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Inter-Continental

Entlassungen bei Continental

24.11.2005  


Hans-Joachim Selenz




Der Reifenkonzern Continental aus Hannover will am Heimatstandort an der Leine die Reifenproduktion einstellen. 320 Mitarbeiter würden damit ihren Arbeitsplatz verlieren. Dauerhaft! Man hat von "Conti" in den letzten Jahren einiges gehört. Aus einer Phase tiefer Verunsicherung und wirtschaftlicher Krisen stieg das Unternehmen in nicht einmal vier Jahren in blühende Sphären auf. Dümpelte der Conti-Börsenkurs noch vor drei Jahren um 15, so steht er heute bei 70 Euro. Das Wunder von der Leine hatte viele Ursachen. Eine diffuse Unternehmensführung unter Ex-Chef von Grünberg hatte den Konzern geschwächt. Er wurde als Übernahmekandidat gehandelt. Mit Manfred Wennemer an der Konzernspitze kam die Wende. Der mediokere von Grünberg - mittlerweile an die Spitze des Aufsichtsrates gewechselt - konnte ihn dabei nicht aufhalten. Dies Beispiel zeigt, daß ein Verstoß gegen die Grundsätze guter Unternehmensführung zuweilen auch positive Folgen haben kann.

Mit einer überzeugenden Strategie überwand Wennemer Schwachstellen und baute gleichzeitig die durchaus vorhandenen Stärken aus. Die Mannschaft zog mit, weil sie an die Führung und deren Ziele glaubte. Die Mitarbeiter der Reifenfertigung in Hannover waren sogar bereit, Mehrarbeit ohne Entgelt zu leisten. Gemeinsames Ziel: Erhalt und Sicherung der Arbeitsplätze an der Leine. Man zog an einem Strang. Und was noch wichtiger war, man zog gemeinsam am selben Ende des Stranges. So kann man auch in Deutschland Arbeitsplätze sichern und erhalten.

Die Stahlindustrie hatte es vorgemacht. Eine Branche, der man noch vor 10 Jahren die Totenglocken läutete. Stahl stand für "Old Econonmy". Im Gegensatz dazu die vermeintlich unaufhaltsam aufstrebenden Firmen des "Neuen Marktes". Es schien nur noch eine Frage der Zeit, bis auch der letzte Deutsche Hochofen sein Lebenslicht aushauchen würde. Doch weit gefehlt. Die Branche verdient heute wieder gutes Geld. Man hatte sich auf die Stärken des Standortes besonnen. Sich an den eigenen Haaren aus dem Abstiegsstrudel gezogen. Das Geheimnis? Hochtechnologie, Ingenieurswitz und die Nähe zum Kunden. Das bedeutet permanente Verbesserung, neue Technologien und Werkstoffe, sowie optimierte Abläufe in Produktion und Verarbeitung. Und siehe da, es funktioniert. Die deutsche Stahlindustrie steht bestens da. Besser denn je. Und das im rohstoffarmen Hochlohnland Deutschland!

Auch Conti war auf diesem richtigen Weg. Die Produktion von Reifen ist gleichfalls ein ständiger Prozeß der Innovation und Optimierung. Wie schnell sich auch dort die Bedingungen ändern können, erfuhr die Nation in dieser Formel 1-Saison. Seriensieger Michael Schumacher - mit mittelmäßigen Reifen unterwegs - sah nur noch die Rücklichter seiner besser bereiften Konkurrenten. Die Entwicklung von Hightech-Reifen und deren optimierte Produktion ist eine wichtige Aufgabe. Eine permanente Herausforderung für das Management einer Reifen-Firma mit Sitz in Deutschland. Einem Land, das langfristig nur von den Ideen und dem Fleiß seiner Menschen leben kann. Der Pakt zwischen Management und Mitarbeitern bei Conti verhieß daher für den Standort Hannover sichere Arbeitsplätze. Jetzt ist dieser Pakt in großer Gefahr.

Eine Gesellschaft ohne übergeordnete Wertmaßstäbe, lediglich an kurzfristigem Profit orientiert, geht langsam aber sicher vor die Hunde. Insbesondere in dieser Phase der verschärften Globalisierung ist das Fehlen dieser "Werte" fatal. Herr Wennemer macht uns das gerade vor! Sein Traum: Das beste aus beiden Welten. Amerikanische Gagen für den Vorstand und Drittweltlöhne für die Mitarbeiter. Inter-Continental! Doch so funktioniert das nicht. Jedenfalls nicht auf Dauer.

Wie sagte Antoine de Saint-Exupéry: Wenn die Menschen gottlos werden, sind Regierungen ratlos, Lügen grenzenlos, Aufklärung hirnlos, Politiker charakterlos, Christen gebetlos, Kirchen kraftlos, Völker friedlos, Sitten zügellos, Mode schamlos, Verbrechen maßlos, Konferenzen endlos, Aussichten trostlos.



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