben angegriffen werden, gegen die sie nicht kämpfen könnten. "Soldaten können tatsächlich frustriert werden, weil sie keinen Feind ansehen, der sie ansieht." Er erklärte allerdings nicht, inwiefern die Bombardierung irakischer Häuser aus Kampfflugzeugen, hoch fliegenden Bombern und ferngesteuerten Drohnen und der Einsatz von Napalm, weißem Phosphor und Streubomben einem solchen Kampf "Auge in Auge" entspricht.

Barker berichtete, daß der 15. September, als er seinen Freund Feldwebel Alfredo Silva durch eine Bombe verlor, seine Einstellung grundlegend änderte. Danach schien die Besetzung des Landes für ihn keinen Sinn mehr zu machen. Dies war nur der Beginn einer ganzen Reihe von Bombenangriffen. Innerhalb von 9 Tagen verlor seine Einheit 4 Soldaten, zahlreiche weitere wurden verletzt.

"Es ging nicht mehr darum, es lebend und unversehrt nach Hause zu schaffen. Nur lebend wäre schon gut", sagte er.

Auch der Oberstabsgefreite Jose Navarette äußerte tiefe Zweifel an der Besatzung. "Dieser ganze Krieg ist wie ein modernes Vietnam", sagte er. "Man sieht jeden Tag mehr Leute sterben - das bringt einen dazu, sich zu fragen, ob es das wert ist."





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