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Nachrichten, die man nicht überall findet.





Osthoffs Entführer dienen den USA

Gedanken zu einer Entführung

01.12.2005  


Yavuz Özoguz




Tag für Tag flattern Meldungen über die Geisel Susanne Osthoff in deutsche Wohnstuben, und das obwohl alle "offiziellen" Deutschen im Irak keine Auskunft an die Medien geben dürfen. Und für einen halbwegs unabhängigen Journalisten in diesem Land - falls es ihn oder sie noch gäbe - würde sich ein extrem in fast jeder Hinsicht widersprüchliches Bild ergeben, je nachdem, ob er die Nachrichten von der eher deutsche oder eher ausländische Interessen vertretenden deutschsprachigen Presse vernehmen würde. Versuchen wir das Puzzle-Spiel halbwegs zusammen zu fügen, auch wenn es nicht paßt.

Susanne Osthoff soll die erste deutsche Geisel im Irak sein. Seit Jahren soll sie Hilfslieferungen in den Irak "begleiten". Von der Süddeutschen Zeitung wurde sie dafür mit dem Tassilo-Preis für Zivilcourage ausgezeichnet. Wer da warum welche Hilfslieferungen bekommt, die von einer ausgebildeten Archäologin begleitet werden müssen, kann man den Medien kaum entnehmen außer, daß ihr erster Einsatz bei einem Medikamententransport von Jordanien aus in Richtung Bagdad erfolgt sein soll. Sie soll den Irak lieben, perfekt arabisch sprechen und laut der Süddeutschen mit einem jordanischen Araber verheiratet und Muslima sein. Und das soll der Grund dafür sein, daß die 43-Jährige sich unermüdlich für die irakische Bevölkerung eingesetzt hat. Daß sie dabei ihre eigene 11-jährige Tochter möglicherweise geringfügig vernachlässigt haben könnte, sei nur nebenbei erwähnt. Die soll bei Freunden oder auch einem Internat in Oberbayern sein. Überhaupt scheint ihr Familiensinn etwas "ungewöhnlich" für eine Muslima, da sie Fernsehberichten zufolge ihre eigene Mutter bereits seit mehreren Jahren nicht mehr gesehen hat. Wo der Ehemann ist, oder was er macht, hat die Journalisten bisher nicht weiter interessiert. Sie selbst soll neben Archäologie auch Semitistik studiert haben. Ihr Erfahrungsschatz soll gefüllt sein mit Ausgrabungsreisen, die sie auch nach Syrien, Tunesien, Jordanien, Algerien, Marokko, Ägypten und in den Jemen führten. Zudem soll sie über viele Jahre auch als Reiseleiterin in Arabien tätig gewesen sein. Seit 1998 soll Osthoff außerdem für die Münchner Unternehmensberatung FaktorM als Beraterin und Organisatorin im Bereich "Interkulturelles Management" tätig sein, wie die Firma auf ihrer Website beschreibt. Sie betreue ausländische Patienten in Einrichtungen des bayerischen Gesundheitswesens und initiiere, koordiniere und berate Projekte zum Aufbau des Gesundheitswesens im Irak, heißt es weiter.

So ungewöhnlich und offensichtlich widersprüchlich die bisherigen Schilderungen sind, umso ungewöhnlicher werden die neueren Meldungen über sie. Ein Geschäftspartner der Entführten, ein früherer Mitarbeiter der DDR-Botschaft namens Giermann hat auf N24 berichtet, Osthoffs Tätigkeit an einem Kulturprojekt sei "in Abstimmung mit der deutschen Botschaft in Baghdad" erfolgt. Was denn für ein "Kulturprojekt"? Giermann behauptete auf N24, die Deutsche habe an der Rekonstruktion einer alten Karawanserei in Mosul gearbeitet, die von der deutschen Regierung finanziert werde. Später habe der Geschäftsmann zusammen mit der Archäologin ein Projekt für ein deutsches Kulturzentrum in Arbil umgesetzt. Das Zentrum sollte unter ihrer Leitung im Januar eröffnet werden. Die Aktivitäten in Arbil seien nach Auskunft von Giermann "immer in Abstimmung mit der deutschen Botschaft in Baghdad" erfolgt. Auf die Frage, ob Frau Osthoff im Auftrag der Bundesregierung gehandelt habe, sagte Giermann: "Sie ist verantwortlich für dieses Projekt in Mosul. Es wurde aber aus der Sicherheitslage heraus nicht angefangen zu arbeiten."

Frau Osthoff soll diesen Angaben zufolge also im kriegserschütterten Irak, in dem die Menschen teilweise schlimmstes Elend erleiden, so ganz nebenbei nichts besseres zu tun gehabt haben als die Rekonstruktion eines Karawanserei zu planen!? Und ein ehemaliger "DDR-Botschaftsmitarbeiter" war ihr "Geschäftspartner".

Aber die Geschichte geht noch weiter. Laut Aussagen von Giermann soll Susanne Osthoff bereits einmal von US-Truppen im Irak "in Sicherheit" gebracht worden sein. Die "Sicherheit" soll mehrere Wochen gedauert haben - also doch nicht die erste Geiselnahme einer Deutschen im Irak? Laut N24 erklärte Giermann: "Wir hatten sehr viel Zeit, um über diese Vorgänge zu reden. Sicher ist die Aktion der amerikanischen Truppen in Mosul, als sie für zwei Wochen festgesetzt wurde im späten Frühjahr, eine Aktion gewesen, wo man versucht hat, ich formuliere es mal vorsichtig, jemanden, der das Land gut kennt, der sehr viele Leute dort gut kennt, eventuell auch nutzen zu können, um Informationen zu sammeln." Er habe auch die Zettel gesehen, die man Osthoff gegeben hätte, was sie alles aufschreiben sollte, um den Amerikanern Informationen zukommen zu lassen. Dies habe die Deutsche kategorisch abgelehnt. Sie sei dann anschließend in Zusammenarbeit mit der deutschen Botschaft von Mosul nach Baghdad ausgeflogen worden. Soweit N24.

Ein anderer Medienkomplex behandelt die Hinweise, die zur Entführung geführt haben sollen. Dabei wird behauptet, daß Osthoff von irakischen Sicherheitskräften verraten worden sei. Das zumindest berichtete der Tagesspiegel unter Berufung auf deutsche Sicherheitskreise. Ob die das "wissen" oder "vermuten", bleibt unklar. Der Zeitung zufolge kündigte Osthoff ihre Reise an, auf der sie und ihr Fahrer entführt wurden. Außer den irakischen Sicherheitskreisen wußten nur die US-Truppen von ihrer Reise; das sollte nicht unerwähnt bleiben. Ein Bekannter der deutschen Muslima soll gesagt haben, diese sei gemeinsam mit einem irakischen Kollegen aus der kurdischen Stadt Arbil nach Mosul gekommen. Vor einigen Tagen sei ihr dann das Geld ausgegangen, das sie von deutschen Wohlfahrtsorganisationen bekomme. "Sie sagte, sie wolle in Arbil neues Geld holen", sagte der Gewährsmann. "Sie machte sich mit ihrem Fahrer auf den Weg und kam nicht mehr zurück."

Der Leiter der örtlichen Archäologie-Behörde, soll gesagt haben, seine Abteilung habe die Zentrale in Baghdad sowie den Vizegouverneur von Nineve und den Polizeichef Mosuls in den vergangenen Wochen mehrfach informiert, daß man die Sicherheit Osthoffs wegen der Rebellenaktivitäten nicht mehr gewährleisten könne. Welche "Rebellen" waren denn damit gemeint? Und was wußte jener von den Besatzern geduldete "Leiter", daß er Frau Osthoff warnen wollte, daß ihre Sicherheit nicht "mehr" gewährleistet werden könne? Und warum hat Frau Osthoff auf die Warnungen nicht reagiert? Und warum hat die Bundesregierung eine Frau (und Mutter einer 11-jährigen Tochter) in ihren Aktivitäten in einem solch gefährlichen Land unterstützt, wenn gleichzeitig jedem anderen Bürger von Reisen in den Irak abgeraten wird?

Aber viel markanter, als die Person Osthoffs und ihre "Aktivitäten" im Irak, ist der Zeitpunkt der Entführung der ersten Deutschen im Irak! Da wird kurz nach der Regierungsübernahme durch Frau Merkel und der Amtsübernahme durch einen neuen Außen- und einen neuen Innenminister Deutschland "bestraft". Dieser Aspekt verdient eine genauere Beleuchtung:

Das neu besetzte Außenministerium wird von einem Vertrauten Schröders geleitet. Steinmeier hat von Anfang an deutlich gemacht, daß es keine Änderung in der deutschen Außenpolitik geben wird. Seine ersten Signale in die muslimische Welt waren versöhnlich oder zumindest äußerst diplomatisch. Das anfängliche U-Boot-Geschenk an Israel kann nicht allein auf seine Kappe geschoben werden und hat mit der spezifischen deutschen Geschichte und Abhängigkeiten zu tun. Der Iran wurde nicht vor den UN-Sicherheitsrat gezerrt und noch hat Deutschland nicht die Vasallentreue gegenüber den USA und ihren aktuellen Verbrechen erkennen lassen, die Frau Merkel vor ihrer Wahl befürchten ließ. Ganz im Gegenteil knirscht es ziemlich laut über dem Atlantik.

Der neue Innenminister Schäuble bevorzugt in seinen ersten Reden und Interviews einen sanfteren Ton. Der haßerfüllte Konfrontationskurs Schilys gegenüber dem Islam und den Muslimen scheint zumindest in dieser Anfangsphase deutlich verflogen. Schäuble setzt Signale in Richtung "Dialog", auch wenn er die innere Sicherheit hervorhebt, was ja auch seine Pflicht als Innenminister ist!

Sowohl in der Innenpolitik als auch in der Außenpolitik geht Deutschland - zumindest so der klare Eindruck - auf Muslime zu! Und in der Irakpolitk signalisiert selbst eine Angela Merkel, daß es keine Unterstützung der US-Besatzung geben wird. Sie formuliert es zwar diplomatischer, aber jeder versteht es, selbst die USA.

Und genau zu diesem Zeitpunkt, kurz vor dem Antrittsbesuch des deutschen Außenministers in den USA, der durch die sogenannte CIA-Folter-Affäre belastet wird, muß der deutsche Außenminister in den USA hauptsächlich Fragen zu der Entführung der ersten deutschen Geisel beantworten. Da bleibt dann nicht viel Zeit für CIA und sonstige Menschenrechtsfragen wie Guantánamo.

Kommen wir also zurück zu der altbekannten Frage: Wem nützt diese Nachricht, wem nützt die Entführung, und wem schadet sie?

Zunächst einmal schadet die Nachricht dem irakischen Widerstand gegen die US-Besatzung. Da entführen also irgendwelche wildgewordenen Verbrecher eine Wohltäterin, die zudem Muslima sein soll, führen sie mit verbundenen Augen vor die Kamera und treten martialisch mit Panzerfaust und Vermummung auf und wollen den Irak und den Islam vertreten! Genau das ist der "Islam", den die USA und ihre Hofschreiber auch in Deutschland der Welt vorführen wollen, ein Islam der Frauen und selbst Muslimas verschleppt! Was hat das mit Widerstand gegen die US-Besatzer zu tun? Was hat das mit Widerstand zu tun? Und vor allem: Was hat das mit Islam zu tun? Welcher Islam erlaubt die Entführung einer Frau, um sie dann mit verbundenen Augen vorzuführen? Diese Verbundene-Augen-Vorführmentalität stammt doch aus den USA, sie stammt aus Guantánamo, sie stammt von CIA-Foltergefängnissen und CIA-Entführungen! Seit wann sind jene Völkerrechtsverbrecher Vorbild für Muslime?

Die Forderung der Entführer ist auch sehr nachdenkenswert. Die Deutschen sollen aufhören irakische Polizisten auszubilden. Wem soll das eigentlich nützen? Die von Deutschland ausgebildeten Polizisten sind einige wenige, die nicht unter dem US-Einfluß stehen - jedenfalls nicht so stark! Sie werden sicherlich weniger die US-Interessen vertreten. Wem also nützt es, wenn irakische Polizisten nicht mehr von Deutschland ausgebildet werden, den Irakern oder den US-Amerikanern?

Inzwischen vermuten in den deutschen Medien alle möglichen Experten, daß es sich bei der Entführung um einen "kriminellen" Hintergrund handeln könnte und nichts mit dem Widerstand oder gar mit dem Islam zu tun hätte. Sie haben einige Zeit gebraucht, um das zu vermuten, aber es gab doch von Anfang an keinen Zweifel daran, daß es sich bei dieser Entführung um einen kriminellen Hintergrund handelt! Allerdings wird es zunehmend Zeit, die Kriminellen auch zu benennen, insbesondere falls Frau Osthoff etwas zustoßen sollte - Gott bewahre sie davor!

Weiterhin schaden die Entführer den Muslimen in Deutschland! Denn sie haben es offensichtlich darauf abgesehen, daß der alte Konfrontationskurs eines Otto Schily wieder Einzug halten soll, und damit schaden die Entführer auch Deutschland!

So oder so: Jene Verbrecher dienen den USA, unabhängig davon, ob sie Muslime sind oder nicht, unabhängig davon, ob sie Iraker sind oder nicht; sie dienen den USA! Und derartige Verbrechen können erst dann eingedämmt werden, wenn der Verbrecher benannt wird und nicht die Propagandaziele der Verbrecher durch unbedachte Journalistentätigkeit so mancher Medien oder Schnellschüsse muslimischer Schreiber unterstützt werden.

An die Verbrecher ist zu appellieren, daß sie Frau Osthoff ohne jegliche Forderung frei geben sollen. Sie sind - falls es sich überhaupt um Muslime handelt - eine Schande für den Islam und die Muslime, denn sie dienen nur den Feinden des Islam! An die Bundesregierung ist allerdings gleichzeitig die Bitte zu richten, sämtliche "Kulturprojekte" im Irak so lange ruhen zu lassen, so lange sie nur im "Schutze" der USA erfolgen können.





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