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Wikinger statt Wehrmacht

Lehrplanänderung in Norwegen

03.12.2005  






Bereits am Freitag der vergangenen Woche berichtete die norwegische Aftenposten über Pläne der Regierung, den Lehrplan für das Fach Geschichte grundlegend zu ändern.

Den Plänen zufolge würden große Teile der Geschichte Norwegens, Europas, der Welt und der Moderne durch Geschichte der Wikinger, des Aufstiegs des Römischen Reiches und der historischen Entwicklung Chinas ersetzt. Demgegenüber würden beide Weltkriege, die russische Revolution, der Kalte Krieg und sowohl der Nazismus als auch der Kommunismus entfallen.

Die Weltkriege könnten von Lehrern zwar im Rahmen einer Klausel, die es ihnen erlaubt "zwei oder mehr moderne Konflikte auszuwählen und Ursache und Wirkung zu bewerten" behandelt werden, dies wäre aber keineswegs bindend. Auch sehen die Planungen eine Kürzung des Geschichtsunterrichts auf zwei Stunden pro Woche vor.

Nach Darstellung des norwegischen Wissensministers Øystein Djupedal soll der "Reformprozeß" bereits im Januar des kommenden Jahres fertiggestellt und im Herbst des gleichen Jahres für die Schulen bindend sein. Hinsichtlich der aus zahlreichen Richtungen geäußerten Kritik an den Plänen sagte er, letztlich würde das Bildungsministerium über die endgültige Fassung des Plans entscheiden.

Der Verdacht, daß hier insbesondere die Geschichte Norwegens während der Besetzung durch Deutschland im 2. Weltkrieg vertuscht werden soll, ist sicherlich naheliegend. Nachdem die deutsche Wehrmacht 1940 Norwegen besetzt hatte, wurde auch dort die "Lebensborn"-Organisation der SS eingeführt. Dabei handelte es sich um ein Projekt, das, massiv von "Reichsführer der SS" Heinrich Himmler gefördert, die Geburtenzahl von "Ariern" ankurbeln und so deren "Rasse" retten sollte.

Infolge dieses Projekts zeugten die etwa 400.000 in Norwegen stationierten deutschen Soldaten schätzungsweise 12.000 Kinder mit norwegischen Frauen. Inwieweit es sich hier um staatlich geplante oder aus den Umständen heraus entstandene Beziehungen handelte, ist strittig, die hieraus entstandenen Kinder - "Tyskerbarn", "Kinder von Deutschen" - waren aber nach dem Ende der deutschen Besatzung anhaltender Diskriminierung unterworfen.

Zahlreiche dieser Kinder wurden Zwangsadoptionen unterzogen oder in psychiatrische Einrichtungen eingewiesen. Dementsprechend wurden auch ihre Mütter behandelt.

Zweifellos handelt es sich hier nicht gerade um einen glanzvollen Aspekt der Geschichte Norwegens, so daß die Vermutung, daß das Verschweigen dieser Fakten das Hauptanliegen der zukünftigen Lehrplanänderung sein soll, sicherlich naheliegt.





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