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"Wenn ich mich nicht irre"

Meldungsprobleme mit einem vorgeblichen Tod

04.12.2005  






Am Sonntag veröffentlichte Spiegel Online einen Artikel mit dem Titel "CIA erschießt Al-Qaida-Führer". Bei genauerer Betrachtung kommen nicht nur ernste Zweifel an dieser Meldung selbst, sondern insbesondere auch an den Recherchefähigkeiten des - ungenannten - Spiegel-Redakteurs auf.

Angesichts des folgendes Artikels führt schon dessen Titel zumindest zu hochgezogenen Augenbrauen, ist der vorgebliche "Al-Qaida-Anführer" Abu Hamza Rabia doch vorgeblich durch mindestens eine Rakete - und nicht durch eine Bleikugel - getötet worden.

Dem Bericht zufolge wurde Rabia - vorgeblich unter "Terror-Experten" die "mögliche Nummer 3 der al-Qaida", obwohl nur ein Absatz später die "Rolle Rabias" als "unklar" bezeichnet wird - am Donnerstag in Nord-Waziristan durch Raketenbeschuß getötet. Weitere "Details von Augenzeugen lassen auf einen lang geplanten Angriff der CIA schließen. Demnach sei eine unbemannte Drohne des Typs 'Predator' über der Ortschaft Asorai aufgetaucht und hätte mindestens sechs Raketen auf das Haus abgefeuert", so der Spiegel.

Schon die Betrachtung der Quelle des Spiegel-Berichts wirft weitere Fragen auf. "Anwohner sagten, daß die Männer durch eine unbekannte Anzahl von Raketen getötet wurden, die von einem unbemannten Predator-Flugzeug abgefeuert wurden. Die Zeugen sagten, daß Überreste von in dem Gebiet zu findenden Raketen Kennzeichen der USA trügen. Sie sagten außerdem, daß sie sechs Explosionen hörten, aber es ist nicht klar, wieviele davon das Resultat von Raketenangriffen waren und wieviele vielleicht durch von den Raketen ausgelöste Explosionen von Sprengstoff innerhalb des Unterschlupfes waren", so die NBC. Der NBC zufolge ist also keineswegs klar, daß es sich um "sechs Raketen" gehandelt hat, die den Unterschlupf - nichts anderes bedeutet das englische "safehouse", zu dessen Übersetzung sich der Schreiber nicht in der Lage sah - trafen.

Bemerkenswert ist hier sicherlich auch die Aussage des pakistanischen Präsidenten Pervez Musharraf, der sich zwar offenbar nicht wirklich über den Tag des Todes Rabias im klaren ist, an der Tatsache selbst aber keinerlei Zweifel hat. "Ja, wirklich, 200 Prozent. Ich glaube, er wurde vorgestern getötet, wenn ich mich nicht irre", sagte Musharraf am Samstag in Kuwait.

Auch die in dem Spiegel-Artikel wiederholte Behauptung, der Libyer Abu Faraj al-Libbi sei im Mai in Pakistan gefangengenommen worden, verschweigt, daß es sich hierbei Berichten zufolge nur um eine Namensverwechslung handelte.

Den Meldungen zufolge wurden neben dem "irakischen Informationsminister" Rashid Ahmed zufolge durch DNS-Analysen identifizierten Rabia - innerhalb der kurzen Zeit eine bemerkenswerte Leistung - 4 weitere Menschen getötet. Da auch Rabia selbst vorgeblich nur noch durch eine DNS-Analyse identifiziert werden konnte, was zweifellos Rückschlüsse auf den Zustand beziehungsweise die Überreste seines Leichnams zuläßt stellt sich hier sicherlich die Frage, wie es gelungen ist, die anderen getöteten Menschen ebenfalls als "Terroristen" zu identifizieren - andernfalls wäre hier von einem weiteren Kriegsverbrechen zu sprechen. Noch bemerkenswerter ist aber sicherlich, daß es den USA vorgeblich gelungen ist, bereits vor dem Angriff auf das Wohnhaus sicherzustellen, daß alle dort Anwesenden "Terroristen" waren. Tatsächlich haben die USA also zumindest billigend in kauf genommen, daß durch diesen Angriff auch unschuldige Zivilisten getötet werden.

Angesichts der Tatsache, daß selbst der pakistanische Präsident, auf dessen Aussage die Medienberichte überwiegend beruhen, offenbar keineswegs detaillierte Informationen besitzt, ist die Behauptung, Rabia sei getötet worden - gar nicht zu reden von seiner vorgeblichen leitenden Rolle in "Al-Qaida" - wenig überzeugend. An bestätigten Fakten bleibt allein übrig, daß ein Haus durch die USA mit Raketen beschossen wurde, wobei 5 Menschen getötet wurden, da dies auch von Anwohnern bezeugt wurde.

Selbst wenn bei dem Angriff Abu Hamza Rabia getötet worden sein sollte und es sich dabei tatsächlich um ein ranghohes Mitglied von "Al-Qaida" gehandelt haben sollte, so kann dies sicherlich keine Erklärung dafür sein, daß das US-Militär oder auch die CIA hier einmal mehr in Personalunion Ankläger, Richter und Henker stellten.





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