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"Ich habe nie das Wort 'Bombe' gehört"

Tödliche Terrorangst an US-Flughafen

09.12.2005  






Am Mittwoch wurde der 44 Jahre alte US-Bürger Rigoberto Alpizar auf dem Flughafen Miami an Bord eines Flugzeugs der American Airlines von einem oder mehreren "Sky Marshals" - "Luft-Sheriffs" - erschossen. Ein Bericht des Time Magazine vom Donnerstag widerspricht eindeutig der häufig verbreiteten Behauptung der "Sky Marshals", Alpizar habe mit einer Bombe gedroht.

Ebenfalls am Donnerstag sagte der Pressesprecher des Weißen Hauses, Scott McClellan, in einer Pressekonferenz, die "Sky Marshals" hätten vollständig entsprechend ihrer Ausbildung gehandelt und wiederholte dies auch auf mehrere Nachfragen eines Journalisten.

Sollte die Vorgehensweise, die sich durch Zeugenaussagen abzuzeichnen beginnt, allerdings tatsächlich dem Lehrbuch für diese "bewaffneten Flugbegleiter" entsprechen, so scheint es fast verwunderlich, daß nicht weitaus öfter Passagiere erschossen werden.

So sagte John McAlhany, der wenige Reihen vor Alpizar in der Maschine saß, gegenüber Time: "Ich denke nicht, daß sie tödliche Gewalt gegen den Typ anwenden mußten. Er war dabei, das Flugzeug zu verlassen." Er habe Alpizar schon im Flughafen gesehen, wie er ein Sandwich aß. Zu dem Zeitpunkt habe er völlig normal ausgesehen. "Ich glaube nicht, daß er jetzt tot sein sollte", sagte McAlhany.

"Ich habe an Bord des Flugzeugs nie das Wort 'Bombe' gehört", so McAlhany. "Ich hörte nie das Wort 'Bombe', bis das FBI mich fragte, ob ich das Bomben-Wort gehört hätte. Das ist lächerlich." Tatsächlich sprach McAlhany zufolge nicht einmal das FBI das Wort "Bombe" aus. "Sie fragten: 'Haben Sie irgendetwas von dem B-Wort gehört?'", berichtete er. "So haben sie es genannt."

Ein Artikel der britischen Times zitierte eine weitere Passagieren mit der gleichen Aussage. "Ich habe ihn nicht sagen gehört, er hätte eine Bombe", sagte Mary Gardner.

Nachdem Alpizar auf seinem Sitz Platz genommen hatte, hörte McAlhany, wie er begann, sich mit seiner Ehefrau zu streiten. "Er sagte 'Ich muß aus dem Flugzeug raus.' Sie sagte 'Beruhig Dich." Alpizar begann schließlich, den Mittelgang entlangzulaufen, dicht gefolgt von seiner Ehefrau. "Sie lief hinter ihm her und sagte 'Er ist krank. Er ist krank. Er ist krank. Er hat eine Störung", so McAlhany. Er sei sich zwar nicht sicher, ob sie von einer manisch-depressiven Störung ("bipolar disorder") gesprochen habe, wie dies von anderen Fluggästen behauptet wird, sie habe aber versucht, den "Sky Marshals" zu erklären, daß er krank sei. "Er wollte einfach nur aus dem Flugzeug raus."

McAlhanys Beschreibung zufolge trug Alpizar einen großen Rucksack auf dem Rücken und zusätzlich eine Bauchtasche. Diese habe es ihm auch unmöglich gemacht, sich den Befehlen der "Sky Marshals" folgend flach auf den Bauch zu legen. "Man kann sich nicht mit einer Bauchtasche auf den Boden legen", sagte er. "Man muß sie zur Seite schieben". Tatsächlich dürfte Alpizars Erkrankung hier aber eine weitaus entscheidendere Rolle gespielt haben.

Während Alpizar nach vorn lief, wurden die anderen Passagiere von der Besatzung aufgefordert, zwischen den Sitzen in Deckung zu gehen. "Ich sah nicht, wie er erschossen wurde", so McAlhany. "Sie befahlen mir ständig, mich zu ducken. Ich hörte etwa fünf Schüsse."

Die darauffolgende Behandlung der überlebenden Passagiere weckt Zweifel an McClellans Aussage, all dies sei nur zu ihrem Schutz geschehen. McAlhany sprach mittels seines Mobiltelephons mit seinem Bruder, als ihm nach eigener Aussage eine Schrotflinte von hinten an den Kopf gehalten wurde. Die Person sagte "'leg deine Hände auf den Sitz vor dir'. Mir wurde das Mobiltelephon aus der Hand geschlagen. Dann bemerkte ich, daß es ein Beamter war."

"Sie richteten die Waffen direkt auf uns statt auf den Boden", sagte er. "Ein kleines Mädchen weinte. Eine Frau weinte den ganzen Weg zum Hotel."

Die Behauptungen der Behörden und diese Zeugenaussagen erinnern in fataler Weise an den Fall des in der Londoner U-Bahn erschossenen Jean Charles de Menezes. Auch in seinem Fall waren seitens der Behörden anfänglich zahlreiche Gründe aufgeführt worden, denen zufolge die Beamten ihn als eine "Bedrohung" wahrnahmen. Letztlich hatten sich aber alle diese Behauptungen als Lügen erwiesen.





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