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"Lügende, dreckige Gauner"

Der Propagandakrieg der USA

11.12.2005  






Ein am Sonntag in der New York Times erschienener Artikel beleuchtet das Ausmaß der Anstrengungen der USA, Propagandameldungen in ausländische Medien einzuschleusen.

Dabei sprechen schon die nackten Zahlen Bände. Die im US-Militärstützpunkt Fort Bragg im US-Bundesstaat North Carolina beheimatete "Fourth Psychological Operations Group" ist ausschließlich damit beschäftigt, wie sie es nennen "wahrheitsgemäße Nachrichten" zur Unterstützung der Ziele der US-Regierung zu verbreiten. 1.200 US-Soldaten gehören dieser Einheit an.

"Wir nennen unsere Sachen Informationen und den des Gegners Propaganda", sagte US-Oberst Jack N. Summe, damals der Kommandeur der Einheit, in einem Anflug von Selbstkritik im Juni. Selbst im Pentagon "betrachten uns einige Mitarbeiter für Öffentlichkeitsarbeit geringschätzig" und seinen Worten zufolge als "lügende, dreckige Gauner". Diese Auffassung kann allerdings kaum verwundern. "Wir brauchen nicht den journalistischen Prinzipien der Objektivität zu gehorchen", so Summe. "Wir erzählen einem ausgewählten Publikum die US-Seite der Geschichte."

Als kürzlich bekannt wurde, daß das Unternehmen Lincoln Group im Irak Medien für die Verbreitung von US-freundlichen Propagandaartikeln bezahlte, sagte der "nationale Sicherheitsberater" Stephen J. Hadley, US-Präsident George W. Bush sei wegen der Angelegenheit "sehr beunruhigt". Offenbar war Bush allerdings höchstens beunruhigt, weil diese Information plötzlich an die Öffentlichkeit gelangt war. Die Lincoln Group sagt Dokumenten des Pentagons zufolge von sich, über 1.000 Artikel in irakischen und anderen arabischen Zeitungen untergebracht zu haben. Dabei wurde und wird viel Wert darauf gelegt, daß die wahren Urheber - die vielfach in Fort Bragg sitzen dürften - unbekannt bleiben. Insgesamt hat Lincoln Group Verträge über mindestens 25 Millionen US-Dollar erhalten.

Dies ist aber keineswegs das einzige Unternehmen, das derartige Aufgaben übernimmt. Beteiligt an der Verbreitung dieser "einseitigen Wahrheiten" ist unter anderem auch die Rendon Group. Dieses Unternehmen war schon im Jahr 1990 durch eine geplante und inszenierte Lüge entscheidend am Beginn des ersten Krieges der USA gegen den Irak beteiligt. Die Rendon Group inszenierte zusammen mit der Werbeagentur Hill & Knowlton den Auftritt eines 15-jährigen Mädchens vor dem US-Kongreß. Tränenüberströmt erzählte das Mädchen namens Nayirah dort, wie sie gesehen habe, daß irakische Soldaten Babys aus Brutkästen rissen und sie auf den Boden warfen, wo sie starben. Später stellte sich heraus, daß sie in Wahrheit ein Mitglied der königlichen Familie Kuwaits und Tochter des kuwaitischen Botschafters in den USA ist und das ihre Geschichte vollständig erfunden war. Zu dem Zeitpunkt war der Krieg allerdings schon längst geführt worden.

"Irakische Medien" haben von den USA bisher fast 100 Millionen US-Dollar "Unterstützung" erhalten. Es fällt nicht schwer, die an diese Gaben geknüpften Bedingungen zu ermessen. Derartige Manipulationen beschränken sich aber keineswegs allein auf den Irak.

So finanziert die "US-Behörde für Internationale Entwicklung" (USAID) unter anderem auch 30 Radiosender in Afghanistan, was die Hörer aber nicht wissen. Die Behörde ließ dort auch zehntausende MP3-Player-ähnliche Audiogeräte mit bereits abgespeicherten Nachrichten durch ein Unternehmen verteilen, das zusicherte, daß es "keine Verbindung zu den USA" geben würde. Selbstverständlich waren die Geräte so konstruiert worden, daß sie nur diese abgespeicherten Nachrichten und keine anderen Dateien abspielen können.

Zwar existiert in den USA ein Gesetz, daß die Verbreitung von staatlicher Propaganda innerhalb der USA untersagt, aufgrund des weltweiten Nachrichtenverkehrs wird dies durch die Verbreitung von zahllosen Propagandameldungen im Ausland - die nicht untersagt ist -aber zweifellos mittlerweile umgangen. Angesichts des hier getriebenen personellen wie finanziellen Aufwands zur Beeinflussung von Menschen scheint die Frage, welche vermeintlichen "Informationen" bisher nur nicht als Propagandalügen enttarnt wurden, sicherlich angebracht.





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